IPCC-Sonderbericht zu Landnutzung und Klima - wissenschaft.de
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IPCC-Sonderbericht zu Landnutzung und Klima

Die Degradierung und Übernutzung vieler Landflächen trägt zum Klimawandel bei. (Bild: Luigi Giordano/ iStock)

Ob durch Ackerbau, Waldrodung oder Bebauung: Der Mensch hat die irdischen Landflächen in einer Weise umgestaltet und geprägt wie vor ihm kein anderes Wesen. Welche Folgen dies auch für den Klimawandel hat und wie man der Erwärmung durch Änderungen der Landnutzung entgegenwirken kann, thematisiert nun ein neuer Sonderbericht des Weltklimarats IPCC. In diesem stellen die Wissenschaftler unter anderem klar, dass Landwirtschaft, Forstwirtschaft und andere Formen der menschlichen Landnutzung für insgesamt 23 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich sind. Das bedeute unter anderem, dass Klimaschutzziele wie eine Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5 oder zwei Grad kaum ohne eine Änderung der Landnutzung erreichbar sein werden.

Durch seine Existenz hat der Mensch den Planeten Erde nachhaltig verändert: Er rodete Wälder, legte Äcker an, staute Flüsse und baute Häuser. Mit der wachsenden Weltbevölkerung wurden diese Eingriffe im Laufe der Zeit immer umfangreicher. „Landsysteme bilden die Hauptgrundlage für die Existenz und das Wohlergehen von Menschen, einschließlich der Bereitstellung von Nahrung, Trinkwasser und vielen weiteren Ökosystemleistungen,
sowie die biologische Vielfalt“, heißt es einleitend im neuen IPCC-Sonderbericht. „Die Nutzung durch den Menschen beeinflusst über 70 Prozent der globalen, eisfreien Landoberfläche.“ Schon länger ist bekannt, dass viele Landnutzungsveränderungen erhebliche Auswirkungen auf das irdische Klimasystem haben. Wenn beispielsweise Wälder abgeholzt werden, verringert sich die Fähigkeit der Pflanzenwelt, Kohlendioxid aus der Luft aufzunehmen und in ihren Geweben zu speichern. Eine wichtige Senke für Treibhausgase schrumpft dadurch.

Landnutzung erzeugt 23 Prozent der anthropogenen Emissionen

Im Sonderbericht „Klimawandel und Landsysteme“ haben die Wissenschaftler des Weltklimarats nun zusammengetragen, wie sich die verschiedenen Formen der Landnutzung auf die Treibhausgasemissionen und das Klimasystem auswirken, aber auch, welche Maßnahmen am geeignetsten wären, um der Erwärmung entgegen zu wirken. „Die Landsystem spielen eine bedeutende Rolle im Klimasystem“, erklärt Jim Skea, einer der Leiter der IPCC-Arbeitsgruppe III. „Landwirtschaft, Waldwirtschaft und andere Formen der Landnutzung sind für 23 Prozent der anthropogenen Treibhausgasemissionen verantwortlich“, fasst er eines der Ergebnisse des IPCC-Berichts zusammen. Konkret gingen in der Zeit von 2007 bis 2016 rund 13 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen, 44 Prozent der Methanemissionen und 82 Prozent des Lachgasausstoßes aus menschlichen Aktivitäten auf die Landnutzung zurück. „Gleichzeitig absorbieren die Land-Ökosysteme auch fast ein Drittel der gesamten CO2-Emissionen aus der Nutzung fossiler Brennstoffe und der Industrie“, berichtet Skea.

Doch wie gut eine Landfläche diese Funktion als Treibhausgas-Senke wahrnehmen kann, hängt stark davon ab, in welchem Zustand sie ist: Ist das Land durch Übernutzung und Erosion degradiert, sinkt auch seine Fähigkeit, durch Pflanzenwuchs neues CO2 aufzunehmen und zu speichern. Im Falle von Ackerflächen oder Weiden kommt hinzu, dass auch die Produktivität für die Nahrungsmittelproduktion sinkt. So leben schon jetzt rund 500 Millionen Menschen in Gebieten, die von Desertifikation geprägt sind. Diese Situation wird sich den Prognosen der Klimaforscher nach jedoch noch weiter verschärfen: Zunehmende Starkregen, Dürren und Waldbrände tragen dazu bei, die Vegetation zu schädigen und die Erosion zu verstärken. „Der Klimawandel erzeugt zusätzliche Belastungen für Landsysteme, was bestehende Risiken für Lebensgrundlagen, die biologische Vielfalt, die Gesundheit von Mensch und Ökosystemen, Infrastruktur und Ernährungssysteme verschärft“, heißt es im aktuellen Sonderbericht.

Lösungen durch nachhaltigere Bewirtschaftung und Ernährung

Die große Frage ist daher, wie man gegensteuern kann. Auf dieser Frage liegt ein Schwerpunkt des aktuellen IPCC-Sonderberichts. Das Problem: Ein Großteil der Ackerflächen sind nötig, um die Lebensmittelversorgung der Menschheit sicherzustellen. Maßnahmen die beispielsweise die Umwandlung von Feldern in Wald oder in Anbauflächen für Energiepflanzen vorsehen, würden dies gefährden. „Viele Reaktionsmöglichkeiten können aber auch angewendet werden, ohne um Landflächen zu konkurrieren“, stellen die IPCC-Forscher klar. Dazu gehören beispielsweise die Bekämpfung und Vermeidung der Desertifikation, aber vor allem auch eine nachhaltigere Bewirtschaftung von Äckern und Wald. Dazu zählen unter anderem eine schonendere Bodenbearbeitung in der Landwirtschaft, die Erneuerung von degradierten Wäldern und der Schutz von Moorböden. Auch ein Vermeiden von Düngemethoden, die die Lachgas-Freisetzung aus Böden fördern, könnten einen Beitrag leisten. „Das gesamte technische Minderungspotenzial aus Ackerbau und Tierhaltung sowie der Agroforstwirtschaft wird auf 2,3 bis 9,6 Gigatonnen CO2-Äquivalente pro Jahr bis 2050 beziffert“, heißt es im Bericht.

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Einen fast ebenso großen Effekt – 0,7 bis 8 Gigatonnen pro Jahr, aber könnte man durch eine Umstellung der Ernährungsweisen erreichen. „Einige Ernährungsweisen erfordern mehr Land und Wasser und erzeugen mehr Emissionen von Treibhausgasen als andere“, erklärt Debra Roberts, Leiterin der IPCC-Arbeitsgruppe II. Zu diesen gehört vor allem eine fleischlastige Kost, wie sie noch immer in vielen Ländern gängig ist. „Eine balancierte Kost aus pflanzenbasierten Lebensmitteln wie Getreiden, Gemüsen und Früchten sowie aus tierischer Nahrung, die nachhaltig in emissionarmen Systemen erzeugt wurde, sind bedeutende Möglichkeiten zur Bekämpfung des Klimawandels“, konstatiert Roberts. Einen wesentlichen Beitrag kann aber auch die Verringerung der Lebensmittelverschwendung leisten: Politische Strategien, die über das gesamte Ernährungssystem hinweg eingesetzt werden, einschließlich solcher, die Verlust und Verschwendung von Nahrungsmitteln verringern und Ernährungsentscheidungen beeinflussen, ermöglichen nachhaltigeres Landnutzungsmanagement, eine höhere Ernährungssicherheit und niedrige Emissionsverläufe“, heißt es im IPCC-Sonderbericht.

Quelle: IPCC-Sonderbericht „Klimawandel und Landsysteme“

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