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Erde|Umwelt

Arbeitsvermittlung mit Biss

Feldwespen haben eine sehr rabiate Art, Artgenossinnen neue Aufgaben zuzuteilen: Sie beißen die potenziellen Bewerberinnen so lange, bis diese einen ungeliebten Job übernehmen. Das hat ein amerikanischer Biologe entdeckt, als er mehrere Feldwespenvölker in Costa Rica beobachtete. Fehlen dem Volk beispielsweise Arbeiterinnen für die Futtersuche, rekrutieren die zuständigen Wespen durch wiederholtes Anknabbern ausgewählter Artgenossinnen neue Arbeiterinnen für diese Aufgabe. Wer wen beißen darf und wie die Gebissenen ausgewählt werden, kann der Wissenschaftler allerdings noch nicht sagen.

Bei staatenbildenden Insekten, zu denen auch die Feldwespen gehören, hat jede Arbeiterin klar definierte Aufgaben: Einige kümmern sich um die Brutpflege, andere sind für die Verteidigung des Nests zuständig und wieder andere sorgen für den regelmäßigen Nachschub an Futter und Baumaterialien. Wer wofür verantwortlich ist, ändert sich dabei im Laufe eines Wespenlebens. So bleibt eine Arbeiterin bei der von dem Biologen Sean O´Donnell von der Universität von Washington beobachteten Feldwespenart Polybia occidentalis in ihrer Jugend beispielsweise hauptsächlich im Nest. Erst später beginnt sie, auf der Oberfläche des Baus zu arbeiten, wo sie unter anderem für den Bau oder die Annahme von Baumaterial eingeteilt wird. Auf Nahrungssuche begeben sich schließlich nur die älteren, erfahreneren Individuen.

Manchmal ändern sich allerdings die Bedingungen innerhalb des Nests, und dann ist es nötig, die Aufgaben neu zu verteilen. Um zu untersuchen, wie eine solche Neuordnung bei P. occidentalis geregelt wird, fing O´Donnell bei insgesamt vier Völkern die Arbeiterinnen ein, die für die Futtersuche zuständig waren. Als er anschließend die von Nachschub abgeschnittenen Tiere beobachtete, entdeckte er, dass die Wespen offenbar mithilfe von Bissen neue Futtersammler rekrutierten: Bestimmte Wespen begannen, einige Artgenossinnen wiederholt zu beißen ? und zwar diejenigen, die bis dahin das Nest nicht verlassen hatten. In manchen Fällen stieg die Anzahl dieser Bisse im Vergleich zum ursprünglichen Zustand dabei um 600 Prozent, berichtet der Biologe.

Die bissigen Befehle wirkten zwar nicht in jedem Fall sofort, berichtet O´Donnell. Je häufiger ein Tier jedoch gebissen wurde, desto größer war die Wahrscheinlichkeit, dass es anschließend den Stock verließ und sich auf die Futtersuche begab. Das Beißen erfüllt demnach bei den Feldwespen die Funktion, die bei anderen Tieren chemische Signale, bestimmte Bewegungen oder auch Laute haben. In weiteren Studien will der Biologe nun herausfinden, was die beißenden Insekten von den anderen unterscheidet und wie sie die potenziellen Futtersammler erkennen.

Sean O´Donnell ( Universität von Washington, Seattle): Animal Behaviour, Bd. 71, S. 709 ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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