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Erde+Klima

Verschwinden die Ikonen der Mojave-Wüste?

Joshua Trees
Die Joshua Trees sind ein Wahrzeichen der Wüstengebiete im US-Südwesten. (Bild: Frank de Bonis/ iStock)

Die palmartigen Josuabäume prägen die Wüsten des US-Südwestens und geben sogar einem ganzen Nationalpark ihren Namen. Doch diese Ikonen der Mojavewüste sind bedroht. Durch den Klimawandel und die zunehmenden Brände könnten die Bestände dieser Palmliliengewächse drastisch schrumpfen, wie nun Forscher ermittelt haben. Wird nichts unternommen, könnte der Joshua Tree aus einem Großteil seines jetzigen Verbreitungsgebiets verschwinden.

Der Josuabaum (Yucca brevifolia) reckte seine palmähnlichen Blätter schon vor 2,5 Millionen Jahren der Sonne entgegen. Er überstand mehrere Eiszeiten und überlebte selbst Mammut und Säbelzahnkatzen. Denn die zu den Yucca-Palmlilien gehörenden Bäume sind an trockene, wüstenartige Umgebungen angepasst: Ähnlich wie Kakteen können die bis zu 15 Meter hohen Josuabäume große Menge Wasser in ihren Geweben speichern.

Wie anpassungsfähig sind die Josuabäume?

Doch die Anpassungsfähigkeit der Josuabäume ist nicht endlos. Zwar kann ein einzelner Baum bis zu 300 Jahre alt werden, aber hält die Trockenheit zu lange an oder wütet ein Buschfeuer, stirbt auch er ab. Hinzu kommt, dass die jungen Bäume weniger gute Wasserspeicher sind und daher deutlich sensibler auf anhaltende Dürren reagieren. Schon länger fürchten Biologen daher, dass die Joshua Trees im gleichnamigen US-Nationalpark im Zuge des Klimawandels leiden könnten. Schon jetzt ist zu beobachten, dass sich die Bäume aus niedrigeren, heißeren Gebieten zurückziehen und vermehrt in höheren, kühleren Lagen wachsen.

Wie die Zukunft dieser ikonischen Pflanzen des US-Südwestens aussehen könnte, haben nun Lynn Sweet von der University of California in Riverside und ihre Kollegen näher untersucht. Für ihre Studie kartierten sie Standorte, Zustand und Alter von mehr als 4000 Josuabäumen im Joshua Tree Nationalpark. Dann nutzten sie historische Klimadaten sowie Klimaprognosen, um die künftige Verbreitung dieser Pflanzenart bei gemäßigtem und ungebremstem Klimawandel zu ermitteln.

Drastischer Rückgang

Das Ergebnis: Selbst wenn wir es schaffen, den Klimawandel einzudämmen, wird der Bestand der Josuabäume stark zurückgehen. Bis Ende des Jahrhunderts werden demnach bei gemäßigter Erwärmung nur noch 13,9 bis 18,6 Prozent des heutigen Verbreitungsgebiets für die Bäume geeignet sein, wie die Forscher ermittelten. „Das business-as-usual-Szenario dagegen hatte eine fast vollständige Vernichtung der Josuabäume im Parkgebiet zur Folge“, berichten Sweet und ihr Team. Nur noch in den San Bernardino Mountains bleiben dann vereinzelte Refugien erhalten.

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Wie die Analysen ergaben, ist der Hauptgrund für das Verschwinden der Josuabäume ein Problem bei der Fortpflanzung: In den trockener und heißer werdenden Gebieten überleben schon jetzt deutlich weniger Jungpflanzen als früher. Hinzu kommt, dass die von anhaltenden Dürren gestressten Altbäume auch weniger Nachwuchs produzieren. Als Folge dünnt die Population immer weiter aus.
Doch auch in den höhergelegenen Refugien droht den Yuccapalmen Gefahr: Durch die Luftverschmutzung der kalifornischen Großstädte wird vermehrt Stickstoff in die nährstoffarmen Wüstengebiete eingetragen. Dies wiederum fördert das Wachstum invasiver Gräser, die den im Zuge des Klimawandels zunehmenden Bränden mehr Nahrung bieten, wie die Forscher berichten.

„Unsere Ergebnisse sind ein erschreckender Vorgeschmack auf das, was passieren wird, wenn die business-as-usual-Politik in Bezug auf die Treibhausgasemissionen so weitergeht“, konstatieren die Forscher. „Das Schicksal dieser einzigartigen, ungewöhnlichen Bäume liegt in unserer Hand. Ihre Zahl wird in jedem Falle abnehmen – aber wie viel, hängt von uns ab.“ Eine unmittelbare Maßnahme könnte dabei sein, den zunehmenden Grasbewuchs in den höheren Lagen des Nationalparks einzudämmen.

Quelle: University of California Riverside; Fachartikel: Ecosphere, doi: 10.1002/ecs2.2763

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