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Erde|Umwelt

Auslese: Was Forscher diese Woche sonst noch entdeckt haben

Wildtiere sind auf Weideflächen nicht gern gesehen: Besonders in Afrika gelten Zebra und Co als Nahrungskonkurrenten, die Rindern das Gras wegfressen und damit die Fleischproduktion mindern. Eine Studie zeigt nun allerdings, dass unter bestimmten Umständen das Gegenteil der Fall sein kann: In der Regenzeit verbessern Wildtiere die Qualität des Grases, wovon das Vieh profitiert. Das haben Forscher um Wilfred Odadi vom Mpala Research Centre in Nanyuki in Kenia herausgefunden. Die Ursache für den positiven Effekt sehen die Forscher in der gesteigerten Qualität des Viehfutters: Wenn es ausreichend regnet, wächst Gras sehr schnell und bildet faserige Halme, die Nutztiere schlecht verwerten können. Wildtiere sind dagegen an dieses zähe Futter angepasst und fressen die langen Halme ab. Dadurch kommt das Weidevieh wiederum leichter an das junge, zarte Gras heran, erklären die Forscher. Der Gewichtsvergleich von Rindern, die Seite an Seite mit Zebras grasten mit Weidevieh ohne wilde Nachbarn belegte den erhöhten Fleischzuwachs im Zusammenhang mit den vermeintlichen Nahrungskonkurrenten. Konkurrenz ums Futter gibt es also nur in der trockenen Jahreszeit, so die Wissenschaftler. (Wilfred Odadi, Mpala Research Centre in Nanyuki, et al.: Science, doi:10.1126/science.1208468)

Von friedlich grasenden Weidetieren schwenken wir nun auf die scharfen Klauen von Raubsauriern. Die konnten offenbar auch mit einem Knochenbruch am Fuß noch überleben, wie der Fund eines Fossils aus den USA jetzt belegt. Der etwa 40 Kilogramm schwere Saurier namens Talos sampsoni gehörte zu einer Gruppe vogelartiger Saurier, die mit den bekannten Velociraptoren aus den Jurassic Park Filmen verwandt waren. Das Tier war vermutlich sehr flink und ging ähnlich wie manche Vögel auf seinen drei nach vorne gestreckten Zehen. Wie sein prominenter Cousin trug auch Talos sampsoni an der zweiten Zehe eine übergroße, messerscharfe Kralle. Genau dieser Zeh zeigte bei dem nun untersuchten Fossil Anzeichen einer schweren Verletzung. Der Zeh müsse gebrochen gewesen sein, war dann aber unter Anzeichen einer Entzündung über Wochen oder Monate wieder verheilt, sagen die Wissenschaftler um Lindsay Zanno von der Universität von Wisconsin.“Eine solche Verletzung ist ein Glücksfall für die Wissenschaft“, sagt die Paläontologin.“Sie verrät uns etwas aus dem Leben dieses Tieres.? In diesem Fall lässt sich aus der Verletzung schließen, dass der glücklose Saurier über Wochen hinweg die linke Klaue nicht benutzen konnte, aber trotzdem überlebte. Daraus ergeben sich spannende Erklärungsmöglichkeiten, denen nun Wissenschaftler weiter nachgehen können: Vielleicht konnte das Tier mit nur einem Fuß jagen, möglicherweise wurde es von seinem Rudel versorgt, oder aber es konnte auf Pflanzennahrung ausweichen, weil es sich um einen Allesfresser handelte. (Lindsay Zanno von der Universität von Wisconsin et al.: PLoS One, doi:10.1371/journal.pone.0024487)

Auch der Mensch ist ja ein Allesfresser – in vielen Fällen aber unglücklicherweise auch ein Viel-Esser – mit pfundigen Folgen. Wie Übergewichtige den Anblick von leckeren Speisen wahrnehmen, damit haben sich nun US-Forscher auseinandergesetzt. Ihren Untersuchungen zufolge sehen Dicke Nahrungsmittel auch dann noch mit gierigen Augen, wenn sie bereits satt sind. Diese Bremse ist bei den Übergewichtigen also zum Teil außer Kraft gesetzt, zeigen die Untersuchungen der Forscher um Robert Sherwin von der Yale School of Medicine. Der Zusammenhang wurde besonders deutlich, wenn die fülligen Probanden Bilder deftiger Nahrung betrachteten – beispielsweise Pizza, Pommes, Chips oder Eis. Die Normalgewichtigen Studienteilnehmer waren bei hohem Blutzuckerspiegel für diese Reize dagegen kaum empfänglich. Normalerweise funktioniert die Regulation so: Nach einer Mahlzeit steigt das Energieangebot für das Gehirn, dann wendet es sich anderen Interessen zu und das Essen verliert an Anziehungskraft, erklären die Forscher. Dieses System ist bei manchen Menschen offenbar aus dem Lot geraten. Der Effekt fällt vor allem in den reichen Ländern der Erde im wahrsten Sinne des Wortes ins Gewicht ? die Weltgesundheitsorganisation WHO spricht aktuell sogar von einer Fett-Epidemie, die die Gesundheit von Millionen Menschen zunehmend bedrohe. (Robert Sherwin von der Yale School of Medicine et al.: Journal of Clinical Investigation, doi: 10.1172/JCI57873.)

Mit einem Gedanken an eine Portion fettiger Calamari Fritti geht es nun zum nächsten Thema – bisexuelle Tiefsee-Kalmare: Die Tintenfische begatten gerne mal beide Geschlechter, wie ein US-Forscher nun dokumentieren konnten. Die Erklärung von Henk-Jan Hoving vom Monterey Bay Aquarium Research Institute in Moss Landing lautet: Tintenfische können in der Finsternis der Ozeane nicht feststellen, ob sie eine Partnerin oder einen männlichen Artgenossen in ihren acht Armen halten, deshalb begatten sie einfach alle. Der Biologe hat Filmaufnahmen ausgewertet, die von ferngesteuerten Tauchgeräten in den Tiefen vor der kalifornischen Küste stammen. Auf den Filmen erschienen liebeshungrige Tiefsee-Kalmare der Art Octopoteuthis deletron. Von den 39 erkennbaren Tieren waren 19 weiblich und 20 männlich. Auf neun Männchen und zehn Weibchen konnte man bei genauer Betrachtung deutlich Spermaspuren erkennen, die von kürzlichen Paarungsversuchen eines Männchens herrührten. Diese hatten also die Paarung sowohl mit Männchen als auch mit Weibchen versucht. Diese Methode könnte angesichts der Lebensbedingungen in der Tiefe Sinn machen, weil die Kosten des Verlusts von Sperma vermutlich geringer sind als der Aufwand, es unbedingt an das weibliche Ziel zu bringen, sagt Hoving. Dem Biologen fehlt es bei seinem Forschungsgebiet offenbar auch nicht an Humor ? er gab seiner Studie den schlüpfrigen Titel: „A Shot In The Dark“, zu deutsch ?Ein Schuss im Dunkeln?. (Henk-Jan Hoving vom Monterey Bay Aquarium Research Institute in Moss Landing: Biology Letters, doi: 10.1098/rsbl.2011.0680)

Mit den Weichtieren, zu denen die Tintenfische ebenfalls gehören, haben sich auch deutsche Forscher aktuell befasst. In Zusammenarbeit mit Kollegen aus den USA und Norwegen haben Wissenschaftler der Johannes Gutenberg-Universität Mainz die Verwandtschaftsbeziehungen dieser Tiergruppe untersucht, die heute mehr als 100.000 Arten umfassen. Sie konnten dabei vor allem zeigen, dass Schnecken und Muscheln stammesgeschichtliche Geschwister sind. Bisher war umstritten, wie die einzelnen Gruppen der Weichtiere miteinander verwandt sind und wie ihre Evolution verlaufen ist. Durch Erbgutanalysen haben die Wissenschaftler einen umfangreichen Stammbaum der Weichtiere erstellt. Die Untersuchungen bestätigen eine Hypothese, wonach sich die Mollusken in zwei hauptsächliche Unterstämme aufteilen: Die Schalenweichtiere (Conchifera) und die Stachelweichtiere (Aculifera). Tintenfische gehören dabei ebenfalls zu den schalentragenden Conchifera wie Muscheln und Schnecken. Ein bekannter Vertreter der Tintenfische ? der Nautilus oder Perlboot genannt ? trägt beispielsweise noch immer eine Schale, während sie bei anderen Vertretern stark reduziert oder verinnerlicht ist. Als ein unerwartetes Ergebnis fanden die beteiligten Forscher, dass Schnecken am engsten mit den Muscheln verwandt, sozusagen Geschwister sind, entgegen der früheren Annahme, dass Schnecken und Tintenfische – die Gruppen mit dem am höchsten entwickelten Kopf und „Gehirn“ – einander nahe stehen. Die Ergebnisse tragen nun dazu bei, wichtige Fossilienfunde – Mollusken gehören zu den häufigsten und am besten erhaltenen Fossilien überhaupt – einzuordnen und eventuell neu zu bewerten und damit die frühe Entwicklung dieses Tierstammes zu verstehen, sagen die Wissenschaftler. (Kevin Kocot, Auburn University, Alabama et al.: Nature, doi:10.1038/nature10382)

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Ka|li|um|chlo|rat  〈[–klo–] n. 11; unz.; Chem.〉 in Zündholzköpfen u. Feuerwerkskörpern verwendetes Oxidationsmittel, chlorsaures Kalium

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