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Paranthropus: Ende durch Klimawechsel?

Limpopo
Im Einzugsgebiet des Limpopo-Flusses – dem einstigen Lebensraum des Paranthropus robustus (Foto: MARUM)

Der Vormensch Paranthropus robustus gilt als der stämmige Vetter unserer Vorfahren, der Australopithecinen. Er lebte vor rund zwei Millionen Jahren im Südosten Afrikas, starb dann aber etwa vor 900.000 Jahren aus – warum, ist bis heute unklar. Jetzt jedoch könnten Forscher eine Erklärung gefunden haben. Denn ihre Rekonstruktion der Klimabedingungen in diesem Gebiet Afrikas zeigt, dass das Klima dort während der Lebenszeit des Paranthropus deutlich trockener und wechselhafter wurde. Für den eher an waldreiche und feuchtere Bedingungen angepassten Paranthropus bedeutete das möglicherweise das Aus.

Afrika gilt als die Wiege der Menschheit. Hier entstanden im Laufe der rund vier Millionen Jahren gleich mehrere verschiedene Vormenschenarten. Einige von ihnen entwickelten sich zu unseren Vorfahren weiter, anderer dagegen starben aus und wurden so zu Sackgassen der Evolution. Einer der dieser Seitenzweige am menschlichen Stammbaum ist der Paranthropus robustus. Dieser Zeitgenosse und enge Verwandte des Australopithecus lebte bis vor rund 900.000 Jahren im Einzugsgebiet des Limpopo-Flusses im Südosten Afrikas und besaß kräftige Kiefer und einen eher stämmigen Körperbau. Lange vermutete Anthropologen, dass sich dieser Vormensch eher einseitig von Nüssen, Samen und anderen harten Pflanzenteilen ernährte – und deswegen letztlich ausstarb.

Klima-Rekonstruktion am Limpopo

Inzwischen jedoch weiß man, dass Paranthropus keineswegs so einseitig speiste und demnach anpassungsfähiger war als man ihm lange zugetraut hatte. Analysen des Zahnschmelzes von Fossilien dieser Menschenart ergaben, dass Paranthropus durchaus zwischen Blättern, Kräutern und Samen einerseits und Gräsern andererseits wechselte. „Paranthropus war eine Spezies, die gegenüber Umweltveränderungen durchaus tolerant war“, erklären Thibault Caley von der Universität von Bordeaux und seine Kollegen. „Allerdings deuten verschiedenen Belege darauf hin, dass diese Vormenschenart eher waldige und feuchte Umgebungen bevorzugte.“ Könnte demnach ein Klimawechsel das Aussterben des Paranthropus gefördert haben?

Um das herauszufinden, haben Caley und sein Team die klimatischen Bedingungen in Südost-Afrika zu dieser Zeit rekonstruiert. Für ihre Studie analysierten sie einen Sedimentbohrkern aus dem Mündungsgebiet des Limpopo – des Flusses, in dessen Einzugsgebiet der Paranthropus einst lebte. Die in diesem Bohrkern abgelagerten Mikrofossilien und Pollen, aber auch die Element- und Isotopenzusammensetzung des Sediments erlaubten es den Forschern, die Klimaentwicklung der letzten 2,14 Millionen Jahre zu rekonstruieren. Zusätzlich wertete das Team Daten zur Meeresoberflächentemperatur für den Zeitraum aus, um so den Einfluss des Ozeans auf das Klima an Land abschätzen zu können. „Nur in dieser Gesamtbetrachtung konnte ein schlüssiges Bild des Klimas in der Limpopo-Region rekonstruiert werden“, sagt Co-Autorin Lydie Dupont vom MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen.

Fataler Klimawechsel

Die Auswertungen ergaben: Vor rund zwei bis 1,75 Millionen Jahren herrschte im Limpopo-Gebiet ein eher feuchtes Klima. Dies könnte die Entwicklung des Paranthropus, aber auch seines Vetters, des Australopithecus sediba begünstigt haben, wie die Forscher erklären. Doch das änderte sich: Nach dieser Phase setzte ein Klimawechsel ein, der die Gegend deutlich trockener und das Klima wechselhafter werden ließ. „Als Folge schrumpften auch die Waldreichen und feuchteren Lebensräume, die Paranthropus bevorzugte“, berichten Caley und seine Kollegen. Wald wurde zunehmend von Steppe abgelöst. „Dadurch schrumpften auch die geografischen Verbreitungsgebiete der Vormenschenarten, die waldreiche Habitate präferierten, die Populationen fragmentierten“, so die Forscher weiter. „In der Folge waren die nunmehr isolierten Populationen besonders anfällig dafür, aus Mangel an Nahrung, Wasser und Schutz auszusterben.“

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Vor rund 1 bis 0,6 Millionen Jahren schließlich verstärkte sich der Trend zu trockenerem, wechselhafterem Klima so sehr, dass die Bedingungen für den Paranthropus vermutlich immer schwieriger wurden. Die Wahrscheinlichkeit für das Aussterben von immer mehr lokalen Populationen stieg, bis auch die letzte verbliebene Gruppe dann verschwand – und mit ihr die gesamte Spezies“, berichten die Wissenschaftler.

Quelle: Thibaut Caley (Universität Bordeaux) et al., Nature, doi: 10.1038/s41586-018-0309-6

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