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Erde|Umwelt

Die erstaunliche Wanderung der Hundshaie

Hundshai
Ein Nordsee-Hundshai mit Satellitensender. © C. Howe/ H2Owe, Thünen-Institut/ M. Schaber

Von der Deutschen Bucht in die Tiefsee: Hundshaie aus der Nordsee wandern weit in den Nordatlantik hinaus und vollführen dort im Tagesrhythmus Vertikalwanderungen: Nachts steigen sie an die Oberfläche, tagsüber sinken sie hunderte Meter ab. Den Grund dafür haben Forschende nun mittels Sendern und Echolotmessungen herausgefunden: Die Haie folgen ihrer Lieblingsspeise, den Kalmaren.

Auch in unseren Gewässern gibt es Haie: Der Hundshai (Galeorhinus galeus) ist mit bis zu zwei Metern Länge der größte Hai in der deutschen Nordsee. Weltweit kommt er in den flacheren Gewässern der Kontinentalschelfe und flachen Küstenmeere der gemäßigten Klimazonen vor, wurde aber auch schon in Hochseegebieten und in größerer Wassertiefe nachgewiesen. Die zu den Glatthaien gehörenden Fische gelten jedoch als vom Aussterben bedroht, denn vor allem die Fischerei hat ihre Bestände stark dezimiert. Weil sie nur langsam wachsen und spät geschlechtsreif werden, erholen sich die Hundshai-Populationen nur schwer von größeren Verlusten.

Haie mit Satellitensender

Umso wichtiger ist es, die für die Hundshaie wichtigen Lebensräume und Regionen in den Ozeanen zu kennen – nur so können sie effektiv geschützt werden. Schon seit längerem erforschen deshalb Wissenschaftler des Thünen-Instituts für Seefischerei in Bremerhaven die Hundshaie in der deutschen Nordsee. Dafür markieren sie seit 2017 regelmäßig Hundshaie während ihrer sommerlichen Ansammlungen um Helgoland mit Satellitensendern. Indem sie die Bewegungen der Haie darüber mitverfolgen, können sie nachvollziehen, in welchen Meeresgebieten die Haie zum Beispiel ihren Nachwuchs zur Welt bringen oder sich saisonal gehäuft aufhalten und so besonders wichtige Habitate identifizieren.

Bei der Auswertung dieser Daten haben Matthias Schaber vom Thünen-Institut und seine Kollegen eine überraschende Entdeckung gemacht. Sie stellten fest, dass einige vor Helgoland heimische Hundshaie nicht nur unerwartet weit in den offenen Atlantik wanderten – ein Tier zog sogar bis in die Gewässer um die portugiesische Insel Madeira. Zusätzlich änderten die Hundshaie auch ihr übliches Schwimmverhalten und tauchten bis in Wassertiefen von unterhalb 700 Metern ab. Diese Vertikalwanderung im Nordatlantik zeigte zudem wiederkehrende Muster: Nachts hielten sich die Tiere überwiegend in oberflächennahen Schichten von bis zu 150 Meter Wassertiefe auf, tagsüber hingegen blieben sie in 400 bis 600 Meter Tiefe.

Den Kalmaren folgend

Um herauszufinden, warum die Hundshaie diese Vertikalwanderungen vollführen, glichen Schaber und sein Team die Tiefenprofile der Haie mit Echolot-Messdaten ab, die von Forschungsschiffen im Nordatlantik stammten. Aus solchen Daten ist bereits bekannt, dass es in allen Weltmeeren sogenannte Echostreuschichten gibt, die durch eine enorme Dichte und Biomasse an Organismen gekennzeichnet sind – von der kleinen Leuchtgarnele über Quallen und Tintenfische bis zu kleinen und größeren Fischen. Diese Organismen halten sich meist in mittlerer Wassertiefe von einigen hundert Metern auf. „Indem wir die Messdaten der Haie und der Echolote quasi übereinandergelegt haben, konnten wir eindeutig zeigen, dass sich die Hundshaie im offenen Atlantik fast durchgehend innerhalb dieser Echostreuschichten aufhielten“, erläutert Schaber.

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Das legte nahe, dass die Hundshaie in diesen Schichten auch ihre Beute jagen – und ihnen daher folgen. „Viele dieser Tiere wandern jedoch täglich im Schutz der Dunkelheit zur Meeresoberfläche und kehren tagsüber in die dunklen Tiefen der Ozeane zurück“, erklärt Schaber. „Diese Wanderung gilt biomassemäßig als die größte Wanderung im Tierreich – und die Hundshaie wandern offenbar mit.“ Wie das Forschungsteam anhand der Echolotdaten feststellte, folgen die Haie dabei vor allem den Bewegungen ihrer Lieblingsbeute, den Kalmaren. „Die Hundshaie ändern in Hochseegebieten, die durch eine relative Nahrungsarmut in Oberflächennähe gekennzeichnet sind, ihr Schwimmverhalten, um aus der reichhaltigen Quelle der mesopelagischen Wanderer ihre Lieblingsbeute, die Kalmare, abschöpfen zu können“, so Schaber. „Das ist bisher noch nie so detailliert nachgewiesen worden.“

Quelle: Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei; Fachartikel: Scientific Reports, doi: 10.1038/s41598-022-05989-z

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