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Belauschte Ameisen

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Elektronenmikroskopische Aufnahme einer Ameisenpuppe. Credit: Current Biology, Casacci et al.
Zusammenarbeit funktioniert nur, wenn eines stimmt: die Kommunikation. Das gilt sowohl für die Gemeinschaften des Menschen, als auch für die Staaten der Ameisen. Schon lange ist bekannt, dass die Insekten über Duftstoffe kommunizieren – sogenannte Pheromone. Ameisen können allerdings auch Töne erzeugen, haben jüngere Studien gezeigt. Bisher war allerdings kaum erforscht, welche Rolle diese Geräusche in der Kommunikation der Ameisen spielen. Nun haben Biologen den winzigen Krabblern erneut genau zugehört, insbesondere ihren Jungtieren – den Larven und Puppen. Die galten nämlich bisher als stumm. Im Fall der älteren Puppen ist das offenbar aber nicht der Fall: Sie erzeugen durchaus Laute und kommunizieren damit ihren reifen Status, berichten die Forscher um Luca Casacci von der Universität Turin.

Eine Ameise entwickelt sich in drei Stufen zum erwachsenen Tier: Ei, Larve und Puppe. Aus den Eiern, die die Königin des Volkes legt, schlüpfen madenartige Larven. Sie werden von den Arbeiterinnen gepflegt und gefüttert. Am Ende dieser Entwicklungsphase nimmt die Babyameise keine Nahrung mehr auf und verharrt völlig regungslos – sie verpuppt sich. Diese Puppenruhe dauert etwa zwei Wochen. In dieser Zeit werden die Puppen von Brutpflegerinnen an günstige Standorte transportiert und gepflegt. Puppen haben für die Arbeiterinnen einen höheren Status als Larven, denn in die älteren Jungtiere ist bereits mehr Arbeit investiert worden. Wird ein Nest zerwühlt und Larven und Puppen werden herausgeschleudert, retten die Arbeiterinnen entsprechend zuerst die Puppen und dann erst die Larven.

Für die Studie belauschten die Forscher Larven, Puppen und erwachsene Tiere der europäischen Ameisenart Myrmica scabrinodis mit speziellen Mikrophonen. Dabei stellte sich heraus: Larven sind tatsächlich stumm, aber die Puppen geben durchaus schon Laute von sich, die denen der erwachsenen Tiere ähneln. Das entsprechende Organ ist bei ihnen bereits ausgebildet: Es befindet sich in der Verbindung des Unterleibs mit dem restlichen Insektenkörper. Damit erzeugen die Ameisen und also auch ihre Puppen „schabende“ Laute. Bei den Puppen sind sie allerdings pulsierend und nicht so komplex wie bei den erwachsenen Tieren, berichten die Forscher.

Wenn Ameisensprache aus Lautsprechern tönt

Um zu testen, ob diese Laute das Verhalten von Ameisen beeinflussen, spielten die Forscher Arbeiterinnen diese Signale über kleine Lautsprecher vor. Als Vergleich diente Rauschen – ein unbestimmtes Geräusch, das mit Ameisen nichts zu tun hat. Außerdem spielten sie ihren sechsbeinigen Probanden auch die Töne erwachsener Artgenossen vor. Ergebnis: Das Rauschen aus den Lautsprechern ließ die Arbeiterinnen kalt, die Laute der Puppen und erwachsener Artgenossen erregten dagegen ihre Aufmerksamkeit. Sie untersuchten den Lautsprecher mit den Fühlern und zeigten umsorgendes Verhalten: Sie nahmen eine wachende Pose ein oder begannen sogar, um den Lautsprecher herum zu graben.

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Die Forscher führten nun weitere Experimente durch, um der Bedeutung der Laute der Puppen genauer nachzugehen: Sie machten dazu einige von ihnen künstlich stumm und streuten sie gemeinsam mit Larven auf Testfelder aus, auf denen sich Arbeiterinnen befanden. Normalerweise würden die Ameisen nun zuerst die „wertvolleren“ Puppen retten. Doch diese Präferenz war nun nicht mehr feststellbar: Stumme Puppen wurden gegenüber den Larven nicht bevorzugt. Der Laut ist also ein Signal, das eine Information über den Entwicklungsstatus vermittelt, folgerten die Forscher. Vermutlich ersetzen in dieser Phase eines Ameisenlebens akustische Signale die Informationsübermittlung durch chemische Botenstoffe, sagen Luca Casacci und seine Kollegen.

Luca Casacci (Universität Turin) et al.: Current Biology, doi:10.1016/j.cub.2013.01.010 © wissenschaft.de – Martin Vieweg
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