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Waren die Plesiosaurier Warmblüter?

Skurril und offenbar bereits warmblütig: Plesiosaurier besaßen eine Anatomie, für die es heute keine Entsprechungen mehr gibt. (Künstlerische Darstellung: CoreyFord/iStock)

Ein langer Hals, ein spindelförmiger Körper und vier Flossen: In der Dino-Ära machten die teils riesigen Vertreter der Plesiosaurier Jagd auf Meerestiere. Eine Studie liefert nun neue Hinweise darauf, dass diese zu den Reptilien gehörenden Räuber bereits Warmblüter waren und keine wechselwarmen Wesen wie alle heutigen Vertreter der Echsen. Möglicherweise hatten die prominenten Meeressaurier sogar ähnlich hohe Stoffwechselraten wie Vögel, geht aus den Ergebnissen hervor.

Als Tyrannosuarus rex und Co an Land ihre Zähen und Krallen einsetzten, hatten auch die Meere skurrile Raubsaurier zu bieten: Bis zum Ende der Kreidezeit sausten dort die unterschiedlichen Vertreter der Plesiosaurier durchs Wasser, belegen umfangreiche Fossilienfunde. Die teilweise vermutlich über 15 Meter langen Wesen besaßen einen charakteristischen Körperbau, für den es in der heutigen Tierwelt der Meere keine Entsprechungen mehr gibt: Sie besaßen vier paddelähnliche Gliedmaßen und ihr relativ kleiner Kopf saß am Ende eines extrem verlängerten und flexiblen Halses.

Die Indizien verdichten sich

Doch die Liste an möglichen Besonderheiten geht weiter: Es gab bereits Hinweise darauf, dass diese Tiere – wie möglicherweise auch andere Vertreter der Saurier – warmblütig (endotherm) waren. Es gilt allerdings noch immer nicht als abschließend geklärt, ob Warmblütigkeit im Laufe der Evolution nicht nur von den Säugetieren und den Vorfahren der Vögel „erfunden“ wurde. Die Vertreter dieser beiden heutigen Tiergruppen produzieren ihre Körperwärme unabhängig von der Temperatur ihrer Umgebung. Reptilien wie Schildkröten, Schlangen, Krokodile und Co betreiben hingegen keinen „inneren Ofen“ – sie sind wechselwarm: Ihre Körpertemperatur passt sich der Umgebung an. Das ist der Grund, warum beispielsweise Eidechsen morgens gern ein warmes Sonnenbad nehmen. Dies bringt sie auf die optimale Betriebstemperatur.

„Plesiosaurier weisen hingegen bestimmte Merkmale auf, die eigentlich für endotherme Tiere charakteristisch sind“, sagt Corinna Fleischle von der Universität Bonn. Ein Indiz ist ihre einstige Verbreitung auch in kalten Gewässern der Erde: „Sie kamen in verschiedenen Klimazonen vor und scheinen Brutpflege betrieben zu haben.“ Als ein weiterer Hinweis wurde bisher bereits ihr schnelles Wachstum gewertet, das sich in Wachstumsmarken in den fossilen Knochen abzeichnet. Fleischle und ihre Kollegen liefern nun weitere starke Belege dafür, dass Plesiosaurier warmblütige Wesen waren. Im Rahmen ihrer Studie haben sie fossile Knochen der Tiere erneut genau unter die Lupe genommen. Modernste Methoden kamen dabei zum Einsatz, die verlässlichere Ergebnis liefern als alle bisherigen Untersuchungen.

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Zeichen eines hochtourigen Stoffwechsels

„Unter dem Mikroskop waren unter anderem zahlreiche Kanäle zu erkennen, in denen damals die Blutgefäße verliefen“, berichtet Fleischle. Wie die Paläontologin erklärt, „deutet eine derart hohe Vaskularität auf Warmblütigkeit – Endothermie – hin.“ Durch Vergleiche
der Menge an Hohlräumen in den Plesiosaurier-Knochen mit der bei heutigen Tieren waren sogar Rückschlüsse auf die Stoffwechselraten der Meeresräuber möglich, berichten die Wissenschaftler. „Wir schätzen, dass dieser Wert bei den Plesiosauriern ähnlich hoch war wie heute bei Vögeln“, sagt Fleischle. Damit lief ihr Stoffwechsel möglicherweise sogar hochtouriger als der des Menschen – ein sehr deutlicher Hinweis darauf, dass die Tiere endotherm waren, resümieren die Wissenschaftler.

Möglicherweise war ihnen zufolge die Warmblütigkeit auch eines der Erfolgsgeheimnisse der Plesiosaurier bei ihrer ausgesprochen langen Entwicklungsgeschichte. Funden zufolge entstanden sie bereits vor 200 Millionen Jahren im Erdzeitalter des Trias. Während beim Massensterben am Ende dieser Ära 80 Prozent aller Tierarten ausstarben, paddelten sich diese Saurier hingegen erfolgreich ins Zeitalter des Jura und anschließend in die Kreidezeit. Das Aus brachte ihnen dann allerdings das berühmte Massenaussterben, dem unter anderem die Dinosaurier zum Opfer fielen. Auch die Warmblütigkeit, die sich nun immer deutlicher abzeichnet, konnte sie offenbar nicht vor den Folgen des Infernos vor 65 Millionen Jahren bewahren.

Quelle: Universität Bonn, PeerJ doi: 10.7717/peerj.4955

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