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Bäume erkennen Rehverbiss am Speichel und produzieren Abwehrstoffe

Der Baum wehrt sich

Schössling
Knospen und Schösslinge sind bei Rehen eine besonders beliebte Speise (Foto: amenic181/Fotolia)
Bäume haben ein feines Gespür: Wenn ein Reh im Wald einen Baum anknabbert, erkennt dieser sehr genau, dass ein Tier und kein Sturmschaden schuld ist. Als Reaktion fährt der Baum prompt die Produktion von bitteren Gerbstoffen hoch, um die gefräßigen Vierbeiner abzuschrecken.

Hell und maigrün leuchten im Frühjahr die jungen, zarten Knospen und Triebe der Waldbäume. Sie sind die Zukunft der Wälder, lassen sie doch vor allem junge Baumschösslinge groß werden. Doch sie haben ein Problem: Rehe mögen sie zum Fressen gern. Und leider schmecken ihnen gerade die Knospen, die für die kleinen Bäume und ihr Wachstum so wichtig sind. Durch ihren Verbiss können Rehe schnell viel Schaden anrichten und die Verjüngung von Beständen vieler Laubbaumarten erschweren.

Bitterstoffe als Abschreckung

Aber die Bäume sind gegenüber diesen gefräßigen Vierbeinern weniger hilflos als man denkt, wie jetzt Biologen der Universität Leipzig herausgefunden haben. Die Bäume erkennen nämlich sehr genau, ob ein Ast oder eine Knospe durch ein Reh abgeknabbert wurde oder nur zufällig durch einen Sturm oder eine andere mechanische Störung abgerissen. Das Signal dafür liefert ihnen der Speichel der Tiere.

War ein Reh der Übeltäter, setzt sich der Baum gezielt zur Wehr. Er fährt seine Produktion des Botenstoffs Salicylsäure hoch und das wiederum führt zur Bildung von bestimmten Gerbstoffen in den Pflanzenteilen. Diese meist bitter schmeckenden Substanzen verderben Rehen den Appetit auf die Triebe und Knospen. Zusätzlich steigert das Bäumchen die Produktion von Wachstumshormonen. Durch das zusätzliche Wachstum wird der Verbissschaden kompensiert.

Reaktion nur bei Rehspeichel

„Bricht ein Ast oder eine Knospe dagegen ab, ohne dass ein Reh am Werk war, kurbelt der Baum weder seine Produktion des Signal-Hormons Salicylsäure noch die der Gerbstoffe an“, erklärt Bettina Ohse von der Universität Leipzig. „Stattdessen bildet er vor allem Wund-Hormone.“ Zu ihren Erkenntnissen kamen die Wissenschaftler, indem sie Bäumchen im Leipziger Auwald austricksten: Sie simulierten, dass ein Reh an ihnen gefressen hat, indem sie die Schnittstelle mit echtem Rehspeichel aus der Pipette beträufelten. Kurz darauf erfassten sie die Konzentration der Hormone und der Gerbstoffe im Bäumchen.

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„Im Anschluss an diese erste Grundlagenforschung wäre es interessant, auch weitere Baumarten auf ihre Abwehrstrategien gegenüber Rehen zu untersuchen“, so die Forscherin. „Würden sich hier einige als von Natur aus wehrhafter herausstellen, könnten diese möglicherweise in Zukunft in den Wäldern mehr gefördert werden.“

Quelle: Universität Leipzig, Fachartikel: Functional Ecology, doi: 10.1111/1365-2435.12717

© natur.de – Nadja Podbregar
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