Wird es den Bananen zu heiß? - wissenschaft.de
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Erde+Klima

Wird es den Bananen zu heiß?

Bananen
Wie wirkt sich der Klimawandel auf die Bananenernten aus? (Bild: Katjabakurova/ istock)

Klimaforscher prognostizieren schwere Zeiten für Landwirte. Denn die Erderwärmung wird wahrscheinlich zu messbaren Ernteeinbußen bei wichtigen Anbaupflanzen führen. Eine neue Studie zeigt nun, dass auch Bananenerzeuger von diesem Effekt betroffen sein könnten. Zumindest in einigen Ländern wird es den Bananenpflanzen demnach in Zukunft zu heiß und trocken – zu den Leidtragenden gehören ausgerechnet auch der weltweit größte Produzent Indien und das wichtige Erzeugerland Brasilien. Die gute Nachricht: Nicht in allen Regionen wirkt sich der Klimawandel negativ aus. So könnten unter anderem in Afrika die Bedingungen für den Bananenanbau sogar besser werden.

Die Banane gehört bei uns zu den am meisten verzehrten Früchten. Ihre natürliche Verpackung, ihre angenehme Süße sowie ihre sättigende Wirkung haben sie in den Industrienationen zu einem beliebten Snack gemacht. In vielen tropischen und subtropischen Ländern ist die Banane zudem ein wichtiges Grundnahrungsmittel und stellt als Exportfrucht einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar. „Angesichts der Wichtigkeit dieser Früchte ist es überraschend, wie wenig Bananen bisher in Abschätzungen zu den Auswirkungen des Klimawandels auf Nahrungsmittel und Ernährungssicherheit berücksichtigt wurden“, konstatieren Varun Varma und Daniel Bebber von der University of Exeter. Wird es durch die Erderwärmung bei der Bananenernte womöglich ähnliche Einbußen geben, wie es Experten unter anderem für Weizen, Mais oder Kaffee vorhersagen?

Um dies herauszufinden, haben die Wissenschaftler nun Daten zur Bananenproduktion in 27 Ländern ausgewertet. Diese Nationen sorgen für 86 Prozent der weltweiten Produktion und beherbergen 80 Prozent der globalen Anbauflächen. Für ihre Studie kombinierten Varma und Bebber Informationen zu den Erträgen der vergangenen Jahre mit Daten zu jährlichen Durchschnittstemperaturen und -niederschlägen. Unter welchen Bedingungen konnten in den jeweiligen Regionen besonders viele Früchte geerntet werden? Auf Basis dieser Ergebnisse sowie Informationen zur Physiologie der Banane entwickelte das Forscherteam schließlich Modelle, die den Effekt klimatischer Veränderungen auf den Bananenertrag abbilden.

Verlierer und Gewinner

Die Ergebnisse zeigten: Die jährlichen Ernten haben sich zwischen 1961 und 2016 insgesamt gesteigert – um durchschnittlich 1,37 Tonnen pro Hektar. „Dieser Effekt scheint hauptsächlich durch steigende Temperaturen angetrieben worden zu sein“, erklären Varma und Bebber. „Länder, in denen die Erwärmung zu idealeren Temperaturen geführt hat, konnten Produktivitätssteigerungen verzeichnen. Wo die Temperaturen das regionale Optimum überschritten, kam es dagegen zu Ernteeinbußen.“ Letzteres trifft den Auswertungen zufolge auf vier der untersuchten Länder zu – künftig jedoch könnte sich der Klimawandel in mehr bananenproduzierenden Nationen negativ auswirken, wie die Prognosen nahelegen.

Für ihren Blick in die Zukunft nutzten die Wissenschaftler das Klimaszenario einer ungebremsten Erwärmung (RCP 8.5) sowie eines, in dem Klimaschutz zumindest für eine Abmilderung der Erwärmung sorgt (RCP 4.5). Dabei ergaben die Modellsimulationen: Schon bei der vergleichsweise moderaten Erwärmung wird es in zehn Ländern im Laufe der nächsten drei Jahrzehnte zu signifikanten Ernterückgängen kommen. Betroffen sind demnach wichtige Bananen-Exporteure wie Kolumbien und Costa Rica. Auch für Indien und Brasilien – den größten und viertgrößten Produzenten – sagt das Modell deutliche Einbußen vorher. Andere Länder könnten dagegen von dem Fortschreiten des Klimawandels profitieren. Dazu gehören unter anderem einige afrikanische Staaten und Ecuador, der Exportweltmeister in Sachen Bananen.

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Nicht die einzige Bedrohung

„Unsere Vorhersagen enthüllen, dass sich positive Effekte des Klimawandels auf die globalen Bananenerträge zwar auch in Zukunft zeigen werden, doch in deutlich geringerem Ausmaß“, berichten die Forscher. Insgesamt könnten die Erntesteigerungen bis 2050 demnach im Vergleich auf 0,59 (RCP 4.5) oder sogar 0,19 Tonnen (RCP 8.5) pro Hektar zurückfallen. Wie Varma und Bebber betonen, zeigen diese Zahlen jedoch nur einen Teil des Bildes. Denn sie basieren auf durchschnittlichen Klimaveränderungen. „Andere klimawandelbedingte Bedrohungen wie die Zunahme von Wetterextremen sind noch nicht mitberücksichtigt“, erklären sie.

Klar scheint: Viele wichtige Anbauländer müssen sich in Zukunft auf spürbare Veränderungen einstellen. „Es wird in den kommenden Jahren Gewinner und Verlierer geben“, sagt Bebber. Die Forscher hoffen, dass die nun als anfällig identifizierten Länder reagieren und zum Beispiel in Bewässerungstechnik und andere Maßnahmen investieren. „Es ist unerlässlich, dass wir die tropische Landwirtschaft auf die künftigen Klimaänderungen vorbereiten“, schließt Bebber. Hitze und Trockenheit werden dabei allerdings wohl nicht die einzige Herausforderung der Zukunft sein. Denn auch ein gefährlicher Pilz der Gattung Fusarium aus Südostasien bedroht die Banane. Der Krankheitserreger breitet sich seit den 1990er Jahren immer weiter aus und befällt inzwischen auch Früchte in Ostafrika und Mittelamerika.

Quelle: Varun Varma und Daniel Bebber (University of Exeter), Nature Climate Change, doi: 10.1038/s41558-019-0559-9

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