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Das gelbe Wunder

Ein gewöhnlicher Markierungsfarbstoff aus der Laborforschung kann das Leben von Fadenwürmern verlängern und sie vor alzheimerähnlichen Krankheiten schützen. Das hat ein US-Forscherteam zufällig bei Versuchen mit den Tieren entdeckt, bei denen der gelbe Farbstoff Thioflavin T (ThT) eigentlich nur bestimmte Zellprozesse sichtbar machen sollte. Überraschenderweise hatten die mit Farbstoff behandelten Würmer jedoch eine um 50 Prozent verlängerte Lebenserwartung, beobachteten die Wissenschaftler. Auch Prozesse, die denen bei der Alzheimererkrankung beim Menschen ähneln, konnte der Farbstoff bei den Versuchstieren verlangsamen. Den Wirkmechanismus des Farbstoffes vermuten die Forscher in einer Art Stabilisation von Regelsystemen, die für den Auf- und Abbau von Eiweißen zuständig sind. Es ist bereits bekannt, dass diese Systeme bei Alzheimer aus dem Lot geraten. Sie gelten aber auch generell als wichtige Faktoren Alterungsprozesse, berichtet das Team.

ThT ist ein weitverbreiteter Markierungsfarbstoff in der Alzheimerforschung. Er heftet sich an die sogenannten Amyloid-Plaques, die Eiweißverklumpungen im Gehirn, die als Verursacher der Nervenschäden bei der Demenzerkrankung gelten. Mit Hilfe der farbigen Markierung verfolgen Forscher normalerweise die Entwicklung der Plaques, unter anderem auch bei Fadenwürmern. Diese Tiere sind beliebte Modellorganismen, weil sie speziell so gezüchtet werden können, dass ihre Nerven die typischen Alzheimersymptome entwickeln, wie sie sich auch bei Menschen finden.

Während derartiger Experimente stellten die Wissenschaftler um Silvestre Alavez irgendwann fest, dass Würmer, die sie mit dem Markierungsfarbstoff behandelt hatten, länger lebten als üblich. Der Effekt zeigte sich auch bei normalen Zuchtlinien, deren genetisches Programm nicht verändert worden war. Die Tiere lebten um 50 Prozent länger, wenn sie den Farbstoff verabreicht bekamen. Im Fall der Alzheimer-Würmchen zeigte ThT auch eine Wirkung gegenüber der Bildung der Amyloid-Plaques: Die Verklumpung der schädlichen Proteine war verzögert.

Die Forscher wollen nun als nächstes testen, ob diese Effekte auch bei Mäusen eintreten. Bei den Nagern gibt es ebenfalls Zuchtlinien, die Formen von Alzheimer entwickeln. Außerdem wollen die Wissenschaftler die Wirkmechanismen des Farbstoffes genauer entschlüsseln. Viele Erkrankungen und auch Alterungsprozesse stehen im Zusammenhang mit Veränderungen im Eiweißstoffwechsel, betonen sie. Vermutlich greift ThT in diese Systeme ein. Substanzen, die dazu in der Lage sind, könnten von großer Bedeutung für die Entwicklung von Therapien und Medikamenten sein. „Mit ThT haben wir jetzt einen neuen Weg für die Suche nach Substanzen eröffnet, die sowohl generell lebensverlängernd wirken, als auch Krankheitsverläufe bremsen können“, sagt Alavez.

Silvestre Alavez (Buck Institute for Research on Aging, Novato, Kalifornien) et al: Nature, doi:10.1038/nature09575 dapd/wissenschaft.de – Martin Vieweg
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