Dino zeigt Kralle - wissenschaft.de
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Dino zeigt Kralle

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Der Haplocheirus sollers, hier eine Rekonstruktion, lebte vor 160 Millionen Jahren. Er gehört zu den vogelähnlichen Alvarezsauriden, die bisher 60 Millionen Jahre jünger datiert wurden. Das jetzt gefundene Fossil beweist, dass sich diese Dinosaurier unabhängig von Vögeln entwickelt haben. Bild: Portia Sloan
Vor 89 Millionen Jahren streifte die vogelähnliche Dinosauriergruppe der Alvarezsauriden durch die Kreidezeit. Aber diese Zweibeiner mit einer scharfen Kralle an den Vorderarmen waren keine flugunfähigen Vögel: Ein von US-Forschern in der Wüste Gobi ausgegrabenes Alvarezsauriden-Fossil des „Haplocheirus sollers“ ist 15 Millionen Jahre älter als der Urvogel Archäopteryx. Beide Linien gehen aber zweifelsfrei auf einen gemeinsamen Ast der Evolution zurück: Die Gruppe der zweibeinigen und meist fleischfressenden Theropoden, deren Regentschaft über die Erde vor 228 Millionen Jahren begann. Das Massenaussterben am Ende der Kreidezeit vor 65 Millionen Jahren überlebten aber nur die Vögel.

1920 waren erstmals Alvarezsauriden ausgegraben worden, doch erst 1990 wagten Wissenschaftler eine Beschreibung, weil ihnen die Fossilien zu rätselhaft erschienen. Die Skelette wiesen mit kleinem Brustbein, teils federartigen Strukturen und dem verwachsenen Handwurzel- und Mittelhandknochen hohe Übereinstimmungen mit dem Knochenbau von Vögeln aus. Die in Asien, Europa und Amerika vor 89 bis 65 Millionen Jahren nachgewiesenen Zweibeiner wurden als flugunfähige Abkömmlinge der Vögel eingeordnet. Haplocheirus erhöht nun das Alter dieses Stamms um 63 Millionen Jahre und fordert dessen evolutionäre Eigenständigkeit ein.

Das nahezu komplett erhaltene Skelett des Haplocheirus wurde in alten Flussablagerungen im Junggar-Becken der nordwestchinesischen Region Xinijiang bei einer gemeinsamen Grabungskampagne von chinesischen und US-Wissenschaftlern freigelegt. Mit zwei Metern Länge ist er der größte bisher gefundene Alvarezsauride. Aber nicht nur seine Körpermaße unterscheiden ihn von seinen Nachfahren: Diese besitzen an sehr kurzen Vorderbeinen eine scharfe Kralle neben zwei völlig zurückgebildeten Zehenresten, beim Urahn zeigen sich noch drei Zehen, von denen die Mittlere allerdings auch schon deutlich verlängert ist. Die kräftigen Armstummel mit der scharfen Sichelkralle wurden nach Ansicht der Wissenschaftler dazu verwendet, um harte Termitenbauten aufzubrechen. Das Lateinische „sollers“ bedeutet „geschickt“: Haplocheirus konnte mit seinen Fingern greifen.

„Haplocheirus ist ein Übergangsfossil. Er zeigt, wie sich auf einer frühen Stufe der Evolution die bizarre Klaue der späteren Alvarezsauriden von lange vorher lebenden Raubsauriern entwickelt hat“, erklärt Jonah Choiniere von der George Washington University in Washington. „Und es bestätigt unsere Vorhersage, dass diese Spezies bereits in der späten Jura-Zeit existierte.“ Das Paläontologen-Team stieß bei seinen Ausgrabungen auf weitere außergewöhnliche Funde: Ausgegraben wurden unter anderem auch der älteste Dinosaurier mit hornartigen Höckern namens Yinlong downsi und der älteste Tyrannosaurus, der drei Meter lange Beutegreifer Guanlong wucaii.

Jonah Choiniere (George Washington University, Washington) et al.: Science, doi:10.1038/nature08740 ddp/wissenschaft.de ? Rochus Rademacher
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