Riesiger Krater unter dem Eis - wissenschaft.de
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Erde+Klima

Riesiger Krater unter dem Eis

Der Einschlagskrater am Hiawatha-Gletscher hat einen Durchmesser von 31 Kilometern. (Bild: The Natural History Museum of Denmark)

Unsere Erde trägt an vielen Stellen Spuren von Meteoriteneinschlägen. Nun haben Forscher auch in Grönland einen solchen Krater entdeckt: Verborgen unter einem Gletscher im Nordwesten des Landes befindet sich ein Meteoritenkrater von rund 31 Kilometern Durchmesser. Das Geschoss aus dem All, das diese Senke hinterließ, muss den Analysen zufolge mindestens einen Kilometer breit gewesen sein – und könnte für das Leben auf der Erde weitreichende Folgen gehabt haben. Wann der Meteorit genau auf unseren Planeten niederging, ist allerdings noch unklar.

Asteroiden- und Meteoriteneinschläge haben die Geschichte unseres Planeten wesentlich mitgeprägt: Vermutlich waren es solche Geschosse aus dem All, die wichtige Lebensbausteine auf die junge Erde brachten. Gleichzeitig gehen aber auch Katastrophen wie der Untergang der Dinosaurier auf ihr Konto. Von diesen im wahrsten Sinne des Wortes einschlagenden Ereignissen zeugen heute zahlreiche große Krater auf unserem Planten – vom Vredefort-Krater in Südafrika, über den Wilkeslandkrater in der Antarktis bis hin zum Nördlinger Ries im Süden Deutschlands. Nun haben Wissenschaftler ein weiteres, bisher unbekanntes Zeugnis eines vergangenen Einschlags entdeckt: versteckt unter dem grönländischen Eis.

Auffällige Strukturen

Auf die Spur dieses Kraters brachten Kurt Kjær von der Universität Kopenhagen und seine Kollegen Radaranalysen: „Wir haben in den letzten Jahrzehnten eine Reihe von Daten gesammelt, um herauszufinden, wie Grönland unter dem Eis aussieht“, berichtet Mitautor John Paden von der University of Kansas in Lawrence. Dabei fiel dem Forscherteam eines Tages eine kraterähnliche Vertiefung unter dem Hiawatha-Gletscher im Nordwesten Grönlands auf. Auch auf Satellitenbildern war an dieser Stelle eine kreisförmige Struktur von rund 31 Kilometern Durchmesser zu erkennen. Hatte sich hier tatsächlich einmal ein Impakt ereignet? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, führten die Wissenschaftler anschließend gezielt weitere Radaruntersuchungen durch – und bestätigten ihren Verdacht.

Wie sie berichten, offenbarten die Daten: Das junge Eis über der fraglichen Stelle ist makellos. In rund einem Kilometer Tiefe allerdings zeigen sich deutliche Spuren von Zerstörung und das Eis ist mit Trümmerteilen durchsetzt. Sedimentproben aus dem Bett eines aus dem Hiawatha-Gletscher herausfließenden Flusses förderten schließlich unter anderem Quartz-Körnchen mit Einschlüssen zutage – Minerale, die deutliche Schockmerkmale aufwiesen. Bei weiteren Untersuchungen wiesen die Forscher zudem erhöhte Konzentrationen von Nickel, Kobalt, Chrom und Gold im Flusssediment nach. Dies spricht ihrer Ansicht nach dafür, dass der Einschlag durch einen seltenen Eisenmeteoriten verursacht wurde. Solche Meteoriten stammen wahrscheinlich aus dem Kern ehemaliger Asteroiden und machen Schätzungen zufolge nur etwa fünf Prozent aller Meteoriten aus.

Geologisch jung

Auch die Größe des Geschosses kann das Team in etwa eingrenzen. Laut ihren Berechnungen muss der Meteorit, der den riesigen Krater unter dem Eisschild hinterließ, einen Durchmesser von mindestens einem Kilometer gehabt haben. Unklar bleibt dagegen, wann genau der Meteorit auf die Erde niederging. „Wir konnten bisher noch keine direkte Datierung vornehmen“, sagt Kjær. „Weil der Krater trotz der gewaltigen Erosionskräfte des Gletschereises außergewöhnlich gut erhalten ist, gehen wir aber davon aus, dass er aus geologischer Sicht noch relativ jung ist.“ Konkret ordnen die Forscher den Hiawatha-Impakt ins Zeitalter des Pleistozäns ein. Demnach könnte der Meteorit vor etwas weniger als drei Millionen Jahren, aber auch erst vor 12.000 Jahren eingeschlagen sein.

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Doch wann immer er niederging: Klar scheint, dass die Folgen für das Leben auf der Erde gewaltig gewesen sein könnten. „Trümmerteile wurden in die Atmosphäre geschleudert, beeinflussten das Klima – und lösten womöglich eine Eisschmelze aus. Dadurch könnte es zu einem plötzlichen Süßwasser-Einfluss in die Nares-Straße zwischen Kanada und Grönland gekommen sein, der die Meeresströmung in der gesamten Region beeinflusst haben könnte“, sagt Paden. „Der nächste Schritt wird nun sein, den Einschlag genau zu datieren. Erst dann können wir genauer verstehen, wie sich der Hiawatha-Impakt auf unseren Planeten ausgewirkt hat“, schleißt Kjær.

Quelle: Kurt Kjær (Universität Kopenhagen) et al., Science Advances, doi: 10.1126/sciadv.aar8173

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