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Maya-Rodungen – bis heute klimarelevant

Heute sind sie wieder vom Urwald überwuchert - doch einst umgaben die prächtigen Städte der Maya ausgedehnte Rodungen. (Foto: orphy/iStock)

Wo früher einmal der Mais der Maya-Zivilisation wuchs, wuchert bereits seit Jahrhunderten wieder der Urwald. Dennoch hat sich der Boden nie mehr ganz erholt, berichten Forscher: Noch immer prägen die einst weiträumigen Rodungen der Maya die klimarelevante Kohlenstoffspeicherung in den Böden ihrer Heimat, geht aus einer Studie hervor. Das Ergebnis legt nahe, dass heutige Entwaldungen in tropischen Regionen die Fähigkeit zur Kohlenstoffspeicherung der dortigen Böden ebenfalls langfristig beeinträchtigen könnten – selbst wenn wieder aufgeforstet wird.

Nach wie vor ist unklar, was genau zum Untergang der Maya-Zivilisation vor etwa 1000 Jahren geführt hat. Die Hinweise verdichten sich allerdings, dass eine langanhaltende Dürreperiode zu Missernten und damit zu einer Destabilisierung der Kultur geführt haben. Ein zusätzlicher Faktor könnte allerdings auch die Überstrapazierung der Umwelt gewesen sein. Man geht davon aus, dass die Maya bereits vor etwa 4000 Jahren begannen, Teile der mexikanischen Halbinsel Yucatán durch die Landwirtschaft zu prägen. Durch die enorme Nahrungsmittelproduktion wuchsen die Siedlungen zu prächtigen Städten mit vielen Einwohnern heran. Um die Versorgung zu gewährleisten, entwaldeten die Maya immer mehr Flächen und verwandelten sie in Maisplantagen. Aus früheren Studien gibt es bereits Hinweise darauf, dass erhebliche Bodenerosion die Folge war.

Dem langfristigen Effekt der Maya auf der Spur

Die aktuelle Studie rückt nun nicht die Frage nach der Ursache des Kollapses der geheimnisvollen Zivilisation ins Zentrum, sondern die langfristigen Effekte der Landwirtschaft der Maya auf die Fähigkeit des Bodens, Kohlenstoff zu speichern. Der Hintergrund: Der Boden ist einer der größten Kohlenstoffspeicher der Erde – er enthält mindestens doppelt so viel Kohlenstoff wie die heutige Atmosphäre. Die Speicherung beruht auf der Bindung von Kohlendioxid durch das Pflanzenwachstum und der anschließenden Lagerung des organischen Materials im Boden.

Um mehr Informationen über langfristige Effekte menschlicher Einflüsse auf die Böden in tropischen Regionen der Erde zu bekommen, haben die Forscher um Peter Douglas von der McGill University in Montreal ein raffiniertes Nachweissystem eingesetzt. Im Rahmen ihrer Studie untersuchten sie Sedimentborkerne, die aus dem Boden von drei Seen im einstigen Herrschaftsbereich der Maya in Südmexiko und Guatemala extrahiert wurden. Die Forscher verwendeten Messungen von Radiokohlenstoff, einem Isotop, das mit der Zeit zerfällt, um das Alter von Pflanzenwachs-Molekülen in den Borkernen zu untersuchen. Diese Substanzen werden normalerweise lange in Böden gelagert, weil sie an Mineralien haften. Anschließend verglichen die Wissenschaftler das Alter der Wachsmoleküle mit dem von Pflanzenfossilien, die im Verlauf der letzten Jahrtausende mit den Sedimenten abgelagert worden sind.

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Keine Rückkehr zum Ausgangsniveau

Wie die Forscher berichten, zeichnet sich ab: In der Zeit, als die alten Maya begannen, die Gebiete rund um die Seen zu entwalden, wurde der Altersunterschied zwischen den Pflanzenfossilien und der Pflanzenwachse immer kleiner. Wie sie erklären, spiegelt sich in dieser Entwicklung wider, dass der Kohlenstoff in den Böden der Region immer schneller freigesetzt beziehungsweise kürzere Zeit gespeichert wurde. Es zeigte sich zudem, dass sich die Speicherfähigkeit nach dem Kollaps der Maya-Kultur und der darauf folgenden erneuten Ausbreitung des Urwaldes zwar wieder erholte, doch das ursprüngliche Niveau nie mehr erreichte. „Wenn man heute in dieses Gebiet geht, meint man, dichten und uralten Regenwald zu sehen“, sagt Douglas. „Aber wenn man sich den Kohlenstoffspeicher im Boden anschaut, wird klar, dass das Ökosystem grundlegend verändert worden ist und nie wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückkehren konnte.“

Wie Douglas und seine Kollegen betonen, gehen aus den Ergebnissen nun wichtige Informationen für das heutige Management von tropischen Waldökosystemen im Hinblick auf die Entwicklung der Treibhausgaskonzentrationen hervor: „Es zeichnet sich ein weiterer Grund ab, die verbleibenden tropischen Urwälder der Welt zu schützen“, sagt Douglas. Denn Wiederaufforstung scheint die Fähigkeit zur langfristige Speicherung von Kohlenstoff nicht vollständig gewährleisten zu können, so der Forscher.

Quelle: McGill University, Nature Geoscience, doi: 10.1038/s41561-018-0192-7

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