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Wann krochen Dinos aus dem Ei?

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Ein "Schlüpfling" der Dino-Art Protoceratops andrewsi (Foto: © AMNH/M. Ellison)
Ein Riss – die Eierschale bricht – ein Jungtier erblickt das Licht der Welt: Das war bekanntlich auch schon im Zeitalter der Dinosaurier so. Anhand von fossilen Embryos haben Forscher nun allerdings erstmals ermittelt, wie lange die Inkubationszeit bei Dino- Eiern dauerte. Überraschenderweise war sie nicht so kurz wie bei Vögeln: Je nach Dinosaurier-Art dauerte sie vermutlich zwischen drei und sechs Monaten. Diese lange Ei-Phase könnte auch eine Rolle beim Aussterben der Dinosaurier gespielt haben, sagen die Forscher.

Ein Straußen-Küken schlüpft nach 42 Tagen – bei manchen Vogelarten dauert es sogar nur elf Tage: Die Entwicklung von Vögeln im Ei vollzieht sich schnell – bei Reptilien dauert sie im Durchschnitt doppelt so lange. Da Vögel die Nachfahren der Dinosaurier sind, nahm man bisher an, dass deren Ei-Inkubationszeiten bereits ähnlich kurz waren. Doch war das denn wirklich so – oder ähnelten sie doch noch eher denen der heutigen Reptilien? Dieser Frage sind nun die Forscher um Gregory Erickson von der Florida State University in Tallahassee erstmals nachgegangen.

Dino-Embryos im Fokus

Im Rahmen ihrer Studie untersuchten die Forscher die fossilen Zähne von zwei im Ei erhaltenen Dinosaurier-Embryos: Bei einem handelte es sich um einen kleinen Protoceratops – einer etwa schweinsgroßen Dinosaurier-Art. Die Eier dieser Tiere waren mit nur etwa 194 Gramm Gewicht vergleichsweise klein. Der andere untersuchte Embryo stammte hingegen von einem Vertreter vom anderen Ende des Größen-Spektrums der Dinosaurier: Hypacrosaurus war ein großer Entenschnabel-Dinosaurier, dessen Eier über vier Kilogramm wogen.

Zunächst untersuchten die Forscher die embryonalen Kiefer der beiden Dinosaurier mittels Computertomographie (CT). Anschließend analysierten sie die Feinstrukturen der Zähne mittels Mikroskopie. So wurden feine Wachstumslinien sichtbar, die auch unsere Zähne besitzen. „Es handelt sich um Strukturen, die entstehen, wenn sich Tierzähne entwickeln“, erklärt Erickson. „Sie sind wie Baumringe – sie werden allerdings täglich gebildet. So konnten wir sie buchstäblich zählen, um zu erfassen, wie lange sich die Dinosaurier im Ei entwickelt haben.“

Überraschend lange im Ei

Auf diese Weise stellten die Forscher fest: Der Protoceratops-Embryo war etwa drei Monate alt, als sein Ende kam und der Prozess der Fossilierung begann. Der Hypacrosaurus-Embryo war sogar etwa sechs Monate lang im Ei herangewachsen. Diese Inkubations-Zeit entspricht damit eher derjenigen der Reptilien-Cousins der Dinosaurier und nicht der von Vögeln, sagen die Wissenschaftler.

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Ihnen zufolge legt dieses Ergebnis nahe, dass sich die schnellere Inkubationszeit von Vogeleiern erst entwickelt hat, nachdem sich der Entwicklungszweig der Vorfahren der heutigen Vögel vom Stammbaum der anderen Dinosaurier abgespalten hat. Mehr Aufschluss könnten Embryos von Arten liefern, die den Vögeln evolutionsgeschichtlich näher stehen, wie beispielsweise von Velociraptoren. Doch den Forschern zufolge sind leider bisher kaum entsprechende Fossilien für Untersuchungen verfügbar.

Ein Aussterbe-Faktor?

Dennoch stecken bereits in den aktuellen Ergebnissen interessante Informationen, betonen Erickson und seine Kollegen. Möglicherweise werfen sie nämlich Licht auf die Frage, warum die Dinosaurier beim großen Massensterben vor rund 65 Millionen Jahren verschwanden, während die Vorfahren der heutigen Vögel überlebten. Möglicherweise war deren kürzere Ei-Phase ein Vorteil in den Wirren am Ende der Kreidezeit. Die Dino-Eier könnten von den Umweltrisikofaktoren hingegen stärker betroffen gewesen sein, sagen die Wissenschaftler.

Originalarbeit der Forscher:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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