Urvogel sorgt für Überraschung - wissenschaft.de
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Urvogel sorgt für Überraschung

So könnte der Urvogel Mirarce eatoni zu Lebzeiten ausgesehen haben. (Bild: Brian Engh)

Die urtümliche Vogelgruppe der Enantiornithes dominierte Millionen Jahre lang den Luftraum über den Köpfen der Dinosaurier. Ein 75 Millionen Jahre altes Fossil aus Nordamerika liefert nun spannende neue Erkenntnisse über diese Urvogel-Gruppe. Analysen des außergewöhnlich gut erhaltenen Skeletts zeigen, dass einige dieser Urvögel offenbar besser an das Fliegen angepasst waren als gedacht. Demnach hatten sie zum Ende der Kreidezeit ähnliche anatomische Anpassungen entwickelt wie moderne Vögel. Dies wirft auch Fragen über die Gründe ihres Aussterbens auf, wie die Forscher berichten.

Das Zeitalter der Dinosaurier ist auch für seine vielen unterschiedlichen Arten von Flugsauriern bekannt. Doch sie waren damals nicht die einzigen Herrscher der Lüfte: In der Kreidezeit hatte die urtümliche Vogelgruppe der Enantiornithes bereits zahlreiche Spezies hervorgebracht. Diese urzeitlichen Federtiere besaßen zwar Zähne, sahen modernen Vögeln in vielen Dingen aber auch ähnlich. Fossile Funde belegen, dass die Enantiornithes viele Millionen Jahre lang den Luftraum dominierten und in nahezu allen Winkeln der Erde verbreitet waren. Forscher haben sterbliche Überreste dieser Tiere inzwischen auf sämtlichen Kontinenten mit Ausnahme der Antarktis entdeckt.

Ein besonders großer Vertreter

Auf einen überaus bemerkenswerten Vertreter dieser Gruppe von Urvögeln sind nun Jessie Atterholt von der University of California in Berkeley und ihre Kollegen gestoßen: Sie haben aus dem Museumsarchiv der Universität das 75 Millionen Jahre alte Fossil eines Tieres hervorgeholt, das gleich aus dreierlei Gründen besonders ist. Wie die Wissenschaftler berichten, ist das 1992 in der sogenannten Kaiparowits-Formation in Utah entdeckte Fossil zum einen erstaunlich gut erhalten. Außer dem Schädel sind Knochen von fast allen Körperteilen vorhanden. „Die meisten von ihnen haben ihre ursprüngliche Form bewahrt und wir können sogar sehen, wo einst die Muskeln und Sehnen ansetzten“, sagt Atterholt. Dem Team zufolge handelt es sich damit um das am besten und vollständigsten erhaltene Enantiornithes-Fossil aus Nordamerika.

Ein genauerer Blick auf dieses zuvor noch nie näher untersuchte Exemplar offenbarte zum anderen eine weitere Besonderheit: Der Mirarce eatoni getaufte Urvogel ist größer als alle anderen aus der Region bekannten Vögel aus dem gesamten Zeitalter der Dinosaurier. Während die meisten in Nordamerika gefundenen Kreidezeitvögel die Größe heutiger Krähen erreichten, muss dieser Urvogel in etwa so groß wie ein Uhu gewesen sein. Doch das ist noch nicht alles: Die anatomischen Eigenschaften des Fossils liefern zudem überraschende neue Erkenntnisse über die Flugkünste der Enantiornithes. „Bisher galt, dass die Urvögel aus der Kreidezeit zwar fliegen konnten – aber dennoch nicht so gut an diese Fortbewegungsweise angepasst waren wie moderne Vögel“, berichtet Atterholt. Mit Mirarce eatoni ist nun jedoch zum ersten Mal ein Fossil aufgetaucht, das sehr wohl Merkmale aufweist, die auf fortschrittliche Flugfähigkeiten schließen lassen.

Perfekt ans Fliegen angepasst

So verfügt dieser Urvogel im Vergleich zu anderen Enantiornithes-Vertretern über ein schmaleres Gabelbein und seine stark ausgeprägte Brustbeinleiste deutet auf größere Flugmuskeln hin – Anpassungen, die auch für moderne Vögel typisch sind. Am spannendsten sind den Forschern zufolge jedoch die kleinen Erhebungen auf den Vorderarmknochen des Fossils: Bei modernen Vögeln sind die Konturfedern des Flügels besonders stark mit den Knochen verbunden, damit sie der Beanspruchung beim Fliegen besser standhalten. Dies geschieht mithilfe von Bändern. An den Verbindungspunkten entstehen durch diese Strukturen mitunter charakteristische Hubbel – und ebensolche lassen sich auch bei Mirarce eatoni entdecken.

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Damit zeichnet sich ab, dass sich die Enantiornithes in der späten Kreidezeit zu leistungsstarken Fliegern entwickelt hatten. Diese Erkenntnis wirft eine entscheidende Frage auf: Wenn die Urvögel so gute Flieger waren, warum verschwanden sie dann mit dem Massenaussterben am Ende der Kreidezeit, während die Vorfahren der heutigen Vögel überlebten? Ein möglicher Grund könnte der Lebensraum der Enantiornithes sein. Wie die Wissenschaftler berichten, lebten die meisten dieser Federtiere im Wald – eine Landschaftsform, die nach dem Asteroideneinschlag vor 65 Millionen Jahren wahrscheinlich größtenteils in Flammen aufging und verschwand. „Dies ist die beste Hypothese, die ich bisher dazu gehört habe“, sagt Atterholt. „Trotzdem sind weitere Studien nötig, um dieses Rätsel endgültig zu klären“, schließt sie.

Quelle: Jessie Atterholt (University California, Berkeley) et al., PeerJ, doi: 10.7717/peerj.5910

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