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Einblicke in den Dino-Nestbau

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Fossiles Gelege eines Oviraptor Dinosauriers der Kreidezeit. War es einst bedeckt oder offen? (Bild: Kohei Tanaka)
Bauten sie bereits offene Nester wie die heutigen Vögel oder vergruben sie ihre Eier wie Krokodile? Wie die Nester der verschiedenen Saurierarten aussahen, ist anhand von Funden bislang schwer feststellbar. Einblicke in diese Frage können Untersuchungen der Poren in fossilen Eierschalen geben, berichten nun Forscher. Ihre Ergebnisse legen nahe: Viele Dinoarten buddelten ihre Eier noch ein, doch einige der zweibeinigen Raubsaurier, die als die Vorfahren der Vögel gelten, bauten bereits Freiluft-Nester.

Dinosauriereier sind oft ausgesprochen gut erhalten, doch für die Nester, in denen sie einst lagen, gilt das nicht: „Spuren von Neststrukturen und Nistmaterial gibt es in der Regel nicht“, sagt Koehei Tanaka von der University of Calgary. „So war bislang kaum zu klären, wie Dinosaurier ihre Nester bauten und unter welchen Bedingungen sich ihre Eier entwickelten“. Möglich sind dabei die beiden Versionen, die es auch heute noch bei eierlegenden Wesen gibt: Krokodile und einige andere Reptilien bedecken ihre Gelege mit Erde, Sand oder verrottender organischer Substanz, um sie zu schützen und mit Wärme zu versorgen. Die warmblütigen Vögel legen ihre Eier hingegen offen ins Nest und bebrüten sie.

Poren in Eierschalen geben Hinweise

Welche der beiden Nestbau-Methoden Dinosaurier pflegten, lässt sich indirekt an den Merkmalen der Eierschalen ablesen, sagen Tanaka und seine Kollegen. Ihnen zufolge besitzen die Eierschalen von Krokodilen und einigen anderen Reptilien, die ihre Gelege eingraben, besonders große und viele Poren, um einen guten Gasaustausch zu sichern. Bei den luftig liegenden Eiern der Vögel ist dies hingegen weniger nötig und so besitzen sie auch entsprechend weniger poröse Schalen, erklären die Forscher. Mit anderen Worten: In den Merkmalen der Schale spiegelt sich wider, ob ein eierlegendes Wesen bedeckte oder offene Nester baut. Im Rahmen ihrer Studie untersuchten die Forscher nun die Porenstrukturen bei fossilen Eierschalen von 29 Dinosaurierarten aus unterschiedlichen Dinosauriergruppen und verglichen die Ergebnisse mit Daten von 127 heute lebenden Vogel- und Krokodilarten.

Sie stellten fest: Die Eier der meisten der untersuchten Dinosaurierarten waren stark porös. Beispielsweise die langhalsigen Sauropoden oder die Entenschnabel-Dinosaurier bedeckten ihre Gelege demnach mit Material, um sie zu auszubrüten. Doch es gab interessante Ausnahmen: Die Eier einiger Theropoden-Arten wiesen wenig Poren auf, berichten die Forscher. Dies legt nahe, dass sie offene Nester anlegten wie die heutigen Vögel. Bei den Theropoden handelt es sich um eine artenreiche Gruppe zweibeiniger Dinosaurier, aus der die heutigen Vögel hervorgegangen sind. Die Ergebnisse lassen nun vermuten, dass einige Theropoden bereits ein ähnliches Brutverhalten wie ihre heutigen Nachfahren pflegten. Dies deckt sich mit Hinweisen aus früheren Studien, wonach manche Arten bereits schon warmblütig waren.

Ein Mögliches Erfolgskonzept: Offene Nester

Den Forschern zufolge könnte das offene Brüten möglicherweise sogar ein wichtiges Erfolgskonzept in der Evolution gewesen sein: „Bedeckte Nester müssen auf dem Boden gebaut werden – das offene Nisten könnte den fortschrittlichen Theropoden hingegen das Nisten an Orten ermöglicht haben, die Räubern schlecht zugänglich waren“, sagt Co-Autorin Darla Zelenitsky. Möglicherweise war dies ein Aspekt beim evolutionären Erfolg der Entwicklungslinie, die zu den Vögeln führte, sagt die Paläontologin. Sie und ihre Kollegen wollen nun auch weiterhin Eierschalen indirekte Informationen über Dinosaurier entlocken – beispielsweise, wie lange es dauerte, bis die Kleinen schlüpften.

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Originalarbeit der Forscher:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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