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Erde|Umwelt

1 : 0 für die Schimpansen

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Schimpansen: gewitzt im Labyrinth (thinkstock)
Schimpansen gelten uns oft als geistig unterlegen, in vielen Tests schneiden sie in etwa so gut ab wie menschliche Kleinkinder. Aber es gibt eine Ausnahme, wie US-Forscher jetzt herausfanden: Wenn es um die räumliche Orientierung geht, haben die Menschenaffen sogar die Nase vorn. In komplexen virtuellen Labyrinthen mit Landmarken wählten sie die effektivste Strategie und kamen damit schneller ans Ziel als menschliche Kinder und selbst manche Erwachsene.

Unsere nächsten Verwandten, die Schimpansen, sind uns in vieler Hinsicht ähnlich: Sie haben ein komplexes Sozialverhalten, nutzen Werkzeuge, lernen ähnlich wie menschliche Kinder und verfallen sogar in eine Midlife-Crisis. In einigen Punkten allerdings bleibt ihre geistige Entwicklung auf dem Niveau menschlicher Kleinkinder stehen. So scheinen menschliche Kinder besser mit anderen zu kooperieren und uneigennützig zu teilen. In einer anderen Fähigkeit aber herrscht bisher noch kaum Klarheit: der räumlichen Orientierung. Sowohl unsere Vorfahren als auch die Menschenaffen mussten sich bei der Nahrungssuche in ihrer Umgebung gut zurechtfinden und sich beispielsweise ergiebige Futterplätze merken können.

Virtuelle Labyrinthe als Orientierungstest

Welche Spezies aber eine bessere räumliche Intelligenz und Lernfähigkeit besitzt, konnte bisher schlecht untersucht werden, wie Francine Dolins von der University of Michigan-Dearborn und ihre Kollegen erklären. Denn im Freiland lässt sich das nur schlecht beobachten und in Gefangenschaft ist zu wenig Platz für ausgedehnte Orientierungstests. Deshalb überlegten sich die Forscher eine andere Strategie: virtuelle Labyrinthe. Für ihre Studie ließen sie vier ausgewachsene Schimpansen, zwölf Kinder verschiedenen Alters und vier Erwachsene in einem Orientierungstest gegeneinander antreten. Alle Probanden mussten durch drei unterschiedlich komplexe virtuelle Labyrinthe navigieren, um das Ziel zu finden. Das einfachste Labyrinth bestand aus einer einfachen T-Verzweigung, das komplexeste enthielt viele Abzweigungen und zusätzlich Sichtbarrieren. Zwei verschiedene Landmarken – ein blaues Rechteck und ein braunes Dreieck – signalisierten dabei jeweils, ob die Richtung auf das Ziel zu oder von ihm weg führt.

Das Ergebnis für die menschlichen Probanden war zunächst wenig überraschend: Währen die Erwachsenen und älteren Kinder alle Aufgaben lösten, hatten die jüngeren Kinder größere Schwierigkeiten, je komplexer das Labyrinth wurde. Nur zwei der der acht Drei- bis Sechsjährigen schafften es, das komplexeste Labyrinth zu lösen. „Das deutet darauf hin, dass sie Richtungsindizien und Landmarken noch nicht so viel Aufmerksamkeit schenken“, konstatieren die Forscher. Doch gerade diese seien in einer so komplexen Umgebung entscheidend, um das Ziel zu finden. Bei den Schimpansen verhielt es sich ähnlich. Auch sie scheiterten mit zunehmender Komplexität der Aufgabe häufiger. „Das deutet daraufhin, dass Schimpansen und Menschen auf ähnliche Weise lernen, sich in einer virtuellen Umgebung zurechtzufinden“, sagen Dolins und ihre Kollegen.

Affendame Panzee lässt fast alle hinter sich

Überraschend aber war die Leistung einer Schimpansendame: Das Weibchen Panzee ließ alle Kinder weit hinter sich und absolvierte mit Bravour selbst die komplexesten Labyrinthe. „Wenn sie eine negative Landmarke sah, drehte sie sofort um und suchte in der anderen Richtung weiter“, beschreiben die Forscher ihr Vorgehen. Im einfachen T-Labyrinth machte sie dadurch nicht einen einzigen Fehler, sie schnitt insgesamt als Drittbeste ab – menschliche Erwachsene einschlossen. Die komplexen Orientierungsaufgaben löste sie ebenso gut wie die menschlichen Erwachsenen. Sie nutzte dabei die effektivste mögliche Suchstrategie und damit eine, die außer ihr nur zwei der vier Erwachsenen für sich entdeckten.

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„Damit war überraschenderweise bei den komplexesten Labyrinthen die menschliche Leistung sogar weniger akkurat als die der Schimpansendame“, konstatiert Dolins. In puncto Orientierung und räumlichem Lernen stehen uns unsere nächsten Verwandten daher offenbar in Nichts nach. Ganz im Gegenteil: Wer seinen Weg verliert, sollte sich vielleicht sogar eher einem Schimpansen als Führer anvertrauen als einem Kind – die Aussicht, das Ziel zu erreichen könnte dann größer sein.

Quelle:

© wissenschaft.de – Nadja Podbregar
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