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Wildtiere

Artenschutz: Schatten und Lichtblicke 2021

Die Kraniche Deutschlands gehören dem WWF zufolge zu den Verlierern des vergangenen Jahres. (Bild: mauribo/iStock)

Tierische Gewinner und Verlierer im Rampenlicht: Erneut macht die Umweltorganisation WWF mit seiner jährlichen Bilanz auf die „katastrophale Zuspitzung des weltweiten Artensterbens“ aufmerksam. Stellvertretend für tausende bedrohte Tiere hebt der WWF dabei einige Arten hervor, denen es im vergangenen Jahr schlecht ergangen ist. Anhand von Erfolgsbeispielen zeigen die Naturschützer allerdings auch auf, dass sich der Einsatz für den Erhalt der Artenvielfalt lohnt.

Lebensraumverlust, Ausbeutung und Klimawandel: Der Mensch ist für die Artenvielfalt der Erde die größte Katastrophe seit der Aussterbewelle am Ende der Dinosaurierzeit, schreibt der WWF. Der Umweltschutzorganisation zufolge hat das vergangene Jahr dies erneut verdeutlicht, denn wieder ist die Zahl der als bedroht geltenden Spezies angewachsen: Von den mehr als 142.500 in der Internationalen Roten Liste erfassten Tier- und Pflanzenarten befinden sich nun über 40.000 in Bedrohungskategorien. „Beim Artenschutz geht es längst nicht mehr nur um die Beseitigung eines Umweltproblems“, sagt Eberhard Brandes vom WWF Deutschland. „Ist die Erde krank, werden es auch die Menschen. Denn wir sind für unser eigenes sicheres und gesundes Leben auf vitale Ökosysteme und Artenvielfalt angewiesen – etwa beim Kampf gegen die Klimakrise“. Um dem bedrohlichen Trend „Gesichter“ zu geben, hebt der WWF nun einige traurige Beispiel des Jahres 2021 speziell hervor.

Verlierer im Blick

Waldelefanten (Loxodonta cyclotis): Im vergangenen Jahr wurden die kleinen Cousins des Afrikanischen Elefanten erstmals in die Kategorie „vom Aussterben bedroht“ eingeordnet. Dies ist das Resultat eines drastischen Niedergangs in den letzten 31 Jahren: Die Bestände brachen um mehr als 86 Prozent ein. Wie der WWF hervorhebt, hat der Verlust der Dickhäuter auch eine weitreichende Bedeutung: Sie sind die „Gärtner des Waldes“ und spielen dadurch eine entscheidende Rolle für die Ökosysteme und damit letztlich auch für den Klimaschutz.

Haie und Rochen: Ein Drittel aller Arten dieser Knorpelfische werden in der Internationalen Roten Liste seit dem vergangenen Jahr als bedroht eingestuft. Als Hautursache für den Rückgang der Bestände gilt die Überfischung, aber auch der Lebensraumverlust und der Klimawandel machen diesen ökologisch wichtigen Räubern der Meere zu schaffen.

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Eisbären (Ursus maritimus): Als das wohl eindrucksvollste Symboltier für die Bedrohungen durch den Klimawandel, rückt der WWF erneut die weißen Promis des Nordens ins Rampenlicht. Wie neue Daten verdeutlichten, verläuft die Klimaerwärmung in ihrem arktischen Lebensraum dreimal so schnell wie im globalen Durchschnitt. 2035 könnte der arktische Ozean demnach erstmalig im Sommer sein Eis komplett verlieren. Da es eine buchstäbliche Lebensgrundlage für die Eisbären darstellt, könnten bis 2100 die meisten Populationen zusammenbrechen.

Grauer Kranich (Grus grus): Bereits früher wäre unser größter heimischer Vogel einmal beinahe in Deutschland ausgestorben – nach zwischenzeitlichen Erfolgen sieht nun die Zukunft für den Kranich erneut düster aus: 2021 wuchsen in Deutschland zu wenige Jungvögel auf, um die Population langfristig zu sichern. Der Grund: Das Insektensterben führt zu Nahrungsengpässen für die Küken und durch den Klimawandel fallen in Deutschland immer häufiger die Brutgebiete trocken.

Europäischer Laubfrosch (Hyla arborea): Der als „Wetterfrosch“ bekannte grüne Lurch steht stellvertretend für den Niedergang der Amphibien. Laut der Roten Liste Deutschland 2021 ist jede zweite der heimischen Amphibienarten in ihrem Bestand gefährdet. Durch die Ausbreitung der Kulturlandschaft verlieren sie vielerorts ihr Zuhause und Straßen und Autobahnen werden zu Todesfallen. Nur der konsequente Schutz der letzten Rückzugsorte dieser Arten kann sie zukünftig erhalten.

Edle Steckmuschel (Pinna nobilis): Die mit bis zu 90 Zentimetern größte im Mittelmeer lebende Muschel ist einem aktuellen WWF-Report zufolge in manchen europäischen Küstenregionen fast komplett verschwunden. Die Ursache ist ein Parasit, der sich mit warmen Strömungen ausbreitet. Im Zuge des Klimawandels könnte sich der Verlust deshalb auch in anderen Gegenden des Mittelmeers fortsetzen, so die Befürchtung.

Dorsch und Co: Mit zahlreichen Fischarten geht es bergab, hat das letzte Jahr gezeigt. So kam es etwa in der westlichen Ostsee zu einer regelrechten Dorsch-Apokalypse. Offenbar war der Kipppunkt überschritten, nachdem sich dieser Fisch durch die langjährige Überfischung und die Klimafolgen nicht mehr erholen kann. Auch wanderndenFischarten erging es schlecht. Es wurde deutlich: Durch die verschiedenen menschengemachten Beeinträchtigungen wie Wasserkraftanlagen sind die Bestände der europäischen Wanderfische seit 1970 um 93 Prozent eingebrochen.

Lichtblicke 2021

Trotz des düsteren Gesamtbildes, gab es allerdings auch Erfolge im Kampf gegen den Verlust von Tierarten, wie der WWF in seiner Jahresbilanz berichtet.

2021 war erneut ein gutes Jahre für das Comeback des Iberischen Luchs. (Bild: jgaunion/iStock)

Beispiel Iberischer Luchs (Lynx pardinus): Es zeichnet sich ein erfolgreiches Comeback für die fast ausgestorbenen Katzen ab. Eine aktuelle Zählung ergab, dass sich der Bestand in Spanien und Portugal in den vergangenen 18 Jahren mit nun 1111 Tieren mehr als verzehnfacht hat. Auch sein Verwandter, der Eurasische Luchs, entwickelt sich vielversprechend: In Deutschland leben mittlerweile wieder etwa 130 Erwachsene und 59 Jungtiere.

Panzernashorn (Rhinoceros unicornis): Die langjährigen Bemühungen zum Schutz der eindrucksvollen Tiere in Nepal scheinen sich ausgezahlt zu haben. Der Bestand ist im Vergleich zur letzten Schätzung 2015 um 16 Prozent gewachsen und hat sich seit der ersten Zählung 2005 fast verdoppelt. Die Panzernashörner fielen in der Vergangenheit vor allem dem Lebensraumverlust und der Jagd auf ihr Horn zum Opfer.

Großtrappe (Otis tarda): Die Bestände dieses bis zu 17 Kilogramm schweren, aber dennoch flugfähigen Vogels sind in Deutschland auf dem höchsten Stand seit 40 Jahren: 2021 konnten wieder 347 Tiere in Brandenburg und Sachsen-Anhalt gezählt werden. Dies gibt Hoffnung auf ein Überleben der Art, die durch intensive Landwirtschaft in vielen Ländern ausgestorben oder akut bedroht ist.

Siam-Krokodil (Crocodylus siamensis): Im September 2021 glückte einem Forscherteam ein sensationeller Fund: In Ost-Kambodscha stießen sie auf acht Jungtiere des Siam-Krokodils. Das Besondere ist dabei: Seit über zehn Jahren waren aus dieser Region keine Nachkommen dieser vom Aussterben bedrohten Süßwasserkrokodile mehr bekannt.

Bartgeier (Gypaetus barbatus): Seit dreißig Jahren bemühen sich Tierschützer in einem internationalen Wiederansiedlungsprogramm um das Comeback der majestätischen Greifvögel im Alpenraum. 2021 war dabei ein ausgesprochenes Erfolgsjahr: Sechs Junggeier wurden erfolgreich ausgewildert. Damit fliegen nun wieder rund 300 Bartgeier durch die Gebirgslandschaften.

Der WWF will mit diesen Positivbeispielen verdeutlichen, dass es Chancen für den Artenschutz gibt, wenn sich Menschen konsequent einsetzen: „Wenn wir wirkungsvolle Naturschutzmaßnahmen umsetzen, können wir Pflanzen, Tiere und schließlich auch das Klima schützen“, sagt Brandes abschließend.

Quelle: WWF World Wide Fund For Nature

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