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Ein elefantengleicher Urzeit-Riese

Der Säugetier-Vorläufer Lisowicia bojani war circa so groß wie ein Elefant. (Bild: T. Sulej/ G. Niedzwiedzki)

Die ersten Vorläufer heutiger Säugetiere entwickelten sich bereits im Zeitalter der Dinosaurier. Ein überraschender Fund aus Polen zeigt nun, dass diese Tiere offenbar beachtliche Körperausmaße erreichen konnten: Forscher haben dort die 210 Millionen Jahre alten Fossilien eines säugetierähnlichen Reptils von der Größe eines Elefanten entdeckt. Damit muss dieses Wesen damals das größte Landwirbeltier gewesen sein, das kein Dinosaurier war.

Dinosaurier gelten als die Giganten der Urzeit. Vor allem die pflanzenfressenden Sauropoden erreichten mit Größen von über 20 Metern und einem Gewicht von mitunter mehr als 50 Tonnen schier unvorstellbare Dimensionen. Doch sie waren damals nicht die einzigen Riesen: Ein Fund aus Polen zeigt nun, dass sich auch außerhalb der Gruppe der Dinosaurier Tiere mit beachtlichen Ausmaßen entwickelten. In der Nähe der schlesischen Ortschaft Lisowice haben Forscher um Tomasz Sulej von der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Warschau die Knochen von zwei gigantischen Nicht-Sauriern einer bisher unbekannten Spezies entdeckt. Die Tiere waren etwa 4,50 Meter lang, 2,60 Meter hoch und wogen zu Lebzeiten wahrscheinlich um die neun Tonnen. Damit hatten sie in etwa die Größe moderner Elefanten.

So könnte Lisowicia ausgesehen haben. (Bild: Karolina Suchan-Okulska)

Der größte Nicht-Dinosaurier

Wie das Forscherteam berichtet, sind die Fossilien der Lisowicia bojani getauften Art zwischen 210 und 205 Millionen Jahre alt. Sie stammen somit aus dem Zeitalter der Trias – einer Phase, in der sich neben den ersten Dinosauriern auch die Vorläufer heutiger Säugetiere entwickelten. Genau zu dieser Gruppe gehört auch Lisowicia. Sulej und seine Kollegen ordnen ihren Fund den sogenannten Dicynodontia zu. Diese Pflanzenfresser gehörten zu den Therapsiden, einer in vielen Merkmalen bereits erstaunlich säugetierähnlichen Reptiliengruppe.

Dass es sich bei den Knochen um die sterblichen Überreste dieser Säugetier-Vorläufer handelt, ist gleich aus dreierlei Gründen besonders: Zum einen zeigt der Fundort Polen, dass die Dicynodontia verbreiteter waren als gedacht. Denn bisher entdeckte Fossilien stammen vor allem aus Afrika, Asien und Amerika. Außerdem sind die Fossilien rund zehn Millionen Jahre jünger als alle zuvor gefundenen Dicynodontia-Knochen. Am überraschendsten aber ist tatsächlich die Größe dieser Urzeit-Wesen: Mit ihren elefantengleichen Ausmaßen waren sie 40 Prozent größer als bisher bekannte Dicynodontia, wie die Wissenschaftler betonen. „Lisowicia ist das größte Landwirbeltier der Trias, das kein Dinosaurier war“, sagt Mitautor Grzegorz Niedzwiedzki von der Universität Uppsala in Schweden.

„Spannender Fund“

Damit ist klar: Auch die Vorfahren heutiger Säugetiere aus dem Saurier-Zeitalter konnten gigantische Körperausmaße erreichen. Möglicherweise brachte ihnen dies Vorteile gegenüber Raubtieren oder auch bei der Nahrungssuche, wie die Forscher spekulieren. „Es ist nur natürlich wissen zu wollen, warum und wie die Dicynodontia so groß wurden“, sagt Niedzwiedzki. „Unser Fund ist sehr spannend, weil er viele klassische Vorstellungen über die säugetierähnlichen Reptilien der Trias in Frage stellt“, schließt der Forscher.

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Quelle: Tomasz Sulej (Polnische Akademie der Wissenschaften, Warschau) et al., Science, doi: 10.1126/science.aal4853

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