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Erde+Klima

Himalaya-Eis schmilzt immer schneller

Himalaya
Aufnahme der Khumbu-Region im Himalaya, erstellt 1976 vom Spionagesatelliten Hexagon. (Bild: Josh Maurer/ LDEO)

Der Himalaya gilt als der „dritte Pol“ der Erde – er ist ein wichtiges Eisreservoir unseres Planeten. Doch auch die höchsten Berge der Erde sind nicht vor dem Eisverlust gefeit, wie nun eine Studie unterstreicht. Demnach hat sich der jährliche Eisschwund auf dem „Dach der Welt“ inzwischen verdoppelt – jedes Jahr schmelzen im Himalaya rund acht Milliarden Tonnen Eis, das ist genug für drei Millionen olympische Schwimmbecken. Insgesamt haben die Gletscher am „dritten Pol“ dadurch seit 1975 schon gut ein Viertel ihres Eises verloren, wie die Forscher berichten.

Die Gletscher des Himalaya und der angrenzenden Hochgebirgszüge sind eines der großen Eisreservoire der Erde – und eine lebenswichtige Wasserquelle für fast eine Milliarde Menschen. Denn das Schmelzwasser füllt Flüsse wie den Indus, Ganges und Brahmaputra und versorgt damit weite Teile Asiens mit Wasser. Gleichzeitig ist das „Dach der Welt“ ein wichtiger Akteur im Klimageschehen. Doch das hochgelegene Eisreservoir schwindet. Viele Gletscher des Himalaya sind in den letzten Jahrzehnten bereits geschrumpft, andere scheinen dagegen weniger anfällig für die Schmelze zu sein. Weil es bisher jedoch nur Untersuchungen zu bestimmten Gebirgsbereichen und über relativ kurze Zeiträume gab, war es bislang schwer, ein Gesamtbild der Gletscherentwicklung im Himalaya zu erhalten, wie Joshua Maurer von der Columbia University in New York und seine Kollegen erklären.

Schmelzrate verdoppelt

Doch nun ist den Klimaforschern die Zeit und die politische Entwicklung zu Hilfe gekommen. Denn inzwischen hat die USA einige der streng geheimen Datenarchive früherer Spionagesatelliten zugänglich gemacht – und diese Chance haben nun Maurer und sein Team genutzt. Denn der Spionagesatellit KH-9 Hexagon kartierte in der Zeit des Kalten Krieges auch weite Teile des Himalayagebirges und seiner Gletscher. Auf Basis dieser Satellitendaten konnten die Forscher so erstmals die Entwicklung von 650 Gletschern im gesamten Himalayagebiet von 1975 bis heute nachvollziehen. Für ihre Studie erstellten sie aus den Satellitenaufnahmen digitale 3D-Modelle, anhand derer sie die Veränderung der Eisdicke und Gletscherausdehnung in der Zeit bis 2000 und danach ermittelten und verglichen.

Die Auswertungen ergaben, dass auch die Gletscher im Himalaya in den letzten 40 Jahren erheblich an Eis verloren haben. „Unsere Ergebnisse liefern das bisher klarste Bild darüber, wie schnell die Himalayagletscher in diesem Zeitraum geschmolzen sind“, sagt Maurer. Demnach hat sich die jährliche Schmelzrate seit Ende des letzten Jahrhunderts verdoppelt. 1975 bis 2000 lag der Eisverlust noch bei rund 25 Metern pro Jahr, inzwischen tauen im Himalaya rund 50 Meter Eis pro Jahr. Umgerechnet werden dadurch jährlich acht Milliarden Tonnen Gletschereis zu Schmelzwasser – genug, um 3,2 Millionen olympische Schwimmbecken zu füllen. Von diesem Eisschwund betroffen sind nahezu alle Bereiche des Gebirges, am schnellsten tauen jedoch die Gletscher in den tieferliegenden Bergregionen, wie die Forscher berichten. Den Daten zufolge hat das „Dach der Welt“ in den letzten 40 Jahren dadurch gut ein Viertel seines gesamten Eises verloren.

Erwärmung als Haupttriebkraft

Was aber ist die Ursache des Eisverlusts am „dritten Pol“? Eine naheliegende Antwort wäre der Klimawandel. Aber in den letzten Jahren haben einige Studien gezeigt, dass auch Faktoren wie der sich verändernde Monsun und die zunehmende Rußablagerung auf den Gletschern eine Rolle spielen – möglicherweise sogar eine stärkere als die Erwärmung. Ob das stimmt, haben Maurer und sein Team untersucht, indem sie die Schmelzraten von berußten und unberußten Gletschern und die Entwicklung in verschiedenen Regionen des Himalaya miteinander verglichen. Zudem analysierten sie den Einfluss von Niederschlägen.

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Das Ergebnis: Alle Gletscherarten – ob rußbedeckt oder sauber, ob vom Monsun beeinflusst oder nicht – zeigen den gleichen Trend zum beschleunigten Eisverlust, wie die Forscher berichten. Dieser Trend lasse sich zudem im gesamten, rund 2.000 Kilometer langen Untersuchungsgebiet feststellen. Parallel dazu hat sich im gesamten Himalaya die Temperatur gegenüber der Zeit von 1975 bis 2000 im Schnitt um ein Grad erhöht, wie Maurer und sein Team berichten. Nach Ansicht der Forscher sprechen diese Ergebnisse dafür, dass der Klimawandel auch im Himalaya die treibende Kraft des Eisschwunds ist. „Die Daten sehen genauso so aus, wie wir es für einen klimabedingten Eisverlust erwarten würden“, sagt Maurer.

Quelle: Joshua Maurer (Columbia University, New York) et al., Science Advances, doi: 10.1126/sciadv.aav7266

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