Langhals füllt evolutionäre Lücke - wissenschaft.de
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Langhals füllt evolutionäre Lücke

Wann entwickelten die Sauropoden ihre langen Hälse? (Foto: dottedhippo/ istock)

Sauropoden waren echte Langhälse: Dank ihres giraffenartigen Halses konnten diese Dinosaurier problemlos Blätter von hochwachsenden Pflanzen knabbern. Doch wann entwickelten sie dieses für sie so charakteristische anatomische Merkmal? 225 Millionen Jahre alte Fossilien einer bisher unbekannten Saurier-Spezies scheinen diese Frage nun zu beantworten. Die in Brasilien entdeckte Art repräsentiert eine entscheidende Phase in der Evolution der Sauropoden – und verfügt bereits über einen langgestreckten Hals. Es handelt sich damit um den ältesten bekannten Langhals unter den sauropodomorphen Dinos, wie die Forscher betonen.

Das Zeitalter der Dinosaurier brachte riesenhafte Echsen hervor. Vor allem die langhalsigen Pflanzenfresser aus der Gruppe der Sauropoden erreichten mit Größen von über 20 Metern und einem Gewicht von mitunter mehr als 50 Tonnen schier gigantische Ausmaße. Brontosaurus, Diplodocus und Co gelten bis heute als die größten Landtiere, die jemals auf unserem Planeten gelebt haben. Erste Vorläufer dieser Saurier tauchten bereits gegen Ende des Trias-Zeitalters vor 235 bis 228 Millionen Jahren auf. Diese Tiere waren im Vergleich zu den späteren Sauropoden noch relativ klein. Einige Millionen Jahre später aber waren aus den kleinen Sauriern plötzlich Riesen mit langen Hälsen geworden, die sich hauptsächlich von Pflanzen ernährten und fast jeden Winkel der Erde bevölkerten. „Dieser Übergang ist bisher kaum verstanden, weil Fossilien aus dem entsprechenden Zeitfenster rar sind“, schreiben Rodrigo Temp Müller von der Universität Santa Maria in Brasilien und seine Kollegen.

Ein langer Hals

Gleich drei Skelettfunde füllen diese Lücke in der fossilen Überlieferung nun zum Teil: In Brasilien haben die Wissenschaftler die sterblichen Überreste dreier Saurier entdeckt, die rund 225 Millionen Jahre alt sind. Sie stammen damit aus dem frühen Norium – jener Phase, in der aus den kleinen Sauropoden-Vorläufern die bekannten Langhälse geworden sein müssen. Die Analyse der Knochen zeigte, dass alle drei Dinosaurier-Individuen zu einer bisher unbekannten neuen Spezies gehören. Das Besondere an dieser Macrocollum itaquii getauften Art: Sie weist tatsächlich schon einige Merkmale auf, die für spätere Sauropoden charakteristisch sind – und repräsentiert damit einen bedeutenden Schritt in der Evolution dieser Gruppe.

Anders als frühere Sauropodomorpha verfügt M. itaquii zum Beispiel bereits über Zähne, die an eine pflanzliche Ernährungsweise angepasst sind. Die gefundenen Oberschenkelknochen deuten zudem daraufhin, dass diese Saurier bereits um einiges größer waren als ihre Verwandten aus der vorhergehenden Zeit. Und noch ein typischer Entwicklungsschritt lässt sich an den Fossilien erkennen, wie die Forscher berichten: Während der Schädel schrumpfte, verlängerte sich der Hals der Saurier. Zum Vergleich: Der Hals von M. itaquii ist im Verhältnis zur Körpergröße zweimal so lang wie der des 233 Millionen Jahre alten Fossils Buriolestes schultzi. Damit ist er der älteste bekannte Dinosaurier mit einem derart langgestreckten Hals, wie Müller und sein Team betonen.

Gesellige Saurier?

Der lange Hals stellt nicht nur das wichtigste Erkennungsmerkmal der Sauropoden dar – er bedeutete wahrscheinlich auch einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil bei der Nahrungssuche. Weil die Sauropoden höher wachsende Pflanzenteile erreichten, konnten sie sich für andere Tiere unerreichbare Futterquellen erschließen. „Diese Fähigkeit, von hoher Vegetation zu fressen, ist ein Schlüsselmerkmal, das sich offenbar bereits im frühen Norium herausgebildet hat“, schreiben die Wissenschaftler. Doch nicht nur über die Anatomie und die Ernährungsweise der Sauropodomorpha verraten die Funde so einiges: Auch die Tatsache, dass die drei Individuen dicht beieinander entdeckt wurden, ist interessant. Den Forschern zufolge deutet dies nämlich daraufhin, dass diese Saurier gesellig waren und mitunter in Gruppen zusammenkamen. „M. itaquii ist der älteste Beleg für ein solches Verhalten unter sauropodomorphen Dinosauriern“, schreibt das Team.

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Quelle: Rodrigo Temp Müller (Universität Santa Maria, Brasilien), Biology Letters, doi: 10.1098/rsbl.2018.0633

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