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Bei Alzheimer kann man die Nervenisolation vergessen

Möglicherweise spielt die Isolationsschicht um die Nervenzellen im Gehirn eine wichtigere Rolle bei der Alzheimerentstehung als bisher angenommen. Nach der Theorie eines amerikanischen Wissenschaftlers verursacht der natürliche Abbau dieser Isolationsschicht im Alter die typische Altersdemenz. Wird dieser Zerstörungsprozess jedoch durch äußere oder auch genetische Faktoren beschleunigt oder verstärkt, sind Krankheiten wie Alzheimer die Folge. Der Neurowissenschaftler stellt sein Gedankenmodell in der Fachzeitschrift Neurobiology of Aging vor (Bd. 25, S. 5).

George Bartzokis von der Universität von Kalifornien in Los Angeles vergleicht das Gehirn mit dem Internet, wo die Qualität der Verbindungen Geschwindigkeit, Zuverlässigkeit und Kapazität der Informationsübertragungen bestimmt. Wichtigstes Kriterium für die Qualität einer Nervenverbindung im Gehirn ist die so genannte Myelinschicht, die die Nervenzellen umgibt wie eine Isolationsschicht ein Kabel. Mit fortschreitendem Alter wird diese Schicht an immer mehr Stellen im Netzwerk zerstört. Die Folge: Die Informationsübertragung erfolgt langsamer und komplizierte Vorgänge, bei denen verschiedene Signale gleichzeitig zusammenlaufen müssen, sind nicht mehr möglich.

Wird nun die Myelinzerstörung durch Medikamenteneinnahme, ungesunde Ernährung, Umweltbelastungen, genetische Veranlagung oder andere Faktoren beschleunigt, verstärken sich auch die Fehler bei der Signalweiterleitung im Gehirn. Das kann beispielsweise Vergesslichkeit verursachen, zur Zusammenlagerung bestimmter Proteine und damit den typischen Alzheimer-Plaques führen oder auch andere Demenzerkrankungen auslösen, meint Bartzokis. Dabei verlaufe der Abbau der Isolationsschicht genau umgekehrt wie ihr Aufbau: Die Nervenverbindungen, die während der Gehirnentwicklung als letzte gebildet und mit der Myelinschicht umgeben worden sind, werden als erste zerstört.

Nach Bartzokis Ansicht erklärt dieses Modell, warum bei Alzheimer zuerst komplexe Gedankenverbindungen und der Aufbau neuer Erinnerungen unmöglich werden, da die dafür benötigten Verbindungen erst spät entstehen. Dagegen seien grundlegende Fähigkeiten wie Sprache oder Bewegung erst in einem sehr späten Stadium betroffen, da sich die entsprechende Vernetzung schon bei kleinen Kindern bilde. Der Neurowissenschaftler empfiehlt, Alzheimer nicht erst dann zu bekämpfen, wenn sich die Schäden bereits zeigen, sondern durch cholesterinsenkende oder entzündungshemmende Mittel, gesunde Ernährung und möglicherweise Hormontherapien dem Abbau des Myelins vorbeugend entgegen zu wirken.

ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel
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hyp|no|tisch  〈Adj.〉 auf Hypnose beruhend, mit ihrer Hilfe [<lat. hypnoticus … mehr

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