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Gefiederte Dinos segelten von Baum zu Baum

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Wissenschaftler der Universität von Kansas haben in einem Modell die Flugeigenschaften des Microraptor simuliert. Bild: University of Kansas
Die Vorfahren der Vögel haben ihre Flügel entwickelt, um von Bäumen zu gleiten und nicht, wie ebenfalls diskutiert, um direkt vom Boden abzuheben. Zu diesem Schluss gelangt ein internationales Forscherteam, das den den Flugapparat des vierflügligen Dinosauriers Microraptor gui untersucht hat. Anhand dreidimensionaler Modelle haben die Forscher die Flugtechnik der ausgestorbenen Tiere erörtert sowie ihre Flügelstellung und Flugweise bestimmt: Die gefiederten Dinos erwiesen sich als geschickte Gleiter.

In fossilen Funden ist zu erkennen, dass der Dinosaurier Microraptor gui Federn trug, die sowohl an den vorderen, wie auch an den hinteren Extremitäten angebracht waren. Da es heute keine Wirbeltiere mehr gibt, deren Hinterbeine als vollentwickelte Flügel ausgebildet sind, ist über die Funktionsweise des Flugapparats ein heftiger Streit ausgebrochen: Eine Theorie besagt, dass die Kreaturen ihre hinteren Extremitäten nach außen abspreizten. Der Druck der Luft, der beim Flug auf die Unterseite der Flügel entsteht, könnte so die gefiederten Beine in eine seitliche Lage gedrückt haben. Eine zweite Theorie geht davon aus, dass die Dinosaurier ihre Flügel beim Flug wie bei einem Doppeldeckerflugzeug übereinander anordneten und so in einer aufrechten Position flogen.

Die Forscher rekonstruierten für ihre Untersuchung die Anatomie eines Microraptor gui und bauten aufgrund dieser Informationen leichte 3D-Modelle der Tiere. An diese montierten sie dünne, federförmige Balsaholz-Platten und führten Flugtests durch: Die nachgebauten Kleinsaurier wurden in einer großen Sporthalle mit einem Katapult in die Luft geschleudert.

Am besten flog das Modell mit den seitlich ausgespreizten Hinterflügeln. Außerdem handle es sich dabei um den biologisch und aerodynamisch wahrscheinlichsten Nachbau des vierflügligen Tiers, schreiben die Forscher. Der „Doppeldeckerflügler“ flog ähnlich gut wie das erste Modell, allerding war er labiler in seinem Aufbau. Zudem mussten die Wissenschaftler für eine stabile Flugeigenschaft einen sehr schweren Kopf anbringen. Wegen der unmöglichen Gewichtsverteilung schied diese Variante aus.

Der gefiederte Dinosaurier spreizte seine Flügel also seitlich ab, um auf diese Weise geschickt von Baum zu Baum zu gleiten, schreiben die Forscher. Außerdem gehen sie davon aus, dass er auf Bäume klettern konnte. Auf dem Boden war er wohl aber sehr ungeschickt: Seine Federn waren zu lang im Verhältnis zu den Extremitäten, so dass er seine Hinterflügel nicht kompakt zusammenfalten konnte. Dies machte ihn zur leichten Beute für Angreifer.

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David Alexander (University of Kansas, Lawrence) PNAS, doi: 10.1073/pnas.0911852107 ddp/wissenschaft.de – Regula Brassel
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