Anzeige
Anzeige

Erde+Klima

Emissionen des „Ozonkillers“ FCKW-11 wieder rückläufig

Atmosphäre
Zum Schutz der Ozonschicht sind viele halogenierte Kohlenwasserstoffe verboten. (Bild: studio023/ iStock)

Das Gas Trichlorfluormethan trägt zum Abbau der Ozonschicht bei, weshalb sein Ausstoß seit 2010 weltweit verboten ist. Trotzdem registrierten Messnetze vor einigen Jahren einen erneuten Anstieg dieses „Ozonkillers“. Nachdem jedoch 2017 die Quelle in China lokalisiert und die Behörden informiert wurden, gibt es nun eine gute Nachricht: Seither sind die Emissionen von FCKW-11 wieder dramatisch gesunken, wie Forscher nun berichten.

Der Ausstoß von Trichlorfluormethan (FCKW-11) wurde 2010 im Rahmen des Montreal-Protokolls weltweit verboten, denn der früher als Kältemittel und Treibgas verwendete Stoff gilt als „Ozonkiller“. In der polaren Atmosphäre setzt er Chlorradikale frei und trägt so zum Abbau der Ozonschicht bei. Trotz des Verbots wurde jedoch ein Anstieg der FCKW-11-Emissionen seit dem Jahr 2013 festgestellt. Luftmessungen und weitere Recherchen ergaben, dass im Nordosten Chinas von 2012 bis 2019 bis zu 100.000 Tonnen der ozonabbauenden Verbindung bei der Produktion von Isolierschäumen freigesetzt wurden. Die chinesischen Behörden wurden informiert und ihren Angaben zufolge kam es zu Verhaftungen, Materialbeschlagnahmungen und dem Abriss von Produktionsanlagen.

Hat es etwas gebracht?

Ob sich die Emissionen des Trichlorfluormethans dadurch aber tatsächlich verringerten, haben nun zwei internationale Forscherteams um Sunyoung Park von der Kyungpook National-Universität in Südkorea und um Stephen Montzka von der US National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) geprüft. Sie untersuchten zunächst, ob sich die Emissionen auf regionaler Ebene in den chinesischen Provinzen Shandong und Hebei verändert haben. Dazu verglichen sie die von koreanischen und japanischen Messstationen ermittelten FCKW-11-Konzentrationen mit Computermodellen, die den Transport von FCKW-11 durch die globale Atmosphäre simulieren. Zudem kontrollierten die Teams die globalen Daten mithilfe eines weiteren Computermodells. Dieses berechnet die Veränderung der Emissionen, die erforderlich ist, um mit den beobachteten globalen FCKW-11-Konzentrationen übereinzustimmen.

Es zeigte sich, dass die FCKW-11-Emissionen dramatisch zurückgegangen sind. Insgesamt sanken sie zwischen 2017 und 2019 sowohl auf regionaler als auch auf globaler Ebene jährlich um rund 10.000 Tonnen. Damit ist der Rückgang vergleichbar oder sogar größer als der ursprüngliche Anstieg in den Jahren 2012 bis 2017, schätzen die Wissenschaftler. „Die Ergebnisse sind eine sehr willkommene Nachricht und markieren hoffentlich das Ende einer beunruhigenden Periode offensichtlicher Regelverstöße“, resümiert Co-Autor Luke Western von der University of Bristol. „Wären die Emissionen auf den von uns vor zwei Jahren gefundenen signifikant erhöhten Werten geblieben, hätte sich die Erholung der Ozonschicht möglicherweise um viele Jahre verzögert. Da FCKW-11 außerdem ein starkes Treibhausgas ist, trugen die illegalen Emissionen in einem Ausmaß zum Klimawandel bei, das mit den CO2-Emissionen einer Millionenstadt vergleichbar ist“, betont der Forscher.

FCKW-11
Anstieg und Abnahme der FCKW-11-Emissionen in Nordost-China. (Bild: AGAGE/ NASA Earth Observatory)

Messnetz wird aufgestockt

„Die neuen Analysen zeigen, wie wichtig eine unabhängige Überprüfung internationaler Umweltverträge ist“, erklärt Stefan Reimann von der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa). „Ohne Luftmessungen in dieser speziellen Region der Welt wäre es nicht möglich gewesen, die regionalen Emissionen zu ermitteln.“ Das Problem: Die bisherigen Messnetze sind lückenhaft und erfassen große Teile der Welt noch nicht, so dass nicht auszuschließen ist, dass es global noch weitere Quellen klimaschädlicher Gase gibt. Erste Maßnahmen zur Identifizierung, Lokalisierung und Quantifizierung unerwarteter Emissionen kontrollierter Substanzen haben nun Vertreter des Montreal-Protokolls getroffen: Sie erweiterten die atmosphärischen Messungen in Schlüsselregionen der Erde.

Anzeige

„Diese Methode der Emissionskontrolle könnte sich außerdem als sehr hilfreich erweisen, wenn in nicht allzu ferner Zukunft mehrere Länder aufgrund ihrer Verpflichtungen aus dem Pariser Abkommen den Ausstoß von Treibhausgasen drastisch reduzieren müssen“, spekuliert Reimanns Kollege Stephan Henne. Die Wissenschaft arbeite derzeit intensiv an Beobachtungs- und Modellierungssystemen, die eine unabhängige Emissionsabschätzung für die wichtigsten Treibhausgase auf Länderebene ermöglichen und damit das gegenseitige Vertrauen zwischen den Unterzeichnerstaaten fördern, so der Forscher abschließend.

Quelle: Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt, Fachartikel: Nature, doi: 10.1038/s41586-021-03260-5; doi: 10.1038/s41586-021-03277-w

Anzeige

natur | Aktuelles Heft

Reizvolle Regionen

Aktueller Buchtipp

natur-Sonderausgabe 2020

Das Insekt und sein Mensch
Von unseren Beziehungen zu den Krabbeltieren

Anzeige

Grünstoff – der Medientipp des Monats

Serie: Hervorragend – Junge Menschen und ihr Engagement

Wissenschaftslexikon

Com|pu|ter|ani|ma|ti|on  〈[–pju–] f. 20; IT〉 bewegte, mehrdimensionale, computererzeugte Bildsequenz, die z. B. in Videoclips u. Kinofilmen verwendet wird

Län|gen|kreis  〈m. 1; Geogr.〉 Kreis von Pol zu Pol im geograf. Gradnetz; Sy Längengrad ( ... mehr

Pass|wort  〈n. 12u; bes. IT〉 Wort od. Zeichenkette, das bzw. die den Zugang zu einem geschlossenen System ermöglicht ● Loggen Sie sich bitte mithilfe Ihres ~es ein!

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige