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Ein erstaunlicher Drache

So könnte Lingwulong shenqi ausgesehen haben. (Bild: Zhang Zongda)

Brachiosaurus, Diplodocus und Co waren die pflanzenfressenden Riesen im Dino-Reich. Ein überraschender Fund aus China wirft nun ein neues Licht auf Ursprung und Verbreitung dieser sogenannten Neosauropoden: Die 174 Millionen Jahre alten Knochen einer bisher unbekannten Art belegen, dass sich diese Sauriergruppe weitaus früher auf unserem Planeten verbreitete als gedacht. Entgegen bisheriger Annahme begann ihre Erfolgsgeschichte demnach bereits, als alle Landmassen noch zum Superkontinent Pangaea vereinigt waren.

Die Dinosaurier eroberten im Laufe ihrer Evolution sämtliche Teile unseres Planeten – von Europa bis nach Australien. Diese großflächige Ausbreitung war lange Zeit problemlos möglich. Denn damals gab es nur eine große Landmasse ohne trennende Ozeane: den Superkontinent Pangaea. Als dieser jedoch nach und nach zerbrach, war die Dino-Welt plötzlich geteilt und die Wanderung von einem zum anderen Erdteil nicht mehr ohne weiteres möglich. Das hatte gravierende Konsequenzen für die weitere Verbreitung der Urzeittiere – allen voran den Sauropoden. Diese gigantischen Pflanzenfresser begannen sich der gängigen Lehrmeinung nach zu diversifizieren, als sich Pangaea bereits merklich im Umbruch befand.

Damals noch junge und weiter entwickelte Arten, die sogenannten Neosauropoden, stießen dadurch auf unüberbrückbare Barrieren. Das geographisch isolierte Ostasien beispielsweise konnten die Vorfahren von Riesenechsen wie Brachiosaurus und Diplodocus nicht mehr erreichen. So zumindest dachten Paläontologen bislang. Ein überraschender Fund stellt diese Annahme nun allerdings in Frage: Wissenschaftler um Xing Xu von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking haben in China entgegen aller Erwartungen Knochen von Dinos aus der Gruppe der Diplodocoidea entdeckt – Wesen, die zu den Neosauropoden gezählt werden.

Ältester Neosauropode

Die mehreren Individuen zugeordneten Skelettteile gehören offenbar einer bisher unbekannten Art dieser Dinosauriergruppe an. Die Forscher tauften sie in Anlehnung an den Fundort Lingwulong shenqi. Das heißt wörtlich übersetzt so viel wie „der erstaunliche Drache von Lingwu“. Doch wie kamen die sterblichen Überreste dieses Pflanzenfressers überhaupt dorthin? Des Rätsels Lösung lieferte eine Altersbestimmung der Knochen: Sie sind 174 Millionen Jahre alt und fallen zeitlich damit vor den Zerfall des Superkontinents. Demnach ist der Lingwu-Drache nicht nur der erste bekannte Neosauropode aus Ostasien, sondern auch der älteste Vertreter dieser Gruppe überhaupt.

Was bedeutet das? Offenbar hatten sich modernere Sauropoden bereits erfolgreich global verbreitet, als Pangaea noch eine zusammenhängende Landmasse war. Ihre Diversifikation begann demzufolge nicht erst am Übergang vom Mittel- zum Oberjura – sondern bereits deutlich früher. Wie die Wissenschaftler berichten, müssen etliche Sauropoden-Familien mindestens 15 Millionen Jahre eher entstanden sein als bisher angenommen. „Diese zeitliche Verschiebung bestätigt erneut, dass das frühe Jura-Zeitalter eine wichtige Phase in der Dinosaurier-Evolution war, in der viele neue Arten entstanden“, schließt das Forscherteam.

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Quelle: Xing Xu (Chinesische Akademie der Wissenschaften, Peking) et al., Nature Communications, doi: 10.1038/s41467-018-05128-1

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