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Erde|Umwelt Gesundheit|Medizin

Die Hierarchie der Sinne

Menschen glauben primär das, was sie sehen. Alle zusätzlichen Sinneseindrücke werden dann vom Gehirn so bearbeitet, dass sie zum optischen Eindruck passen. Sind die Informationen des Auges jedoch nicht zuverlässig genug, übernimmt der Hörsinn und die visuellen Informationen werden den akustischen angepasst. Dieses Wahrnehmungsprinzip, auf dem beispielsweise die Täuschungen von Bauchrednern beruhen, haben italienische Wissenschaftler beschrieben. Über die Erkenntnisse berichtet der Online-Dienst der Fachzeitschrift Nature.

Der Sehsinn ist der Boss bei der Wahrnehmung: Im Kino glaubt jeder, die Sprache komme vom Schauspieler auf der Leinwand, obwohl sich die Lautsprecher hinter oder neben den Zuschauern befinden. Auch die Puppe des Bauchredners scheint tatsächlich selbst zu sprechen, auch wenn jedem klar ist, dass sie es nicht kann. Diese Täuschungen basieren auf einer komplexen Zusammenarbeit zwischen den Sinneswahrnehmungen, entdeckten David Alais aus Pisa und sein Kollege David Burr aus Florenz. So führt der Sehsinn zwar meistens, aber nicht immer die Regie über die anderen Sinne: Sind die optischen Eindrücke zu unscharf und damit nicht zuverlässig genug, übernehmen die Ohren das Ruder und dominieren die Wahrnehmung.

Bei ihren Experimenten hatten die Wissenschaftler Probanden auf einem Monitor dargestellte Kreise gezeigt, die sich um kleine Stückchen nach rechts oder nach links bewegten. Gleichzeitig erzeugten die Forscher eine Folge kurzer Klickgeräusche und baten die Testteilnehmer, zu bestimmen, auf welcher Seite die Geräusche zu hören waren. Die Probanden vermuteten den Ursprung der Geräusche immer auf der Seite, auf die sich der Kreis zu bewegte ? auch wenn das Geräusch von der anderen Seite kam.

Das änderte sich jedoch, wenn die Kreise nicht mit scharfen Umrissen, sondern nur als verschwommene Form dargestellt waren. Unter solchen Bedingungen hatten die Probanden nicht nur keinerlei Schwierigkeiten, die Herkunft der Geräusche korrekt zu identifizieren, sondern gaben sogar an, dass sich die Kreise in diese Richtung bewegten ? auch wenn sie in die andere Richtung verschoben wurden. Offensichtlich prüft das Gehirn optische und akustische Eindrücke auf ihre Zuverlässigkeit und entscheidet dann, welche Information höhere Priorität besitzt, schreiben die Forscher. Sind beide Wahrnehmungen gleich gut, arbeiten Seh- und Hörsinn Hand in Hand und ermöglichen so eine bessere Einschätzung einer Situation, als wenn die Informationen eines Sinnes grundsätzlich dominieren würden.

ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel
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