Getarnter Dino mit "Banditenmaske" - wissenschaft.de
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Getarnter Dino mit „Banditenmaske“

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Künstlerische Darstellung von Sinosauropteryx. (Illustration: University of Bristol)
Auch Dinosaurier nutzten schon visuelle Tricks, um den Blicken von Feinden oder Beutetieren zu entgehen. Das zeigen Forscher am Beispiel der markanten Zeichnung eines kleinen gefiederten Raubsauriers. Ähnlich wie ein Waschbär besaß er im Gesicht einen dunklen Streifen, um seine Augen weniger auffällig zu machen und einen geringelten Schwanz, vermutlich um Feinde oder Beutetiere zu verwirren. Außerdem tarnte er seinen Körper durch das Verfahren des sogenannten Countershadings.

Plumpe Oldtimer der Evolutionsgeschichte – grobmotorisch und mit einer simpel-grauen Reptilienhaut: Diese Vorstellungen prägten lange das Bild der Dinosaurier. Doch die Forschung der letzten Jahre hat immer deutlicher gezeigt, wie hochentwickelt diese Wesen waren und dass sie bereits viele Merkmale besaßen, die auch heutige Tierarten noch auszeichnen. Viele Arten besaßen beispielsweise bereits ein komplexes Gefieder, das durch Farben und Muster geprägt war, wie Reste von Pigmenten nahelegen.

In Pigmentresten spiegelt sich die Zeichnung wider

Dies galt auch für den kleinen gefiederten Raubsaurier namens Sinosauropteryx, wie die Forscher um Fiann Smithwick von der University of Bristol nun berichten. Der etwa ein Meter lange Zweibeiner lebte vor etwa 130 Millionen Jahren im heutigen China. Von dort stammen auch die erstaunlich gut erhaltenen Fossilien, auf denen die neuen Erkenntnisse über Sinosauropteryx basieren. Neben den Knochenstrukturen sind auch Reste seines flaumartigen Gefieders erhalten geblieben und nicht nur das: Die Forscher fanden auch Spuren der einstigen Pigmentierung, die dem Tier offenbar ein charakteristisches Aussehen verpasst hat.

Wie die Analysen ergaben, zeichneten Sinosauropteryx Muster aus, wie sie auch heute noch bei einigen Tieren zu finden sind. Er besaß demnach einen dunklen Streifen um die Augenpartie, die an eine Banditenmaske erinnert. Wie bei heutigen Arten diente dieses Merkmal vermutlich dazu, die Augen weniger auffällig zu machen, da sie für viele Räuber oder Beutetiere einen besonderen visuellen Reiz darstellen. Außerdem besaß der lange Schwanz von Sinosauropteryx eine Ringel-Zeichnung, berichten die Wissenschaftler. Mit diesem Merkmal verwirren ebenfalls heutige Tierarten noch Feinde oder Beutetiere, erklären Smithwick und seine Kollegen.

Oben dunkel – unten hell

Ein weiteres markantes Merkmal des Äußeren des Sauriers war, dass er auf der Oberseite des Körpers dunkler gefärbt war als auf der Unterseite. Dabei handelt es sich um ein aus der heutigen Tierwelt bekanntes Tarnverfahren, das Countershading genannt wird. Es gleicht den Effekt aus, der durch das Tageslicht von oben entsteht: Bei einem einfarbigen Tier erscheint dadurch die Oberseite deutlich heller als die Unterseite und so entsteht ein auffälliger 3D-Effekt. Eine dunkle Oberseite und helle Unterseite wirkt dem entgegen – dadurch erscheint ein Tier im Licht weniger plastisch und damit unauffälliger.

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Im Fall von Sinosauropteryx können die Forscher anhand der Merkmale des Countershadings sogar ableiten, in welchem Lebensraum er sich aufgehalten hat. Bei dem  kleinen Dino war der Effekt stark ausgeprägt – der Übergang von dunkel zu hell erfolgte vergleichsweise hoch am Körper und abrupt. Dies ist heute für Tierarten typisch, die in offenen Landschaften Leben, wo sie dem direkten Sonnenschein ausgesetzt sind. Bei Waldbewohnern befindet sich der Übergangsbereich hingegen weiter unten an den Körperseiten und ist fließender, erklären die Wissenschaftler.

Das visuelle Konzept von Sinosauropteryx war ihnen zufolge demnach für eine Tarnung in einer offenen Landschaft gemacht. Er zog damit vermutlich sowohl die hungrigen Blicke von größeren Raubsauriern weniger auf sich, als auch die ängstlichen seiner kleinen Beutetiere. „Der Sehsinn war bei Dinosauriern sehr wichtig, genau wie bei den heutigen Vögeln, und so ist es nicht verwunderlich, dass sie auch aufwendige Farbmuster mit nützlichen Effekten entwickelt haben“, so Smithwick.

Abschließend sagt er: „Die Rekonstruktion von Farben kann Einblicke gewähren, die durch die Untersuchung von Knochen nicht möglich sind. Im aktuellen Fall haben wir nicht nur Informationen zu Räuber-Beute-Dynamiken erhalten, sondern sogar auch dazu, in welcher Umgebung das Tier einst gelebt hat“, resümiert der Wissenschaftler.

Originalarbeit der Forscher:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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Wissenschaftslexikon

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