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T. rex: Ausdauer statt Geschwindigkeit

Seine langen Beine verschafften T. rex offenbar vor allem Ausdauer und Effizienz. (Bild: Julius Csotonyi, 2020)

Ein furchterregender Gigant mit langen Beinen – doch auf rasante Geschwindigkeiten brachten sie Tyrannosaurus rex nicht, wie nun erneut eine Studie verdeutlicht. Aus der biomechanischen Analyse des Laufverhaltens verschiedener zweibeiniger Dinosaurierarten geht hervor: Während bei kleineren Spezies die langen Beine tatsächlich vor allem für Tempo sorgten, waren sie bei T. rex eher für hohe Energie-Effizienz konzipiert. So war der König der Raubsaurier auf seinen Jagdzügen besonders ausdauernd und sparsam unterwegs.

Es ist eine der spannendsten Szenen im Film Jurassic Park: Ein T. rex rast einem Auto mit den flüchtenden Protagonisten hinterher. Ordentliches Gasgeben ist nötig, um dem zähnefletschenden Sprinter schließlich zu entkommen. Doch mittlerweile ist klar: Es hätte wohl auch ein Fahrrad für die Flucht gereicht. Denn T. rex kam nur auf etwa 27 Kilometer pro Stunde, haben Kalkulationen ergeben. Sie folgen der Regel: Bei kleinen bis mittelgroßen Tieren bedeutet mehr Größe auch mehr Schnelligkeit, doch bei sehr großen Tieren geht es mit der Geschwindigkeit wegen der Massenträgheit wieder bergab. Deshalb erreichte auch der bis zu 13 Meter lange und sieben Tonnen schwere T. rex im Vergleich zu kleineren Raubsauriern nur eher geringe Geschwindigkeiten.

Wozu die langen Beine?

Dies wirft allerdings die Frage auf, warum der Körperbau von T. rex ebenfalls auf Geschwindigkeit ausgerichtet zu sein scheint. „Man geht davon aus, dass besonders lange Beine eine Anpassung zur Vermittlung von hohen Laufgeschwindigkeiten sind“, sagt Thomas Holtz von der University of Maryland. Er und seine Kollegen sind im Rahmen ihrer Studie deshalb nun der Frage nachgegangen, wie bei zweibeinigen Dinosauriern Körpergröße und Beinlänge mit Geschwindigkeit und Energie-Effizienz beim Laufen verknüpft gewesen sein könnten. Sie entwickelten dazu biomechanische Modellierungen des Laufverhaltens von 70 Arten aus der Gruppe der Theropoden. Neben den tonnenschweren Riesen wie T. rex oder Allosaurus umfasste die Auswahl auch kleinere Arten wie Raptoren oder sogar nur hasengroße Winzlinge.

Die Analysen bestätigten zunächst: Auch die langen Hinterbeine konnten nur bis zu einer bestimmen Körpergröße für mehr Tempo sorgen. Ab etwa 1000 Kilogramm war demnach Schluss mit dem Zugewinn. Somit lag T. rex mit seinen bis zu sieben Tonnen deutlich über dieser Marke. Wie aus den Kalkulationen hervorgeht, profitierten diese Riesen aber offenbar auf andere Weise von ihren langen Beinen: Im Vergleich zu kürzeren Gliedmaßen, sorgten die langen Hinterbeine der Tyrannnosaurier für biomechanische Eigenschaften, die mit einem deutlich geringeren Energieverbrauch verknüpft waren, berichten die Wissenschaftler.

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Bei kleineren zweibeinigen Raubsauriern sorgten die langen Beine für Tempo – bei den großen eher für Effizienz. (Bild: Courtesy T. Holtz, University of Maryland )

Ein sparsamer König

„Es ging bei T. rex offenbar eher darum, ein ausdauernder Marathonläufer zu sein als ein schneller Sprinter“, resümiert Holtz. Vermutlich handelte es sich dabei um einen großen Vorteil, sagen die Forscher. „Raubtiere verbringen in der Regel einen Großteil ihrer Zeit mit der Suche nach Beute“, so Holtz. Wer dabei weniger „Treibstoff“ verbraucht, hat deutlich bessere Überlebenschancen, sagen die Wissenschaftler.

Wie sie erklären, legt die Lebensweise von T. rex nahe, dass Effizienz bei seiner Fortbewegung besonders gefragt war. Man geht davon aus, dass der Räuber andere Dinosaurier wie den berühmten Triceratops jagte. Dabei handelte es sich zwar um eher langsame, aber sehr wendige und wehrhafte Beutetiere, die in Herden lebten. Um sie zu erlegen, war möglicherweise Ausdauer besonders wichtig, erklären die Wissenschaftler. Wie genau Tyrannosaurier bei der Jagd vorgingen, gilt bisher allerdings als unklar. „Wir stellen fest, dass die Anatomie von T. rex gleichzeitig effizient und elegant war, aber auch konzipiert, um unglaubliche Gewalt auszuüben. Er gilt zu Recht als der König der Raubsaurier“, schreiben Holtz und seine Kollegen zum Abschluss ihrer Studie.

Quelle: University of Maryland, Fachartikel: PLOS ONE, doi: 10.1371/journal.pone.0223698

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