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Meeresspiegelanstieg

Falsche Maßnahmen verstärken Küstenerosion

Malediven-Insel
Insel der Malediven. (Bild: SimonSkafar/ iStock)

Kleine Inselstaaten wie die Malediven sind stark vom Klimawandel und dem dadurch ausgelösten Meeresspiegelanstieg betroffen. Aber auch menschengemachte Eingriffe in die Küstenstrukturen tragen zur Küstenerosion bei, wie jetzt eine Studie belegt. Auf einigen Inseln der Malediven haben Bauwerke wie Häfen, aber auch fehlgeplante Schutzmaßnahmen die Küsten sogar mehr geschädigt als der Meeresspiegelanstieg.

Der Meeresspiegelanstieg trifft flache Küsten und Inseln in besonderem Maße. Denn sie haben den steigenden Fluten nur wenig entgegenzusetzen. Die meisten Atolle im Pazifik und Indischen Ozean liegen nur rund einen Meter über dem Meeresspiegel und werden schon jetzt immer häufiger überspült. Klimaprognosen sagen bis Ende dieses Jahrhunderts einen globalen, mittleren Anstieg des Meeresspiegels von mehr als einem Meter aus. Für kleine Inselstaaten ist die Anpassung an diese Entwicklung daher besonders wichtig.

Doch um herauszufinden, welche Anpassungsstrategien die Küsten der Inselstaaten am besten schützen, müssen zunächst die genauen Ursachen für Schäden ermittelt werden. Denn vor allem die Erosion der Strände und Küsten beruht meist auf einem Zusammenspiel von Klima, Meer und den Eigenschaften der Küste selbst. Am Beispiel der Malediven haben deshalb Gabriel David von der Technischen Universität Braunschweig und seine Kollegen genauer untersucht, welche natürlichen oder anthropogenen Prozesse die dortige Küstenerosion verstärken. Ziel war es, Fehlentwicklungen in der Anpassung an den klimabedingten Meeresspiegelanstieg effektiver begegnen zu können.

Bauwerk hemmt natürliches Mitwachsen

Tatsächlich wurde das Team fündig: „Wir haben unter anderem herausgefunden, dass errichtete Küstenbauwerke tatsächlich in ähnlicher Größenordnung zur Küstenerosion beitragen können wie die Folgen des Klimawandels selbst“, berichtet David. Dies ist unter anderem auf der Malediven-Insel Fuvahmulah der Fall. Wie die Wissenschaftler herausfanden, unterbindet dort ein vor etwa 20 Jahren gebauter Hafen den natürlichen Sedimenttransport. Diese Sandverlagerungen tragen normalerweise dazu bei, dass die Küstenlinie von Atollen bestehen bleibt. „Eine Riff-Insel hat eigentlich recht gute Möglichkeiten der natürlichen Anpassung an steigende Meeresspiegel, wenn die vorgelagerten Korallenriffe intakt sind und der Transport beziehungsweise die Verteilung von Sedimenten natürlich ermöglicht wird“, erklärt David.

Doch der auf Fuvahmulah gebaute Hafendamm behindert diesen natürlichen Prozess und damit das „Mitwachsen“ der Küste mit dem Meeresspiegel. Er hebelt die Sandversorgung aus und verhindert so den Transport und damit die natürlichen Schutzfunktionen der Insel. Nach Ansicht des Forschungsteams illustriert dies, dass die Anpassung an den Klimawandel in sensiblen Inselstaaten immer im Hinblick auf die natürlichen Gegebenheiten vorgenommen werden müssen. Falsche Entwicklungsmaßnahmen und Anpassungsstrategien könnten dagegen zu erheblichen negativen Auswirkungen führen, die sich mit den bereits stattfindenden und in Zukunft noch einmal verstärkenden Folgen des Klimawandels auf kleine Inselstaaten überlagern.

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Das Problem der Politik

Als eine Ursache solche Fehlentwicklungen sehen die Forscher auch die soziopolitischen Gegebenheiten in vielen Inselstaaten: Um internationale Förderungen zu erhalten und die Wirtschaft voranzubringen, wird nicht immer die beste Lösung gewählt. „Die Ergebnisse zeigen die teils beeinträchtigten Anpassungskapazitäten kleiner Inselstaaten in der Wahrnehmung und im Umgang mit klimabedingten Veränderungen auf“, erläutert Torsten Schlurmann von der Leibniz Universität Hannover. „Politische Top-down-Prozesse mit zentralistischen Regierungsmodellen sind in diesen Ländern oft große strukturelle Herausforderungen.“

So sind sich viele lokale Akteure und Politiker durchaus der Ursachen und Folgen bewusst und stellen einige der auf zentraler Ebene getroffenen Anpassungen infrage. „Die Regierung der Malediven jedoch plant die Errichtung klassischer Küstenschutzinfrastrukturen als Gegenmaßnahme – unter anderem ein probates Mittel, um externe Fördermittel mit internationaler Hilfe zu erhalten“, sagt Schlurmann.

Quelle: Leibniz Universität Hannover; Fachartikel: Nature Communications, doi: 10.1038/s41467-021-26082-5)

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