Entenschnabel-Dinos mit Gockel-Kopfschmuck - wissenschaft.de
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Entenschnabel-Dinos mit Gockel-Kopfschmuck

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Künstlerische Darstellung von Edmontosaurus. Credit: Bell, Fanti, Currie, Arbour, Current Biology
Er ist bereits für kurioses Aussehen bekannt: Edmontosaurus regalis besaß einen flachen Kopf mit einem entenschnabeligen Kiefer. Doch diesem seltsamen Erscheinungsbild setzen Forscher nun buchstäblich noch eins oben drauf: Den Kopf der Dinos zierte offenbar ein fleischiger Kamm, ähnlich wie bei einem Hahn. Was knochige Schädelfossilien bisher nicht zeigen konnten, dokumentiert ein ungewöhnlich gut erhaltenes Fossil, bei dem sich Spuren von Haut und weichem Gewebe erhalten haben.

 

Die Edmontosaurier bevölkerten das heutige Nordamerika vor 75 bis 65 Millionen Jahren. Die sanften Pflanzenfresser erreichten eine Länge von zwölf Metern und ein Gewicht von etwa drei Tonnen. Die Hinterbeine waren deutlich größer als die Vorderbeine – Edmontosaurus ging deshalb wohl in der Regel auf den Hinterbeinen. Der flache Kopf hatte einen entenschnabeligen Kiefer, in dem sich Zähne für das Zerkleinern von Zweigen, Kiefernnadeln und Früchten befanden. Die Tiere erfüllte damals die gleich ökologische Nische wie heute Hirsche oder Kängurus. Es handelte sich wohl um eine sehr häufige Art – Edmontosaurier sind durch zahlreiche Fossilienfunde gut belegt. Doch niemand hatte bisher geahnt, dass die Tiere auf dem Kopf eine so komische Struktur besaßen.

 

„ Bis jetzt gab es keine Hinweise auf bizarre Weichteilstrukturen bei Dinosauriern. Diese neuen Erkenntnisse verändern nun unsere Annahmen über das Aussehen und Verhalten der Edmontosaurier enorm“, sagt Phil Bell von der australischen University of New England. Es stellt sich nun allerdings ebenfalls die Frage, ob nicht auch andere Saurierarten etwas Ähnliches auf dem Kopf hatten“, ergänzt der Paläontologe.

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Das Edmontosaurus-Fossil, das den Kopfschmuck offenbarte, stammt aus Ablagerungen westlich der Stadt Grande Prairie im mittleren Westen von Alberta, Kanada. Als Bell und Federico Fanti von der Universität von Bologna bei ihren Untersuchungen Spuren von Haut entdeckten, wussten sie, dass es sich bei diesem Fossil um etwas ganz Besonders handelte. Doch erst nachdem Bell den Meißel an der Oberseite des Kopfes angesetzt hatte, kam die Sensation ans Tageslicht.

 

Prahlten die Dino- „Hähne“ mit ihrem Kopfschmuck?

 

Ein Elefantenrüssel oder ein Hahnenkamm würde sich auch schlecht erhalten, denn sie besitzen keine Knochenstrukturen, so der Vergleich der Forscher. „Im übertragenen Sinne haben wir nun also entdeckt, dass Elefanten Rüssel haben“, so Bell. Die Frage, wozu der Kopfschmuck den Enten-gesichtigen Dinos diente, beleibt Spekulation. Er könnte aber eine ähnliche Bedeutung wie bei Hähnen gehabt haben, sagen die Forscher. „Man könnte sich vorstellen, wie zwei männliche Edmontosaurier sich taxieren, dabei brüllen und sich gegenseitig ihre Kämme präsentieren“, sagt Bell. Der beeindruckendste Dino-„Hahn“ gewinnt die Macht in der Herde – und die Herzen der Damen.

 

Vielleicht war das sogar etwas Typisches für viele Dinosaurierarten, spekulieren die Forscher: „Es gibt keinen Grund, warum nicht auch andere Arten, darunter T. rex oder Triceratops, solche fleischigen Strukturen besessen haben“, sagt Bell. Das aktuelle Ergebnis zeige in jedem Fall erneut, wie bizarr und faszinierend die Dinosaurier waren. Es gibt noch viel Spannendes zu entdecken, so der Paläontologe.

 

 

 

 

 

 

Originalarbeit der Forscher:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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