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Klimawandel: Überschwemmungen schaden weltweit

China
Durch Hochwasser gefährdet: Stadt in der chinesischen Provinz Guanxi (Foto: Dmitry Chulov/ iStock)

Durch den Klimawandel haben schon jetzt in vielen Ländern Starkregen und Flusshochwasser zugenommen. Und für die Zukunft sagen Klimaforscher eine weitere Zunahme der Überschwemmungen voraus – besonders in China. Wie sich dies auf die globalen Handels- und Lieferketten auswirken wird, haben nun Forscher ermittelt. Demnach werden China und seine Handelspartner am stärksten von hochwasserbedingten Einbußen betroffen sein. Vor allem die USA müssen mit gravierenden Folgen rechnen.

Unter einer schweren Überschwemmung leiden nicht nur die Bewohner der betroffenen Region – auch dort ansässige Unternehmen und Produzenten sind betroffen. Oft müssen sie wegen des Hochwassers und der oft damit verbundenen Stromausfälle ihre Produktion einstellen und sind möglicherweise sogar über längere Zeit von der Außenwelt abgeschnitten. Durch die starke Vernetzung der Wirtschaft jedoch bleibt dies nicht ohne Folgen auch für Handelspartner in anderen Regionen und Ländern.

„Nicht nur die lokale Industrie betreffen die Klima-Auswirkungen“, sagt Erstautor Sven Willner vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). „Durch Lieferengpässe, Nachfrage-Änderungen und den damit verbundenen Preissignalen könnten die wirtschaftlichen Verluste entlang der globalen Handels- und Lieferketten andere Volkswirtschaften weltweit treffen.“

Wie stark sich die zunehmenden Überschwemmungen auf die Wirtschaft verschiedener Länder auswirken werden, haben Willner und seine Kollegen nun mithilfe einer speziellen dynamisch-ökonomischen Computersimulation untersucht. Sie zeigt, wie das Handelsnetz auf hochwasserbedingte Produktions- und Lieferausfälle reagiert und wie die direkten Einbußen – durch Hochwasser im eigenen Land – und die indirekten Kosten durch die globalen Handelsbeziehungen ausfallen könnten.

China ist besonders betroffen

Die Simulation ergab: Weltweit könnten in den nächsten 20 Jahren Ausfälle von rund 600 Milliarden US-Dollar durch zunehmende Flusshochwasser drohen. Besonders von den direkten Flutfolgen betroffen sind dabei China, die USA, Kanada, Indien, Pakistan und einige europäische Länder. Die stärkste Zunahme aber wird China erfahren: Das Land könnte ohne wesentliche Anpassungsmaßnahmen insgesamt mehr als 380 Milliarden US-Dollar an wirtschaftlichen Verlusten in den nächsten 20 Jahren erleiden, einschließlich natürlicher Überschwemmungen, die nicht mit der globalen Erwärmung zusammenhängen. Dies entspricht etwa fünf Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung Chinas.

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175 Milliarden US-Dollar der Gesamtschäden in China würden voraussichtlich durch den Klimawandel verursacht. „Das ist eine Menge“, sagt Willner, „und es ist nur der Effekt von Fluss-Überschwemmungen, andere Folgen des Klimawandels wie Stürme und Hitzewellen sind dabei nicht berücksichtigt.“

Handelspartner leiden mit

Ebenfalls betroffen sind die Handelspartner Chinas: Auch die Europäische Union und die USA werden durch Liefer- und Produktausfälle wirtschaftliche Einbußen erleiden. Bei diesen indirekten Kosten kommt die EU allerdings noch glimpflich davon: „Die EU wird aufgrund ihrer ausgeglichenen Handelsbilanz weniger von den indirekten Schäden durch klimabedingte Überschwemmungen in China betroffen sein“, sagt Willner. Gleichzeitig kann Europa Produktionslücken in China durch den Export von Waren nach Asien schließen – und so sogar profitieren. Auch Indien, Südostasien oder Australien könnten durch solche vorübergehenden Lücken Vorteile erlangen, wie die Forscher berichten.

Anders sieht dies für die USA aus: „Die USA importieren viel mehr aus China als sie in dieses Land exportieren. Das macht sie anfälliger für klimabedingte Risiken wirtschaftlicher Ausfälle, die durch die globalen Liefer- und Handelsketten weitergegeben werden“, erklärt Willner. Die von US-Präsident Trump angestrebten Strafzölle und die stärkere Isolierung der USA könnte dieses Problem sogar noch verstärken, wie die Forscher erklären. Ihren Berechnungen nach könnten die direkten Schäden in den USA bei etwa 30 Milliarden US-Dollar liegen, die indirekten Schäden innerhalb der nächsten 20 Jahre dagegen bei rund 170 Milliarden US-Dollar.

„Intensiverer Welthandel kann dazu beitragen, Ausfälle durch lokale Extremereignisse abzudämpfen, da der Markt sich besser anpassen kann“, erklärt Co-Autor Christian Otto vom PIK. Für eine Zukunft im Klimawandel sei es daher besser, eine ausgeglichene wirtschaftliche Vernetzung anzustreben. „Das ermöglicht es, wirtschaftliche Schäden durch unerwartete Wetterereignisse zu kompensieren – von denen wir in Zukunft noch mehr erwarten“, sagt Levermann.

Quelle: Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), Fachartikel: Nature Climate Change, doi: 10.1038/s41558-018-0173-2

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