Klima-Notstand für unseren Planeten - wissenschaft.de
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Erde+Klima

Klima-Notstand für unseren Planeten

Erdklima
Die Klimakrise ist längst da. (Bild: duncan1890/ iStock)

Mehr als 11.000 Wissenschaftler aus 153 Ländern haben jetzt in einer Deklaration den planetaren „Klima-Notstand“ ausgerufen. Die aktuelle Klimakrise bedrohe die natürlichen Ökosysteme und die Zukunft der Menschheit, warnen sie. Daher sei es ihre moralische Verpflichtung, Alarm zu schlagen. Wie die Forscher erklären, kann aber noch gehandelt werden – sie benennen dafür sechs unmittelbar nötige Schritte.

Die Fakten liegen längst auf dem Tisch: Der Klimawandel schreitet immer weiter fort und macht sich in zunehmend spürbarer Weise bemerkbar. So nehmen weltweit Wetterextreme wie Dürren, Hitzewellen, Starkregen und Stürme zu. Die immer schneller steigenden Meeresspiegel führen entlang vieler Küsten zu häufigeren Überschwemmungen. Doch selbst angesichts der messbaren Veränderungen tut sich im Klimaschutz bislang nur wenig.

„40 Jahre weitergemacht wie bisher“

Angesichts dieser Lage schlagen nun Forscher Alarm: „Wissenschaftler haben eine moralische Verpflichtung, die Menschheit vor allen katastrophalen Bedrohungen zu warnen und dabei ‚Klartext zu reden'“, schreiben Ripple von der Oregon State University und seine Mitverfasser. „Auf der Basis dieser Verpflichtung und der hier präsentierten Indikatoren deklarieren wir, mehr als 11.000 Wissenschaftler aus aller Welt, klar und unzweifelhaft, dass der Planet Erde vor einem Klima-Notfall steht.“ In ihrer Veröffentlichung listen die Forscher 15 menschliche Aktivitäten und ihre Veränderungen auf, die entscheidend zum Klimawandel beitragen. Dazu gehören unter anderem Faktoren wie das Bevölkerungswachstum und der zunehmende Viehbestand, die Fleischproduktion, die Entwaldung, die CO2-Emission und der Verbrauch fossiler Brennstoffe.

„Trotz 40 Jahren der globalen Klimaverhandlungen haben wir – mit wenigen Ausnahmen – weitergemacht wie zuvor und sind das Problem nicht angegangen“, konstatieren Ripple und seine Kollegen. Denn vor fast genau 40 Jahren, im Februar 1979, fand in Genf die erste Weltklimakonferenz statt. Damals noch von der World Meteorological Organization veranstaltet, trafen sich dort erstmals Wissenschaftler aus aller Welt, um sich über beginnende Anzeichen eines Klimawandels auszutauschen. Schon damals kamen sie zu dem Schluss, dass die alarmierende Entwicklung dringend ein Handeln erfordert – doch der Appell verhallte weitgehend ungehört.

„Jetzt ist die Klimakrise da und schreitet schneller voran, als die meisten Wissenschaftler erwartet haben“, sagen die Forscher. „Sie ist schwerwiegender als gedacht und bedroht natürliche Ökosysteme und die Zukunft der Menschheit.“ Besondere Sorgen bereiten den Wissenschaftlern dabei die Kippelemente im Klimasystem – Klimafaktoren, die bei weiterer Erwärmung abrupt ihren Zustand wechseln und dann durch positive Rückkopplungen zu einer weiteren Eskalation des Klimawandels führen. „Dies könnte zu einer katastrophalen ‚Treibhaus-Erde‘ führen, die nicht mehr von Menschen kontrollierbar ist“, warnen Ripple und Kollegen.

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Sechs Schritte für eine bessere Zukunft

Doch noch ließe sich dies abwenden – wenn sofort und entschieden gehandelt wird. „Um eine nachhaltige Zukunft zu sichern, müssen wir unsere Lebensweise ändern“, konstatieren die Wissenschaftler. „Wir brauchen mutige und drastische Transformationen in Wirtschaft und Politik.“ Sie nennen sechs Maßnahmen, die die schlimmsten Folgen zumindest abmildern könnten, wenn unmittelbar gehandelt wird. Zu diesen Schritten gehört eine weltweite Energiewende, kombiniert mit natürlichen und technischen Maßnahmen zur CO2-Abscheidung. „Wir müssen die verbleibenden Vorräte an fossilen Energien im Boden lassen“, appellieren Ripple und seine Kollegen. Ebenfalls nötig sei eine Reduktion von kurzlebigeren Treibhausgasen wie Methan, Ruß und Fluorkohlenwasserstoffen.

Nötig sei es zudem, natürliche Puffersysteme besser zu schützen und zu regenerieren. „Marine und terrestrische Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen spielen eine signifikante Rolle für die Kohlenstoff- und Nährstoffzirkulation und -speicherung“, erklären Ripple und Kollegen. Entsprechend wichtig sei es, die Entwaldung und nicht-nachhaltige Bodennutzung zu stoppen und, wo möglich, aufzuforsten. Ähnlich wie vor kurzem der Weltklimarat IPCC sehen die Forscher zudem in der Lebensmittelproduktion eine wichtige Ansatzstelle für Maßnahmen. Sie plädieren für eine weniger fleischlastige, stärker pflanzenbasierte Ernährung und eine stringente Vermeidung von Lebensmittelverschwendung.

Eher im gesellschaftlichen Bereich liegen zwei weitere Schritte, die die Wissenschaftler für dringend nötig ansehen: Der erste ist eine Veränderung der Wirtschaft weg von einer Übernutzung von Ressourcen und Ökosystemen hin zu einem Fokus auf Nachhaltigkeit und der Deckung der Grundbedürfnisse für alle. „Wir müssen verändern, wie unsere Gesellschaft funktioniert und wie sie mit der Natur wechselwirkt“, konstatieren sie. Der zweite ist die Eindämmung des Bevölkerungswachstums: „Noch immer wächst die Menschheit um rund 80 Millionen Menschen pro Jahr – mehr als 200.000 pro Tag“, erklären sie. Um eine nachhaltige Zukunft zu sichern, sei es aber nötig, die Weltbevölkerung auf einem Stand zu stabilisieren – innerhalb eines soziale verträglichen und gerechten Handlungsrahmen.

„Wir sind ermutigt durch die jüngste Welle der Aktionen: Regierungen erklären den Klimanotstand, Schulkinder streiken und Umwelt-Klagen erreichen die Gerichte“, sagen Ripple und seine Mitverfasser. Jetzt sei es nötig, dass auch Politiker, Entscheider und die gesamte Menschheit auf die Klimakrise reagieren.

Quelle: Oregon State University; Fachartikel: Bioscience, doi: 10.1093/biosci/biz088

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