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Erde|Umwelt

Affe mit Kuh-Manieren

Ein internationales Forscherteam hat ein bisher unbekanntes Verhalten bei Nasenaffen in Malaysia gefilmt: Die Primaten würgten gefressene Blätter und Früchte wieder hoch, kauten sie erneut und schluckten sie wieder herunter. Auf diese Weise verzehren auch Wiederkäuer wie beispielsweise Kühe ihre Nahrung – bei Affen war dieses Verhalten jedoch noch nie zuvor beobachtet worden. Wenn ein Affe wiederkäute, fraß er an dem jeweiligen Tag länger und daher offenbar auch mehr als an anderen Tagen, schlussfolgern die Wissenschaftler. Die Tiere können daher möglicherweise mehr Futter aufnehmen, wenn sie den Pflanzenbrei durch das doppelte Kauen stärker zerkleinern, vermuten Ikki Matsuda von der Kyoto University und seine Kollegen.

Im Gegensatz zu Pferden oder Kaninchen, die ihre Nahrung im Dickdarm verdauen, gehören die Nasenaffen, benannt nach den gurkenartigen Nasen der Männchen, zu den Vormagen-Verdauern: Sie lassen ihre Nahrung vor der eigentlichen Verdauung in einem dem Verdauungstrakt vorgeschalteten Organ gären. Schlingen sie zu viele Pflanzen hinunter, fließt der Nahrungsbrei jedoch zu schnell durch diesen Vormagen, und Ballaststoffe können nicht ausreichend verdaut werden. Dadurch sind die Tiere gezwungen, sich beim Fressen stets zu zügeln. Wiederkäuer lösen das Vormagen-Problem, indem sie die Nahrung immer wieder hochwürgen und mehrmals intensiv zerkleinern. So können sie größere Futtermengen zu sich nehmen. Primaten verdauen Pflanzen zwar auf sehr unterschiedliche Weise, und einige von ihnen verfügen auch über einen Vormagen. Dass sie zerkaute Nahrung hochwürgen und wiederkäuen, hatten Wissenschaftler bisher jedoch noch nicht berichtet.

Das Phänomen erstmals zu dokumentieren, gelang der Gruppe um Ikki Matsuda auf zwei Expeditionen nach Malaysia: Von einem Boot aus beobachteten und filmten die Wissenschaftler die Affen in den ufernahen Bäumen. Während ihrer ersten dreimonatigen Exkursion entdeckten die Wissenschaftler bei 23 von knapp 200 Nasenaffen mindestens einmal, dass diese gefressenes Laub hochwürgten und erneut zerkleinerten. Sowohl erwachsene Affenmännchen und -weibchen als auch heranwachsende Tiere zeigten dieses Verhalten.

In einer zweiten Expedition maß das Team zusätzlich die Zeit, die die Affen mit Fressen verbrachten. Diesmal zeigte jedoch nur ein erwachsenes Affenmännchen von sechzehn beobachteten Primaten das wiederkäuende Verhalten. Bei ihm stellten die Primatenexperten fest, dass der Nasenaffe an den Tagen, an denen er Pflanzen wiederkäute, mehr Zeit mit Fressen verbrachte. Matsuda und seine Kollegen nehmen daher an, dass das Verhalten auch bei den Nasenaffen dazu dient, mehr Futter aufnehmen zu können. In welchen Situationen die Nasenaffen das Wiederkäuen nutzen und ob auch andere Primaten manchmal wiederkäuen, wollen die Forscher nun genauer untersuchen. Da sie das Wiederkäuen bisher nur bei Nasenaffen in Malaysia beobachten, ist auch noch nicht ausgeschlossen, dass es sich um eine regionale Tradition handelt.

Ikki Matsuda (Kyoto University) et al: Biology Letters, doi: 10.1098/rsbl.2011.0197 dapd/wissenschaft.de – Hanna Drimalla
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