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UN-Biodiversitätsgipfel

Binnengewässer aufwerten!

Seen
Die Rolle der Binnengewässer für die Artenvielfalt wird oft unterschätzt. © Paul Hartley/ iStock

Wenn es um Natur- und Artenschutz steht, stehen meist Lebensräume an Land und im Ozean im Fokus – so auch auf dem zurzeit in Montreal stattfindenden Biodiversitätsgipfel der Vereinten Nationen. Doch ein wichtiger Ökosystemtyp droht dabei vergessen zu werden, warnen nun Wissenschaftler: Die Bedeutung von Binnengewässern wie Seen, Bächen, Flüssen oder Feuchtgebieten für die weltweite Artenvielfalt wird bisher unterschätzt.

Quellen, Bäche, Flüsse, Seen, Feuchtgebiete und Grundwasser: All das und mehr zählt zu den sogenannten Binnengewässern. Ist von Maßnahmen zum Schutz des Planeten die Rede, zählt man die Inland-Gewässer bislang jedoch häufig einfach zu den Landflächen. Das wird ihrer Bedeutung für Klima und Artenvielfalt nicht gerecht, finden Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB). In einer Stellungnahme zusammen mit internationalen Süßwasser-Experten fordern sie, die Binnengewässer bei den Verhandlungen im Rahmen des zurzeit in Montreal stattfindenden UN-Biodiversitätsgipfel nicht zu vergessen.

„Nach wie vor wird in der internationalen Biodiversitätspolitik die große Relevanz der Binnengewässer übersehen“, kritisiert IGB-Forscherin Sonja Jähnig. Dabei sind sie Trinkwasserquelle und Lebensraum, was sie zu „Lebensgrundlagen für die Natur und damit auch für uns Menschen“ macht.

Gefahr durch Klimawandel und Mensch

Doch die Binnengewässer sind ebenso wie andere Ökosysteme in Gefahr. Die Lebensräume und die Artenvielfalt von Binnengewässern schrumpfen dramatisch, wie die Wissenschaftler berichten. Das trifft auch im Wasser lebende Mikroorganismen wie Pilze und Bakterien. Sie „bilden die Basis eines jeden Nahrungsnetzes und tragen ganz wesentlich zu den Funktionen eines Ökosystems bei“, erläutert Jähnigs Kollege Hans-Peter Grossart. Eine der Ursachen für den Rückgang der Biodiversität in Flüssen, Seen und Co ist der Klimawandel. Er trifft Binnengewässer besonders hart, weil sie sich deutlich schneller erwärmen als die Atmosphäre oder gar die Ozeane. Ist das Wasser zu warm, haben zum Beispiel giftige Algenblüten leichtes Spiel. Sie entziehen Seen und Flüssen den Sauerstoff, bis Fische und andere Wasserbewohner schließlich ersticken.

Doch dass kleine wie große Süßwassertiere zunehmend um ihr Leben kämpfen, sei nicht die alleinige Schuld des Klimawandels. Auch der Mensch, der Gewässer mit Schadstoffen vergiftet, sie verbaut, umleitet und staut, trägt laut den Biologen dazu bei, dass es den Binnengewässern immer schlechter geht. „Millionen Dämme und andere Querbauwerke begünstigen die Massenentwicklung von Algen in Flüssen und verhindern, dass Fische in Hitzeperioden kühle Refugien aufsuchen können. Dabei tragen Wasserkraftwerke weniger zur Milderung des Klimawandels bei als erwartet, denn Stauseen emittieren vor allem in den Tropen und Subtropen selbst hohe Mengen von Treibhausgasen“, erklärt Martin Pusch, ebenfalls vom IGB.

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Gleichwertigkeit mit Meer und Land gefordert

Doch obwohl Binnengewässer für uns Menschen so wichtig sind, nimmt die Politik die Probleme dieses Ökosystem-Typs nicht ernst genug, kritisieren die Biologen des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei. Das sei schon daran erkennbar, dass Binnengewässer nicht als eigene Kategorie gehandelt werden. Bislang rechnet man sie auf der politischen Bühne entweder den Landflächen zu, da sie in diesen eingebettet liegen, oder den Ozeanen, da sie ebenfalls aquatisch sind. Jähnig und ihre Kollegen fordern dagegen, Binnengewässer künftig als eigene Kategorie – gleichwertig mit Land und Meer – zu handeln: „Binnengewässer und ihre Biodiversität sollten neben terrestrischen und marinen Ökosystemen als gleich bedeutsamer, dritter ökologischer Bereich in politischen und gesellschaftlichen Rahmenwerken und Strategien etabliert werden.“

Als solcher sollten die Binnengewässer auch beim Biodiversitätsgipfel in Montreal Beachtung finden. Die Süßwasser-Biologen wünschen sich, dass die dortigen Verhandlungen zu spezifischen Schutzzielen für Binnengewässer führen. Zum Beispiel: freifließende Flüsse und großräumige Renaturierungen stärker fördern oder nützliche Mikroorganismen in die Liste schützenswerter Arten aufnehmen. „Süßwasser-Ökosysteme dürfen nicht länger nur ein Nebenschauplatz sein, denn sie können ihre vielfältigen Funktionen als Lebensraum und Schlüsselressource für Mensch und Natur nur erfüllen, wenn sie konsequent geschützt, nachhaltig bewirtschaftet und ökologisch wieder verbessert werden“, fasst Jähnig zusammen.

Quelle: Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

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