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Erde+Klima

In Klimaschutz zu investieren lohnt sich

Staubsturm
Staubsturm über Südafrika – auch dieses Wetterphänomen kommt mit dem Klimawandel häufiger vor. (Bild: Francois Engelbrecht/ Wits University)

Anlässlich der UN-Vollversammlung zum Thema Klimaschutz appelliert ein internationales Forscherteam noch einmal eindrücklich dafür, auf eine Begrenzung der Erwärmung auf 1,5 Grad hinzuarbeiten. Denn wie sie im Fachmagazin in „Science“ erklären, kann dies nicht nur schwere Folgen von künftigen Generationen abwenden – es lohnt sich auch finanziell. Werde jetzt nicht gehandelt, könnten die finanziellen Einbußen die nötigen Investitionen um das Drei- bis Siebenfache überschreiten.

Die Zeit drängt – so viel ist klar. Schon jetzt demonstrieren Wetterkapriolen wie die historisch beispiellosen Starkregen in Spanien, stärker werdende Stürme oder immer neue Hitzerekorde wie in diesem Sommer in Deutschland, dass sich das Klima verändert. Klimaforscher führen dies auf die schon jetzt erfolgte Erwärmung um ein Grad gegenüber den Mitteltemperaturen in präindustriellen Zeiten zurück. „Schon der Anstieg der globalen Mitteltemperaturen um ein Grad hat die Häufigkeit von Wetterextremen stark erhöht“, sagen Ove Hoegh-Guldberg von der University of Queensland und seine Kollegen.

Klimafolgen unterschätzt

Im Herbst 2018 erst warnte der Weltklimarat IPCC in einem Sonderbericht vor den Folgen einer globalen Erwärmung um zwei Grad. Schon ein halbes Grad mehr gegenüber dem 1,5-Grad-Ziel könnte Wetterextreme, Wasserknappheit und den Verlust von Ökosystemen deutlich verstärken. Doch bisher reichen die freiwillig im Rahmen des Pariser Klimaabkommens eingereichten Klimaschutzziele der Länder nicht einmal für das Zwei-Grad-Ziel. Würden die nationalen Ziele eingehalten, wären noch immer drei bis vier Grad Erwärmung zu erwarten – und selbst diese Ziele werden viele Länder, darunter auch Deutschland, voraussichtlich nicht erreichen.

Anlässlich dieser Situation hat eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern erneut für eine Verstärkung der Klimaschutzbemühungen appelliert. Denn wie sie betonen, sind die Aussichten inzwischen sogar noch schlechter als 2018 im IPCC-Bericht beschrieben. „Wir haben die Sensitivität der natürlichen und menschlichen Systeme gegenüber dem Klimawandel unterschätzt – und auch das Tempo, mit der die Veränderungen geschehen“, sagt Hoegh-Guldberg. „Und wir haben die Synergieeffekte der Klimafolgen unterschätzt – die kumulierten Folgen sind deutlich schwerwiegender als die Summe der einzelnen Phänomene.“ So verstärkt beispielsweise der Meeresspiegelanstieg die Schwere von Sturmfluten.

Investition langfristig lohnend

„Die Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, ist für die Menschheit essenziell, wenn man die eskalierenden Risiken von gefährlichen, wenn nicht sogar katastrophalen Kipppunkten und Klimawandel-Hotspots vermeiden will“, betonen die Forscher. Das Problem: Um das 1,5-Grad-Ziel noch zu erreichen, muss jetzt gehandelt werden. Denn wie schon die Forscher des IPCC ausrechneten, kann das nur gelingen, wenn die Treibhausemissionen bis 2050 auf Netto-Null gebracht werden. Dafür allerdings muss sich die Staatengemeinschaft deutlich stärker und schneller bewegen als jetzt: „Wir müssen unser Handeln beschleunigen und die Ziele zur Emissionsreduktion verschärfen“, sagt Hoegh-Guldberg.

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Ein gängiges Argument von Politik und Wirtschaft in diesen Kontext sind die Kosten: Es sei zu teuer und erfordere große Einschnitte, wenn man die Klimaschutzbemühungen verstärkt, heißt es. Doch die Forscher machen eine klare Gegenrechnung auf: „Grob geschätzt würde eine Begrenzung der Erwärmung auf 1,5 Grad ein jährliches Investment im Energiesektor von jährlich 2,1 bis 4,42 Billionen US-Dollar oder insgesamt von 71 bis 150 Billionen US-Dollar erfordern“, rechnen Hoegh-Guldberg und sein Team vor. Würde die Erwärmung jedoch 3,7 Grad erreichen, wie mit den derzeitigen Emissionszielen zu erwarten, dann würde dies zu Kosten für Anpassung und Schadensbeseitigungen von 496 Billionen US-Dollar führen. „Das bedeutet, dass es drei bis siebenmal teurer wäre nicht zu handeln als jetzt Geld in das Erreichen des 1,5-Grad-Ziels zu investieren“, betonen die Forscher. Ein ambitionierter Klimaschutz sei daher auch wirtschaftlich gesehen eine gute Investition.

„Den Klimawandel anzugehen ist eine große Herausforderung“, sagt Hoegh-Guldberg. „Aber aus der Perspektive des menschlichen Wohlergehens gibt es keine Alternative – es steht zu viel auf dem Spiel um nicht entschlossen zu handeln.“

Quelle: University of Queensland, University of the Witwatersrand: Fachartikel: Science, doi: 10.1126/science.aaw6974

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