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Riesiger Räuber „in der Schublade“ entdeckt

Künstlerische Darstellung von Simbakubwa, der den Schätzungen zufolge ein Gewicht von über einer Tonne erreicht haben könnte. (Bild: Mauricio Anton)

Er war größer als ein Eisbär, hatte einen Kopf, so groß wie der eines Nashorns und lange scharfe Eckzähne: Forscher haben in einem Museumsarchiv die Fossilien eines riesigen Räubers entdeckt, der vor 22 Millionen Jahren durch Ostafrika streifte. Wie sie berichten handelte es sich bei der neuen Art um einen großen Vertreter der räuberischen Säugetiergruppe der Hyainailourinae, die nach dem Aussterben der Dinosaurier in Afrika entstanden sind.

Auf spannende Funde können Paläontologen offenbar nicht nur bei aktuellen Ausgrabungen stoßen – auch unter bereits lange archivierten Fossilien schlummern Entdeckungen, lässt der aktuelle Fall vermuten. Wie Nancy Stevens und Matthew Borths von der Ohio University in Athens berichten, gelang ihnen die Entdeckung in Archivmaterial des kenianischen Nationalmuseums in Nairobi. Sie begutachteten Beifunde, die bereits vor Jahrzehnten im Rahmen einer Suche nach Fossilien von Primaten in Kenia angefallen waren. Datierungen zufolge stammen sie aus einer Zeit von vor etwa 22 Millionen Jahren.

Fund Im Museumsarchiv

„Als wir eine der Museumsschubladen öffneten, sahen wir eine Reihe gigantischer Fleischfresser-Zähne, die eindeutig zu einer Spezies gehören, die neu für Wissenschaft ist“, berichtet Borths. Die Funde umfassen darüber hinaus den Kiefer, Teile des Schädels und des Skeletts. Wie die Untersuchungen ergaben, stammen die Überreste von einem Vertreter der heute ausgestorbenen Hyainailourinae, der den Schätzungen von Stevens und Borths zufolge ein Gewicht von weit über einer Tonnen erreicht haben könnte. Der riesige Räuber bildete damit wohl die Spitze der Nahrungskette in seinem Lebensraum, den er mit den frühen Vertretern der Menschenaffen teilte. Die Forscher gaben der neuen Art den Namen Simbakubwa kutokaafrika, was in Swahili-Sprache soviel bedeutet wie „Großer Löwe aus Afrika“.

Simbakubwa war jedoch nicht eng mit Raubkatzen oder anderen heute lebenden Fleischfressern verwandt – auch nicht mit den Hyänen. Die Hyainailourinae waren eine Unterfamilie der ausgestorbenen Gruppe der Hyaenodonta, die nach dem Aussterben der Dinosaurier zahlreiche fleischfressende Säugetierarten auf der Erde hervorgebracht hat. Der aktuelle Fund deutete nun darauf hin, dass sich die Unterfamilie der Hyainailourinae in Afrika entwickelt hat, als der Kontinent vom Rest der Welt weitgehend abgeschnitten war, sagen die Forscher.

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Ihnen zufolge setzte ein interessanter Prozess ein, als sich Afrika im Rahmen der Kontinentalverschiebung schließlich wieder mit den nördlichen Landmassen verknüpfte: Es kam zu einem Austausch von Pflanzen und Tierarten zwischen den Kontinenten. Wie die Forscher erklären, passierte dies genau in der Ära von Simbakubwa. Um diese Zeit kamen die Verwandten von Katzen, Hyänen und Hunden aus Eurasien nach Afrika, die bis heute die großen Raubtiere des Kontinents stellen.

Gruß aus einem Zeitalter des Wandels

Für Simbakubwa und seine Verwandten bedeutete dies allerdings zunächst nicht das Aus – im Gegenteil: Die Hyainailourinae drangen nach Norden vor, als die Vorfahren der heutigen Raubtiere Afrikas nach Süden einwanderten. „Es ist eine faszinierende Zeit in der Biogeschichte“, sagt Borths. „Linien, die sich zuvor nie begegnet waren, erscheinen gemeinsam im Fossilienbestand“, so der Paläontologe. Die Hyainailourinae waren zunächst sehr erfolgreich – sie breiteten sich über Eurasien und Nordamerika aus und bildeten neue Arten.

Letztendlich starben dann allerdings weltweit alle Hyanodonten, einschließlich der Hyainailourinae vor etwa 18 bis 10 Millionen aus. Warum sie verschwanden, die anderen Raubtierlinien allerdings überlebten, bleibt unklar. „Wir wissen nicht genau, was die Hyanodonten zum Aussterben gebracht hat. Klar ist jedoch, dass sich die Ökosysteme schnell wandelten, als das globale Klima in dieser Zeit trockener wurde. Die gigantischen Verwandten von Simbakubwa gehörten allerdings zu den letzten Hyanodonten auf dem Planeten“, sagt Borths.

Quelle: Ohio University, Journal of Vertebrate Paleontology, doi: 10.1080/02724634.2019.1570222

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