Dürrerisiko: Auf dem Trockenen - wissenschaft.de
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Dürrerisiko: Auf dem Trockenen

Dürre
Zunehmende Dürre gefährdet die Ernährungssicherheit, aber auch die Energieversorgung.(Bild: cinoby/ iStock)

Mit dem Klimawandel hat das Risiko für Dürren weltweit, aber auch in Deutschland und Europa, zugenommen. Welche Folgen dies konkret haben kann, beleuchtet nun eine Studie des World Wide Fund For Nature (WWF). Demnach liegen schon jetzt 19 Prozent der Millionenstädte weltweit in Gebieten mit hohem Dürrerisiko. 22 Prozent des Getreideanbaus sind ebenfalls akut dürregefährdet. Ebenfalls gravierend: Ein Großteil der Kraftwerke zur Wärme- und Energieversorgung liegen in Risikozonen – betroffen sind auch einige deutsche Kraftwerke.

Mit der globalen Erwärmung nehmen auch Wetterextreme wir Dürren, Hitzewellen oder Starkregen zu – so viel ist schon jetzt nachweisbar. Die Folgen solcher Extreme waren vor allem im Jahr 2018 auch bei uns deutlich erkennbar: Die monatelange Trockenheit ließ Felder und Wiesen verdorren, Fische starben in austrocknenden Gewässern und es gab milliardenschwere Ernteausfälle. Auch Waldbrände häuften sich.

Aber wie hoch ist das Risiko, dass sich solche Dürreperioden wiederholen? Und welche Gebiete und Branchen sind besonders betroffen? Das haben Forscher nun im Auftrag des WWF in einem Report zusammengefasst. In ihm bewerten sie das Dürrerisiko für Städte, Anbaugebiete von Mais, Reis und Weizen, für Feuchtgebiete, für Kohle-, Atom- und Wasserkraftstandorte sowie Gebiete mit wasserbezogenen politischen Auseinandersetzungen. Das jeweils ermittelte Dürrerisiko setzt sich aus verschiedenen Risikoindikatoren zusammen, darunter der aktuellen Eintrittswahrscheinlichkeit von Dürren, dem aktuellem Wassermangel und Grundwasserstress, aber auch der projizierten Änderung im Auftreten von Dürren und im Wasserabfluss.

Megastädte, Anbaugebiete und Konfliktregionen betroffen

Das Ergebnis: Weltweit liegen schon jetzt 19 Prozent der Städte mit mehr als einer Million Einwohnern in Gebieten mit hohem bis sehr hohem Dürrerisiko – betroffen sind dort insgesamt rund 370 Millionen Menschen. Unter den besonders gefährdeten Megastädten sind Delhi, Kairo, Karachi, Istanbul, Rio de Janeiro und Hyderabad. In Europa sind neben Istanbul derzeit unter anderem Madrid und Lissabon einem hohen Dürrerisiko ausgesetzt. „Andere Städte wie Rom, Neapel, Athen und München könnten in wenigen Jahren beim Dürrerisiko nachziehen“, sagt Philipp Wagnitz vom WWF. Ein weiteres Resultat der Auswertung: Trockenheit gefährdet auch den Anbau von Grundnahrungsmitteln wie Weizen, Mais und Reis. Schon jetzt stammen 22 Prozent der weltweiten Weizenproduktion aus Regionen mit hohen bis sehr hohem Dürrerisiko, wie die WWF-Forscher berichten.

Verschärfend kommt hinzu, dass Trockenheit und daraus resultierende Versorgungsengpässe auch regionale Konflikte anheizen können. Der Studie zufolge sind 38 Prozent der Gebiete, in denen es ohnehin eine hohe Wahrscheinlichkeit für Wasserkonflikte gibt, einem hohen Wasserrisiko ausgesetzt. Besonders betroffen ist der Mittlere Osten, wo 90 Prozent der Landfläche in die höchste Risikokategorie für Dürren fällt. In Europa hat die Türkei, insbesondere in der Grenzregion zu Griechenland und Bulgarien, ein hohes Risiko für wasserbasierte Konflikte und Krisen, warnt der WWF.

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Dürren gefährden Energieversorgung – auch bei uns

Für Europa und auch Deutschland besonders relevant ist ein weiteres Ergebnis des Reports: 49 Prozent der weltweiten Wärmekraftwerks-Kapazität – vor allem durch Kohle, Erdgas und Atomkraft sind einem hohen bis sehr hohen Dürrerisiko ausgesetzt. Im Klartext bedeutet dies, dass solchen Kraftwerken in Trockenperioden schnell das Kühlwasser ausgeht und sie ihren Betrieb einstellen müssen – wie es im Hitzesommer 2018 auch bei einigen Kraftwerken in Deutschland nötig wurde. Denn allein in Europa werden 43 Prozent der gesamten Süßwasserentnahme für die Kühlung von solchen thermischen Kraftwerken genutzt.

Konkret sehen die Forscher ein hohes Risiko für 138 von 296 Kraftwerken in Spanien – das entspricht mehr als 50 Prozent. In Frankreich sind 27 Kraftwerke betroffen, darunter auch die Atomkraftwerke Flamanville, Blayais, Paluel und Penly. Aber auch in Deutschland gibt es Kraftwerke, die in Zukunft häufiger aus Wassermangel abgestellt werden müssen. Dazu gehören die Kohlekraftwerke Jänschwalde, Boxberg, Schwarze Pumpe und HKW Cottbus, sowie das Wasserkraftwerk Altheim und das Gaswerk Kirchmöser. Das Problem: Produzieren Kraftwerke wegen einer Dürre weniger Strom, sind auch andere Sektoren wie die Industrie, die Lebensmittelproduktion oder der Verkehr betroffen.

Nach Ansicht des WWF ist ein effektiverer Klimaschutz unumgänglich, wenn sich das Risiko für Dürren und ihre Folgen nicht weiter erhöhen soll. „Die Staatengemeinschaft muss ihre Klimabeiträge deutlich erhöhen, um die Erderhitzung auf 1,5 Grad zu begrenzen – sonst setzt sich die fatale Dürrespirale weltweit fort“, betont Philipp Wagnitz vom WWF Deutschland.

Quelle: WWF World Wide Fund For Nature; WWF-Report zum Download (PDF)

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