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Schon Dinos litten unter Feder-Parasiten

Mesophthirus engeli
Laus-ähnliche Parasiten plagten offenbar schon gefiederte Dinos. (Bild: Chen Wang)

Parasiten können für ihre Wirte ganz schön lästig und mitunter sogar gefährlich werden. Ein 100 Millionen Jahre alter Fund im Bernstein enthüllt nun, dass sich schon Dinosaurier mit solchen Plagegeistern herumschlagen mussten. In fossilen Harzstücken aus Myanmar haben Paläontologen Dino-Federn mitsamt Laus-ähnlichen Insekten entdeckt. Diese Tierchen ernährten sich offenbar von dem Gefieder ihrer Wirte. Auf dieses Verhalten deuten nicht nur ihre starken Mundwerkzeuge hin, sondern auch die Schäden an den konservierten Federn. Damit ist der Fund der bisher älteste Beleg für federfressende Parasiten, wie die Forscher berichten.

Viele Dinosaurier trugen keineswegs Schuppen, sondern ein farbiges Federkleid. Auch ihre „Cousins“, die Flugsaurier, besaßen teilweise schon echte Federn. Wie moderne Vögel hatten diese Tiere aber offenbar mit Untermietern in ihren Gewändern zu kämpfen: Fossilfunde belegen, dass sich zum Beispiel Zecken an den Federn von Dinos festklammerten und deren Blut saugten. Doch gab es damals auch schon Parasiten, die sich von den Federn ernährten? Immerhin sind keratinhaltige Substanzen wie Federn, Haare und Hautschuppen heute eine beliebte Kost von Tierläusen. Ob sich solche Krabbler allerdings bereits zu Dino-Zeiten entwickelt hatten, ist unklar. „Aufgrund des Mangels an fossilen Belegen aus dem Erdmittelalter liegen die Ursprünge dieser parasitären Verhaltensweise im Dunkeln“, erklären Paläontologen um Taiping Gao von der Capital Normal University in Peking.

Plagegeister im Gefieder

Nun bringt ein spannender Fund aus Myanmar Licht in die Sache: In zwei rund 100 Millionen Jahre alten Bernsteinstücken haben die Forscher nicht nur zwei konservierte Dinosaurier-Federn entdeckt. Gemeinsam mit diesen Strukturen wurden auch zehn urzeitliche Nymphen konserviert – Insekten im Jungtierstadium. Interessanterweise ähneln diese Arthropoden modernen Läusen und etliche Merkmale enttarnen sie als mögliche Ektoparasiten. Dazu gehören etwa der kleine flügellose Körper und vor allem die starken Kauwerkzeuge. Was die Tierchen mit diesen anstellten, lässt sich anhand des Bernsteinfunds ebenfalls erahnen. Denn eine der im fossilen Harz eingeschlossenen Federn weist deutliche Schäden auf – diese ähneln den Löchern im Gefieder von mit Läusen befallenen Vögeln. „Verursacher sind wahrscheinlich die Insekten, die sich von Haut und Federn der Dinos ernährten“, konstatieren die Wissenschafter.

Das Fossil ist damit der früheste Beweis für ektoparasitäre, unter anderem von Federn lebende Insekten. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass dieses Verhalten vor oder im Laufe der mittleren Kreidezeit auftauchte – parallel zu der Ausbreitung gefiederter Dinosaurier, einschließlich der ersten Vögel“, so das Fazit von Gao und seinen Kollegen. Die im Federkleid der Dinos gefundenen Insekten ordnen sie einer neuen Gattung und Art zu. An welche Position im Stammbaum die Mesophthirus engeli getauften Krabbler genau gehören, ist allerdings noch offen. Zwar weisen sie den Analysen zufolge einige morphologische Gemeinsamkeiten mit der Buchlaus-Familie Liposcelidae sowie den Tierläusen (Phthiraptera) auf. „Dennoch ist es schwierig, Mesophthirus einer modernen Insektenordnung zuzuweisen – obwohl wir die Insekten in immerhin zwei unterschiedlichen Nymphenstadien gefunden haben“, erklären die Forscher.

Folgenreicher Befall?

Diese offene Frage können in Zukunft nur weitere Funde der federfressenden Plagegeister klären helfen. Gao und seine Kollegen hoffen daher, bald mehr Fossilien dieser Insekten zu finden – und dann auch auf erwachsene Tiere zu stoßen. Wie sehr die Dinosaurier einst unter dem Befall durch Mesophthirus engeli litten, darüber lässt sich nur spekulieren. Bei Vögeln können solche Parasiten das Gefieder aber auf Dauer so stark schädigen, dass es zunehmend löchrig wird und regelrecht angefressen aussieht. Außerdem bescheren sie den betroffenen Tieren oft lästigen Juckreiz, rauben ihnen den Schlaf und können ihr Immunsystem schwächen.

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Quelle: Taiping Gao (Capital Normal University, Peking) et al., Nature Communications, doi: 10.1038/s41467-019-13516-4

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