Den Meeren geht die „Luft“ aus - wissenschaft.de
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Den Meeren geht die „Luft“ aus

Ohne Sauerstoff kein Leben – auch im Meer. Und in vielen Bereichen nimmt dieser kontinuierlich ab und schränkt dadurch zunehmend die Lebensräume für marine Organismen ein. (Bild:RainervonBrandis/iStock)

Erwärmung, Versauerung und Verschmutzung machen den marinen Ökosystemen der Erde zunehmend zu schaffen – doch wie Wissenschaftler nun betonen, gibt es ein weiteres Problem im Reich Poseidons: Die Sauerstoffgehalte schwinden, was mit Verschiebungen des biologischen, chemischen und physikalischen Gleichgewichts in den Meeren verbunden ist. Wie die Wissenschaftler erklären, spielt erneut die Klimaerwärmung eine problematische Rolle beim globalen Sauerstoffverlust in den Ozeanen.

Das „Lebenselexier“ in den Ozeanen steht schon lange im Fokus eines internationalen Forscherteams unter der Beteiligung des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel. In den letzten Jahren haben sie durch umfangreiche Probenahmen und Analysen die Sauerstoffgehalte in vielen Gewässern der Welt untersucht, Entwicklungen verdeutlicht und Ursachen für den Rückgang des O2-Gehalts aufgezeigt. Ihre Ergebnisse präsentiert nun ein 562-seitiger Bericht der International Union for Conservation of Nature (IUCN). Da der Sauerstoffverlust zu einem großen Teil von der Erderwärmung getrieben wird, sollte der Bericht einen weiteren „Weckruf“ an die Teilnehmer UN Klimakonferenz in Madrid darstellen.

Warmem Wasser entfleucht der Sauerstoff

Wie die Forscher berichten, ist der globale Sauerstoffgehalt in den vergangenen 50 Jahren im Durchschnitt um mehr als zwei Prozent zurückgegangen. Ihnen zufolge sind die erhöhten Wassertemperaturen im Zuge des Klimawandels dabei ein wichtiger Faktor: Je wärmer Oberflächenwasser ist, desto weniger Sauerstoff kann es aufnehmen. Das warme Wasser führt außerdem dazu, dass die Schichtung des Ozeanwassers stabiler wird, wodurch sich Vermischung und Zirkulation abschwächen und es schwieriger wird, das Innere der Meere zu belüften. Der Bericht verdeutlicht zudem das regional sehr unterschiedliche Ausmaß des Sauerstoffmangels. Vor allem Regionen, in denen weitere Faktoren zur Sauerstoffknappheit beitragen, sind demnach besonders schwer betroffen.

Vor allem in Küstengewässern wird durch unnatürlich intensive Nährstoffzufuhr durch Düngemittel und Fischzuchten das Algenwachstum begünstigt, wodurch der Verbrauch von Sauerstoff steigt. „Wenn man bedenkt, dass gerade küstennahe Gebiete wie vor Peru oder Westafrika für einen großen Teil der weltweiten Fischereierträge verantwortlich sind, kann sich das schon jetzt direkt auf den Menschen auswirken“, betont Andreas Oschlies von GEOMAR.

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Für Fisch und Co wird’s „stickig“

Aus den Daten, die die Forscher in den letzten Jahren gesammelt haben, geht hervor, dass im vergangenen halben Jahrhundert die Wassermenge im offenen Ozean, in der jeglicher Sauerstoff fehlt, um mehr als das Vierfache gewachsen ist. In Küstengewässern, einschließlich Flussmündungen und Randmeeren, haben sich Standorte mit niedrigem Sauerstoffgehalt seit 1950 sogar mehr als verzehnfacht. „Wir erwarten außerdem, dass die Sauerstoffkonzentrationen auch außerhalb dieser Gebiete weiter absinken werden, wenn sich die Erde weiter erwärmt“, sagt Oschlies.

Wie die Forscher betonen, ist nun allerdings weitere Forschungsarbeit auf dem Gebiet nötig, um genauere Einschätzungen zu ermöglichen. „Zum Beispiel zeigen Computermodelle immer noch einen geringeren Sauerstoffverlust, als wir ihn im Meer wirklich messen. Das bedeutet, dass wir noch nicht alle damit zusammenhängenden Prozesse verstanden haben“, unterstreicht Oschlies. „Deshalb freuen wir uns, dass die IUCN dieses Thema mit dem neuen Report aufgreift und neue Wege für die zukünftige Forschung aufzeigt“, so der Wissenschaftler.

Quelle: GEOMAR, Fachartikel: Ocean deoxygenation: Everyone’s problem – Causes, impacts, consequences and solutions. Gland, Switzerland: IUCN. xxii+562 pp

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