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Erde+Klima

Wikinger: Aus Grönland vertrieben durch steigende Fluten?

Wikingerhaus
Ähnliche Häuser wie dieses errichteten die Wikinger einst auch auf Grönland.(Bild: ManuelVelasco/ iStock)

Vor gut tausend Jahren erreichten die Wikinger Grönland und siedelten dort rund 400 Jahre lang – bis ein Klimawechsel zu tieferen Temperaturen sie zum Aufgeben zwangen. Neue Daten legen nun jedoch nahe, dass ein weiterer Effekt die Wikinger in die Flucht trieb: Weil die grönländischen Eismassen wuchsen, verursachten sie einen lokalen Meeresspiegelanstieg – und überschwemmten Äcker und Weiden der Wikingergehöfte.

Die Wikinger waren meisterhafte Seefahrer. In ihren relativ primitiven Booten überquerten sie dank einfacher Navigationshilfen wie Feldspatkristallen als „Sonnenkompass“ schon vor mehr als tausend Jahren den Atlantik. Als Erik der Rote im Jahr 985 aus Island verbannt wurde, segelte er bis nach Grönland und gründete dort eine erste Siedlung, weitere Wikinger folgten und besiedelten die Küsten Südgrönlands. Von ihrer Präsenz dort zeugen Relikte ihrer Bauten, aber auch Knochen und Gegenstände aus jener Zeit.

Rätsel um Exodus der Wikinger aus Grönland

Doch nach rund 400 Jahren endete die Ära der Wikinger auf Grönland. Anfang des 15. Jahrhunderts hatten nahezu alle Wikinger ihre Siedlungen verlassen. Der Grund für diese abrupte Aufgabe Grönlands ist jedoch bislang umstritten. Nach gängiger Theorie vertrieb ein Klimawechsel die Wikinger von der Rieseninsel, denn ihr Rückzug fällt zeitlich mit dem Beginn der „Kleinen Eiszeit“ zusammen – einer vor allem auf der Nordhalbkugel messbaren Abkühlung, die zu verregneten, kühlen Sommern und frostigen Wintern führte. In Europa und Nordamerika löste die Kleine Eiszeit Missernten und Hungersnöte aus.

Für die Wikinger im ohnehin eher kühlen Grönland hätte eine solche Abkühlung deutliche Folgen gehabt. Die Gletscher rückten vor, es wurde selbst im Sommer kaum warm genug für den Anbau von Pflanzen und das Meereis versperrte die freie Fahrt auf den Ozean. Ob sich die Kleine Eiszeit allerdings in dieser Form auch auf das grönländische Klima auswirkte und inwieweit auch sozioökonomische Faktoren für den Exodus der Wikinger eine Rolle spielten, ist umstritten. Um mehr Klarheit zu schaffen, haben Marisa Borreggine von der Harvard University und ihre Kollegen einen Unteraspekt des möglichen Klimawechsels näher untersucht: den lokalen Meeresspiegel. Mithilfe eines Computermodells ermittelten sie, welche Auswirkungen das Vorrücken der Gletscher auf den küstennahen Ozean gehabt hätte.

Pegel könnte um fünf Meter gestiegen sein

„Daten aus Gletschermorphologie und Paläoklimatologie deuten darauf hin, dass damals weite Teile des südgrönländischen Eisschilds wieder vorzurücken begannen und in der Kleien Eiszeit ihren Höhepunkt erreichten“, erklären die Wissenschaftler. „Dieses Vorrücken der Gletscher muss einen Anstieg des Meeresspiegels am Eisrand verursacht haben.“ Denn wie die Simulationen ergaben, bewirkt die zunehmende Eismasse zum einen eine Senkung des Untergrunds durch die höhere Auflast. Als Folge war die Küste anfälliger gegenüber Überflutungen. Zum anderen entfalteten die Gletscher eine Massenanziehung, die den Meeresspiegel lokal ansteigen ließ.

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Konkret ergaben die Modellierungen, dass das Meer entlang der Südküste Grönlands von Beginn der Wikingerbesiedlung bis zu ihrem Exodus um rund fünf Meter angestiegen sein muss. Dies reichte aus, um die Küstenregion hunderte Meter weit ins Landesinnere zu überfluten. Weil die Wikinger einen Großteil ihrer Felder und Weiden gerade in den flachen fruchtbaren Küstenebenen angelegt hatten, traf sie dieser Landverlust schwer. Nach Ansicht von Borreggine und ihren Kollegen trug dies zumindest dazu bei, dass die Wikinger ihre Siedlungen auf Grönland aufgaben und nach Skandinavien zurückkehrten.

Quelle: American Geophysical Union (AGU) Fall Meeting 2021; PP31C-07

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