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Erde+Klima

Tropenstürme als Baumeister

Funafuti-Atoll
Blick auf das Funafuti-Atoll im Inselstaat Tuvalu (Foto: NASA)

Im Moment machen Tropenstürme und Taifune eher Schlagzeilen als katastrophale Zerstörer – allein vom Supertaifun Mangkhut sind Millionen Menschen in Südasien betroffen. Doch tropische Stürme können auch konstruktiv wirken – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn in der Südsee verdanken wahrscheinlich einige Koralleninseln vergangenen Stürmen ihre Existenz. Starker Wind und Wellengang transportierten dabei meterhohe Korallenblöcke auf das Riff und schichteten so die Inseln auf, wie Forscher herausgefunden haben.

Die Atolle der Südsee gehören momentan zu den am stärksten bedrohten Lebensräumen der Erde. Denn der steigende Meeresspiegel sorgt dafür, dass immer mehr Bereich dieser flachen Inseln bei Sturm vom Meer überschwemmt werden. Gängiger Annahme nach entstanden die Atolle durch die jahrtausendelange Riffbau-Tätigkeit der Korallen: Im Laufe der Zeit türmten sie Riffe auf, die bis knapp unter die Meeresoberfläche reichten. An diesen Unterseebergen fing sich immer wieder Sand und anderes Material und schuf so allmählich über den Meeresspiegel hinausragende Inseln. „Die meisten Koralleninseln bestehen daher aus vielen übereinanderliegenden Schichten, ähnlich wie bei einer Zwiebel“, erklärt Paul Kench von der Simon Fraser von der University of Auckland in Neuseeland.

Chaotische Blöcke

Doch es gibt offenbar auch Ausnahmen, wie die Forscher nun entdeckt haben. Für ihre Studie hatten sie den Untergrund auf Tutago Island untersucht, einer Koralleninsel, die zum Funafuti-Atoll des Inselstaats Tuvalu gehört. Schon erste Beobachtungen enthüllten, dass der Korallenkalk hier nicht in säuberlichen Schichten gewachsen ist, sondern in chaotischen Blöcken auf einem flachen Riffplateau durcheinanderliegt. Diese „Bausteine“ lassen die Insel erst über den Wasserspiegel emporragen und bilden damit ihr sichtbares Fundament. Aus der Lage und Anordnung dieser Blöcke schließen die Wissenschaftler, dass sie nicht vor Ort gewachsen sind. Stattdessen müssen sie einst von Stürmen und hohem Wellengang dorthin transportiert worden sein. Eine Radiokarbondatierung der Blöcke verriet den Forschern, wann sich dieser Transport ereignet hat: „Die Inselbildung ist durch eine episodische Ablagerung von Korallenköpfen und Brocken charakterisiert, die im Laufe von vier getrennte Sturmphasen in den letzten 1100 Jahren stattgefunden hat“, berichten Kench und seine Kollegen.

Konkret ergaben die Analysen, dass die Koralleninsel vor rund 750 Jahren erstmals über den Meeresspiegel hinausragte – nach einem größeren Sturm, der viele große Korallenblöcke auf der flachen Riffoberseite deponierte. Dann folgte eine Pause mit ruhigeren Bedingungen, in denen die umliegenden Korallenriffe Zeit hatten, nachzuwachsen. Mindestens zwei weitere Stürme vor 600 und 350 Jahren türmten dann Tutago Island durch weitere Blocklablagerungen weiter auf. „Die Inselbildung ist nicht nur von Stürmen abhängig, sondern auch von der Rate des Korallenwachstums“, sagt Kench. Denn erst die lange Pause zwischen den Stürmen hat vermutlich für neuen „Nachschub“ an Korallenblöcken gesorgt.

Wertvolle Sturmarchive

Damit scheint klar, dass zumindest einige Koralleninseln zwar heute durch Tropenstürme akut gefährdet sind, aber gleichzeitig solchen Stürmen auch ihre Existenz verdanken. Die im Laufe der Zeit auf ihnen abgelagerten Korallenblöcke können daher wertvolle Informationen darüber liefern, wann und wie stark vergangenen Sturmereignisse in der jeweiligen Gegend waren: „Diese Insel-Ablagerungen sind vielversprechende Archive vergangener Sturmhäufigkeiten“, sagt Kench. Für die Bewohner einiger Atolle der Südsee könnte dieses Wissen überlebenswichtig sein. Denn es verrät ihnen, in welchen Abständen besonders schwere Taifune und Stürme in ihrer Region vorkommen. Allerdings: Klimaforscher sagen voraus, dass sich die Intensität und Häufigkeit der stärksten Wirbelstürme durch den Klimawandel erhöhen wird. Gepaart mit den steigenden Meeresspiegeln ist daher zu erwarten, dass sich heutige Stürme eher als Zerstörer denn als Baumeister erweisen.

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Quelle: Paul Kench (University of Auckland, New Zealand) et al., Geology, doi: 10.1130/G45045.1

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