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Gefiederter Raptor der Endzeit entdeckt

Künstlerische Darstellung von Dineobellator. (Bild: Sergey Krasovskiy)

Er hatte Federn, einen eisernen Griff und einen beweglichen Schwanz für die Balance bei Verfolgungsjagden: Fossilienjäger haben in New Mexico einen neuen Verwandten des „Hollywoodstars“ Velociraptor entdeckt. Der agile Räuber verdeutlicht, wie hochentwickelt die Vertreter der Dromaeosauriden am Ende der Ära der Dinosaurier waren, sagen die Paläontologen.

Blockbuster wie „Jurassic Park“ haben sie berühmt gemacht: Neben Giganten wie Tyrannosaurus rex und Co sorgen die sogenannten Raptoren in den Filmen für Spannung. Diese Bezeichnung wird in der Populärkultur für alle Vertreter der Gruppe der Dromaeosauriden verwendet. Es handelte sich dabei um vergleichsweise kleine, zweibeinig laufende Räuber mit scharfen Krallen an den Vorder- und Hintergliedmaßen. Anders als die in den Filmen dargestellten Tiere besaßen alle Raptoren vermutlich ein Federkleid.

Im langen Zeitalter der Dinosaurier bildeten die Dromaeosauriden eine ausgesprochen erfolgreiche Gruppe: Sie brachten vom Mitteljura bis zur Oberkreide zahlreiche Arten hervor und waren auf der Welt weit verbreitet, wie aus Fossilienfunden hervorgeht. Man geht davon aus, dass sie auch mit den frühen Vögeln verwandt waren. Der neu entdeckte Vertreter beleuchtet nun die Entwicklungsgeschichte der Dromaeosauriden kurz bevor der Asteroideneinschlag vor etwa 66 Millionen Jahren die Ära der Dinosaurier mit einem Paukenschlag beendete.

Ein Darsteller aus dem letzten Akt

Das Fossil wurde im San-Juan-Becken in New Mexico entdeckt und besteht aus 20 Knochenfragmenten. Den Datierungen zufolge stammt es aus der Zeit von vor 67 Millionen Jahren. „Es war ein Glücksfall, dass wir die Überreste, die durch Verwitterung aus einem kleinen Hügel herausragten, entdeckten“, berichtet Steven Jasinski von der University of Pennsylvania in Philadelphia. Er und seine Kollegen haben die fossilen Puzzleteile nun zusammengesetzt und die Gestalt des Tieres und seine Merkmale untersucht.

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Wie sie berichten, handelte es sich um einen bisher unbekannten Vertreter der Dromaeosauriden, der etwa einen Meter hoch und zwei Meter lang war. Die Wissenschaftler gaben ihm den Namen Dineobellator notohesperus. Das Tier besaß demnach die typische schmale Schnauze, lange krallenbewehrte Arme, eine sichelförmige Kralle am Fuß und einen langen Schwanz. Die Forscher fanden sogar Hinweise auf das „persönliche Schicksal“ des untersuchten Exemplars. Der Saurier hatte offenbar einmal einen Rippenbruch überlebt, wie eine verheilte Fraktur belegt. Doch am Ende wurde ihm wohl eine Verletzung der Vorderextremitäten zum Verhängnis, geht aus Hinweisen hervor.

Ein Spitzenmodell der Dino-Evolution

Wie die Forscher weiter berichten, verdeutlicht das Fossil erneut, dass wahrscheinlich alle Dromaeosauriden gefiedert waren: Sie entdeckten an den Überresten des Unterarmknochens des Tieres kleine Beulen. Wie sie erklären, steckten in diesen Strukturen einst Federn. Was Dineobellator innerhalb seiner Familie allerdings auszeichnet, sind die Merkmale seiner Vordergliedmaßen und seines Schwanzes, berichten die Paläontologen. Merkmale der krallenbesetzten Arm- beziehungsweise Handstrukturen des Tieres legen demnach nahe, dass Dineobellator sie flexibler bewegen konnte als andere Arten. Diese Fähigkeit könnte nützlich gewesen sein, um Beute besonders effektiv festzuhalten. Dineobellator schnappte sich wahrscheinlich kleinere Tiere wie Vögel und Eidechsen. Möglicherweise überwältigte er aber mit seinen Armen und krallenbewehrten Füßen auch andere Dinosaurierarten, sagen die Wissenschaftler.

Wie sie weiter berichten, besaß auch der Schwanz ungewöhnliche Eigenschaften. Während die meisten Raptoren ihn wohl eher geradlinig zum Körper trugen, konnte Dineobellator seinen Fortsatz offenbar stark abwinkeln: Die Schwanzbasis war ungewöhnlich flexibel, geht aus den Analysen hervor. Wie die Forscher erklären, diente dies wohl der Stabilisierung bei der Jagd auf Beute, die im Zickzack flüchtete. „Dabei muss man sich etwa die Bewegungen des Schwanzes einer Katze bei der Jagd vor Augen rufen“, sagt Jasinski. „Während der Schwanz selbst gerade bleibt, peitscht er ständig herum, während das Tier die Richtung ändert. Ein steifer Schwanz, der an seiner Basis sehr beweglich ist, ermöglicht eine erhöhte Beweglichkeit und Richtungsänderungen und unterstützte Dineobellator möglicherweise bei der Verfolgung von Beute, insbesondere in offenere Lebensräumen“, sagt der Paläontologe.

Es zeichnet sich somit ab, dass Dineobellator gleichsam ein Spitzenmodell am Ende der Evolutionsgeschichte der Dromaeosauriden war. „Die Entdeckung präsentiert einen interessanten Vertreter einer Gruppe ikonischer fleischfressender Dinosaurier, der kurz vor dem Aussterbeereignis lebte, das alle Dinosaurier tötete, die keine Vögel waren“, resümiert Jasinski. Er und seine Kollegen hoffen nun auf weitere Funde von Dineobellator oder anderen Dinosauriern, die mehr Einblicke in die spätkreidezeitliche Tierwelt im Süden der heutigen USA ermöglichen.

Quelle: University of Pennsylvania, Fachartikel: Scientific Reports, doi: 10.1038/s41598-020-61480-7

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