Klimawandel: Spuren im globalen Tageswetter - wissenschaft.de
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Klimawandel: Spuren im globalen Tageswetter

Temperaturen in Nordamerika: Kälte auf der einen Seite, extreme Wärme auf der anderen. (Bild: Nasa Earth Observatory)

Mal ist es sehr warm – manchmal aber auch wieder extrem kalt… Dazu sagen Klimaforscher: Der Klimawandel lässt sich nicht am aktuellen Wetter ablesen! Doch nun berichten Forscher: Auf regionaler Ebene spiegelt sich die Erwärmung zwar nicht im aktuellen Wetter wider – doch global betrachtet schon: Der langfristige Trend zur Erwärmung zeichnet sich den Ergebnissen zufolge sogar in den täglichen Wetterdaten ab, wenn man globale räumliche Muster berücksichtigt.

„So schlimm kann das mit der Klimaerwärmung ja wohl nicht sein!“ So argumentieren Klimaskeptiker gerne, wenn es in bestimmten Regionen zu ungewöhnlichen Kälteeinbrüchen kommt. Beispielsweise haben Wetterforscher kürzlich im US-Bundesstaat Utah Rekordtiefstwerte für den Monat Oktober festgestellt. Doch regionale Kälteeinbrüche stellen nicht den Klimawandel infrage, betonen dazu Klimaforscher seit Jahren: Weil das lokale Wetter sehr variabel ist, kann es an einem Ort durchaus kurzfristig sehr kalt sein, trotz langfristiger Klimaerwärmung. Dabei galt: Das Wetter ist, was wir kurzfristig erhalten, und darin lässt sich der Klimawandel nicht erkennen. Doch offenbar ist diese Aussage nun nicht mehr uneingeschränkt gültig.

Der Signatur der Klimaerwärmung auf der Spur

Im Rahmen ihrer Studie haben die Forscher der ETH Zürich statistische Lernverfahren eingesetzt, um vorhandene Temperatur-Messwerte und Modelle neu zu analysieren. Wie sie berichten, konnten sie aus der Kombination der Temperaturen verschiedener Regionen und dem jeweiligen Verhältnis der Erwärmung und Variabilität den Fingerabdruck des Klimawandels erfassen. Demnach zeichnet sich der Erwärmungstrend an jedem beliebigen Tag seit dem Frühjahr 2012 ab.

„Um im täglichen Wettergeschehen das Signal für den Klimawandel zu entdecken, ist eine globale Betrachtungsweise nötig, nicht eine regionale“, betont Erstautor Sebastian Sippel von der ETH Zürich. Vergleicht man die Verteilung der globalen Tagesmittelwerte von 1951 bis 1980 mit denjenigen von 2009 bis 2018, dann wird der Trend zu höheren Temperaturen deutlich, berichten die Wissenschaftler. Die globale Betrachtungsweise ist dabei wichtig. Denn während lokal gemessene Tagesmitteltemperaturen sehr stark schwanken können, ist dies bei den rechnerisch ermittelten globalen Tagesmittelwerten nicht der Fall. In den globalen Werten tritt das Klimasignal dadurch klar hervor, während es in den lokalen Werten verschleiert bleibt, so die Forscher.

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Auch das Wetter trägt Klimainformationen

„Auf globaler Ebene trägt auch das Wetter wichtige Klimainformationen in sich“, resümiert Co-Autor Reto Knutti. „Diese Informationen könnten für weiterführende Studien genutzt werden – etwa um Änderungen in den Wahrscheinlichkeiten von Extremereignissen wie regionalen Kältewellen zu erfassen“, sagt der Klimaforscher. „Da solche Untersuchungen auf Modellrechnungen basieren, könnte unser Ansatz den globalen Kontext zum Fingerabdruck des Klimawandels aufzeigen. Somit entstehen neue Möglichkeiten für die Kommunikation von regionalen Wetterereignissen vor dem Hintergrund der Klimaerwärmung“, sagt Knutti.

Quelle: ETH Zürich, Fachartikel: Nature Climate Change, doi: 10.1038/s41558-019-0666-7

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