Ichthyosaurier waren warmblütig - wissenschaft.de
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Ichthyosaurier waren warmblütig

Dieses 180 Millionen Jahre alte Fossil belegt: Ichthyosaurier waren warmblütig. (Foto: Johan Lindgren)

Ichthyosaurier jagten in den urzeitlichen Meeren der Dino-Ära: Wie effektiv und ausdauernd aber waren diese Räuber? Forscher spekulieren in diesem Zusammenhang schon länger darüber, ob die Ichthyosaurier womöglich bereits warmblütig waren. Denn diese Art der Thermoregulation hätte ihnen erlaubt, lange Strecken auch in kaltem Wasser zurückzulegen. Nun scheint ein Fossilfund aus Deutschland den entscheidenden Beweis für diese Theorie zu liefern.

Vor rund 200 bis 65 Millionen Jahren beherrschten die Dinosaurier die Landmassen unseres Planeten. In den Ozeanen jedoch regierten andere: gewaltige, räuberische Meeresreptilien wie die Ichthyosaurier. „Ichthyosaurier sind sehr interessant, weil sie heutigen Delfinen ähneln – mit diesen Meeresbewohnern aber überhaupt nicht eng verwandt sind“, sagt Mary Schweitzer vom North Carolina Museum of Natural Sciences. Tatsächlich haben Paläontologen in der Vergangenheit Hinweise darauf gefunden, dass die „Urzeit-Delfine“ nicht nur optisch einiges mit ihrem modernen Pendant gemeinsam hatten. So scheinen die Ichthyosaurier ihren Nachwuchs zum Beispiel ebenfalls lebend geboren zu haben. Außerdem könnten sie wie heutige Meeressäuger warmblütig gewesen sein – eine Vermutung, für die eindeutige fossile Belege bisher allerdings fehlten.

Urzeitlicher Blubber

Ein Ichthyosaurier-Fund aus Deutschland ändert dies nun jedoch: Schweitzer und ihr Team um Erstautor Johan Lindgren von der Universität Lund in Schweden haben bei einem 180 Millionen Jahre alten Exemplar der Gattung Stenopterygius aus der bekannten Fossil-Lagerstätte Holzmaden in Baden-Württemberg den entscheidenden Beweis entdeckt. „Sowohl die Körperkontur als auch Reste der inneren Organe waren bei dem Fossil klar zu erkennen. Es war sogar so gut erhalten, dass wir einzelne Zellschichten der teilweise noch flexiblen Haut und darunterliegendem Gewebe ausmachen konnten“, berichtet Lindgren.

Dabei stießen die Wissenschaftler auf eine besondere Struktur: Sie ähnelte der Fettschicht heutiger Meeressäuger. Chemische Analysen bestätigten, dass es sich bei dieser Struktur um die Überreste von subkutanem Blubber handelte – jenem dicken Fettpolster, mit dem sich Wale und Robben vor Unterkühlung schützen. Dieses isolierende Gewebe kommt nur bei Tieren vor, die ihre Körpertemperatur unabhängig von der Umgebungstemperatur regulieren können, also endotherm sind. „Damit liefern wir den ersten direkten Beleg für Warmblütigkeit bei einem Ichthyosaurier“, konstatiert Schweitzer.

Ein ungewöhnliches Reptil

Neben dem ersten fossilen Ichthyosaurier-Blubber machten die Forscher eine weitere interessante Entdeckung: Sie identifizierten in den erhaltenen Hautschichten kleine Mikrostrukturen, die Pigment-Organellen enthielten. Bei der Analyse dieser Farbgeber zeichnete sich ab, dass der Meeressaurier zu Lebzeiten wahrscheinlich konterschattiert war. Das bedeutet: Der Bauch ist hell, während der Rücken eher dunkel ist. Diese Art der Färbung ist im Reich der Ozeane eine bewährte Tarnstrategie – auch bei einigen modernen Meeressäugern. So verschwimmt das Dunkle von oben betrachtet mit dem Wasser. Von unten dagegen ist der helle Bauch gegen das einfallende Sonnenlicht nur schwer zu erkennen. Auf diese Weise könnte sich der Ichthyosaurier beispielsweise vor den Angriffen von Pliosauriern und Flugsauriern geschützt haben.

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Insgesamt zeigt sich damit: Obwohl die Ichthyosaurier gemeinhin zu den Reptilen gezählt werden, hatten diese Räuber der Urzeit einige Merkmale, die sie deutlich von den typischen Vertretern dieser Tiergruppe unterscheiden. „Zumindest Stenopterygius hatte die Haut und das Fettgewebe heutiger Wale und eine Färbung, die der vieler heute lebender Meeresbewohner ähnlich ist“, resümiert das Team.

Quelle: Johan Lindgren (Universität Lund, Schweden) et al., Nature, doi: 10.1038/s41586-018-0775-x

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