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Die Körpertypen – ein Mythos?

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Ektomorph, mesomorph und endomorph – was ist dran an den Körpertypen? (Foto: Mike Orlov/ Fotolia)
Endomorph, mesomorph, ektomorph – die Rede ist von den drei Körpertypen, nach denen die Menschen angeblich eingeteilt werden können. Die zugrundeliegende These: jeder Mensch kann genau einem Typ zugeordnet werden. Doch was hat es mit den Körpertypen auf sich und ist die Theorie auch praxistauglich?

Das Interesse der Wissenschaft am menschlichen Körper reicht weit in die Zeit vor Christus zurück und ist auch heute noch ungebrochen. Immer wieder wurde versucht, den Körperbau einem Klassifizierungssystem unterzuordnen. Dahinter steckt Rainer Fiesel zufolge der Wunsch, bestimmte Merkmalsausprägungen des äußeren Erscheinungsbildes in Kategorien einzuteilen.

Die Theorie über die Körpertypen geht zurück auf den US-amerikanischen Psychologen und Mediziner Dr. William Sheldon. In den 1950er Jahren machte er 4000 Nacktfotos von Studenten und ordnete sie aufgrund seines subjektiven Eindrucks den drei Körpertypen „endomorph“, „mesomorph“ und „ektomorph“ zu. Sheldon postulierte, dass man vom Aussehen des Menschen auf dessen Charaktereigenschaften schließen kann. Er ging ebenfalls davon aus, dass der Körpertyp (auch Somatotyp) eines Menschen genetisch vorbestimmt ist und das ganze Leben hindurch einen festgelegten Verlauf zeigt.

Diese These über die Körpertypen hatte aber nicht Sheldon selbst aufgestellt. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte der deutsche Psychiater Ernst Kretschmer drei Körpertypen, die denen Sheldons sehr ähnlich sind. Kretschmer nannte sie „Pygniker“, „Athletiker“ und „Leptosom“.

Die drei Körpertypen nach Sheldon

Dr. William Sheldon hat auf der Grundlage von Ernst Kretschmers Überlegungen drei Körpertypen benannt, den endomorphen, den mesomorphen und den ektomorphen Typ. Die Einteilung erfolgte nach der Entwicklung des dreiteiligen Keimblattgewebes (endoderm = Innenschicht, mesoderm = Mittelschicht, ektoderm = Außenschicht) bei Embryos. Sheldon stellte einen Zusammenhang zwischen der Entwicklung der Keimblätter und dem späteren Körperbau her und bezog dabei psychische Eigenschaften des Menschen mit ein. Je nach Ausprägung der Keimblätter ordnete er den Embryo einem Typ zu.

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Ektomorphe Menschen sind typischerweise dünn, schlaksig und groß. Der Anteil an Körperfett und Muskelmasse fällt bei ihnen gering aus. Die zarte Statur zeichnet sich durch einen kurzen Oberkörper, einen schmalen Brustkorb und eine flache Brust aus. Die Schultern, Hände und Füße sind ebenfalls schmal, die Arme und Beine lang.  Kretschmer bezeichnet diesen Typ als Leptosom oder leptomorph. Menschen dieses Typs gelten demzufolge als Denker bzw. „Kopfmenschen“. Diese Perfektionisten kümmern sich um viele Details, sie gelten als zurückhaltend und sind häufig Einzelgänger.

Im Gegensatz zum ektomorphen Typ, neigen endomorphe Menschen zur Gewichtszunahme. Der Körper ist breit gebaut, das Gesicht rund und der Hals kurz. Arme und Beine, sowie die gesamte Statur fallen eher kurz und gedrungen aus. Dieser Körpertyp – von Kretschmer als Pygniker bezeichnet – gilt als geselliger und gelassener Zeitgenosse.

Der mesomorphe Körpertyp hat von Natur aus einen muskulösen, kräftigen Körper mit einem geringen Körperfettanteil. Er wirkt durch seine breiten Schultern und die schmalen Hüften sportlich. Der Brustkorb ist groß, ebenso die Hände und Füße. Damit handelt es sich hierbei um den Idealtypen, der die besten Eigenschaften eines endomorphen (dünn und groß) und eines ektomorphen stämmig und klein) Menschen vereint: er zeichnet sich durch eine gute, muskulöse Körperstruktur, einen geringen Fettansatz und ein gutes Muskelaufbaupotenzial aus. Kretschmer nannte diesen Typ Athletiker. Er gilt als körperlich durchsetzungsstark, zugleich aber auch als anhänglich, etwas naiv und einfallslos. Der eigene Körper und das Aussehen stehen bei Athletikern im Vordergrund, weswegen sie auf körperliche Herausforderungen und Wettbewerbe gerne eingehen.

Die Körpertypen und der Sport

In der Sportmedizin sollen die Körpertypen dazu dienen, um für jeden Sportler ein angepasstes Ernährungs- und Trainingsprogramm zu erstellen. Denn je nach Körpertyp funktionieren Muskelaufbau und Stoffwechsel unterschiedlich gut.  Im Sport, wo es darum geht, den Muskelaufbau zu fördern, spielen die Körpertypen eine Rolle. So ist von Hardgainern und Softgainern die Rede, wenn es darum geht, wie schnell man in der Lage ist, Muskelmasse anzusetzen. Hardgainern, sprich ektomorphen Menschen, fällt es aufgrund ihrer langen dünnen Muskeln und ihres schnellen Stoffwechsels schwer, an Körpergewicht und Muskelmasse zuzunehmen. Daher sollten sich solche Menschen sehr kalorienreich ernähren, am besten von qualitativ hochwertigen Lebensmitteln mit hoher Nährstoffdichte.

Die sogenannten Athletiker oder mesomorphe Menschen haben es leicht, Muskelmasse aufzubauen, sie sind Softgainer. Ihr Stoffwechsel funktioniert in einem normalen Tempo. Auch endomorphe Menschen zählen dazu, denn sie bauen ebenfalls schnell Muskelmasse auf. Wegen ihres langsamen Stoffwechsels erfolgt aber der Aufbau von Körperfett schneller als der Aufbau der Muskelmasse. Während mesomorphe Menschen bei der Ernährung und beim Training kaum etwas beachten müssen, sollten endomorphe Menschen viel Ausdauertraining machen, um den Körperfettanteil zu senken, und wenig Kohlenhydrate, dafür viele Proteine essen.

Den Körpertypen nach Sheldon bzw. Kretschmer zufolge, müsste es also ganz einfach sein, den Körper optimal in Form zu bringen. Dafür müsste man lediglich den Körperbau und die Fettverteilung kennen und könnte daraus den perfekt zugeschnittenen Trainings- und Ernährungsplan erstellen, sozusagen eine Art individuelle Anleitung. In der Realität sieht es aber anders aus.

Was ist dran an der Theorie?

In der Wissenschaft und auch aus sportmedizinischer Sicht ist das Konzept von Sheldon bzw. Kretschmer zu statisch und lässt sich nicht bei jedem Individuum anwenden. Die Menschen sind in ihrer Statur und Stoffwechsel so unterschiedlich wie in der Hautfarbe, sodass ein allgemein vorgefertigter Trainingsplan wenig sinnvoll wäre. Jeder Körper reagiert anders auf Training und Ernährung, sodass sich in dieser Hinsicht keine Vorhersagen machen lassen. Persönliche Erfahrungswerte sind daher die bessere Wahl. Dazu kommt, dass sich nach der Untersuchung von Ulrike Trippo der Körperbau und -zusammensetzung im Laufe des Lebens verändern und so nicht, wie von Sheldon postuliert, von einer determinierten Statur die Rede sein kann.

Die Theorie über die Somatotypen löste auch in der Wissenschaft große Kontroversen aus. Die Subjektivität des Verfahrens, die Fiktion, dass die Körpertypen determiniert und unveränderbar seien, sowie die Reliabilität der Einteilung der Fotos waren die Hauptkritikpunkte. Sogar Sheldon selbst musste feststellen, dass sich nur die wenigsten der Studenten-Fotos eindeutig zu einem seiner drei Körpertypen zuordnen ließ.

Es gibt also kaum Menschen, die von ihren äußeren Merkmalen her die Kriterien genau eines Typs in Reinkultur erfüllen. Stattdessen sind die meisten Menschen Mischtypen, die Merkmale von wenigstens zwei der Körpertypen aufweisen. Von der Zuteilung eines Menschen zu einem der drei Körpertypen ist aus wissenschaftlicher Sicht also nicht viel zu halten. Da die Einteilung des menschlichen Körpers auf einen der drei Körpertypen von Sheldon und Kretschmer sich als durchaus schwierig und nur wenig zielführend erwiesen hat, ist davon abzuraten.

Sinnvoller ist die Einteilung in Figurtypen, wenn auch diese nur bedingt mit Sport und Training, sondern eher mit Mode in Verbindung gebracht werden können. Doch auch bei den fünf Figurentypen und ihren Merkmalen geht es um den Körperbau. Nur dass diese Einordnung realistischer ist, weil sie sich an Staturen orientiert, von denen sich jedem Menschen eine zuordnen lässt: wer einen schmalen Oberkörper, eine ausgeprägte Taille und breite Hüften hat, ist ein A-Typ. Bei wem die Verhältnisse genau umgekehrt sind (breiter Oberkörper, zierliche Taille, schmale Hüften), wird dem V-Typ zugeordnet.

Nach Sheldon haben sich noch weitere Wissenschaftler intensiv mit der Klassifizierung des menschlichen Körpers beschäftigt. So haben Heath und Carter das Verfahren von Sheldon modifiziert und im Jahr 1967 das gängigste Modell der Somatotypbestimmung entwickelt. Das Modell beinhaltet drei Komponenten zur Bestimmung des Körpertyps: die erste Komponente bezieht sich auf die relative Fettleibigkeit bzw. Magerkeit des Körperbaus und gibt damit den Grad des Fettanteils wieder.

Die zweite Komponente betrachtet die relative muskuloskelettale Entwicklung und bestimmt das Verhältnis der fettfreien Körpermasse zur Körpergröße. Das lässt Rückschlüsse auf einen leichten oder markanten Knochenbau zu. Die dritte Komponente untersucht unter anderem die Körpergröße im Verhältnis zum Gesamtgewicht. Ein niedriger Komponentenwert verweist auf ein niedriges Körperhöhen-Gewichts-Verhältnis. Es gibt also viel Masse in Relation zur Größe: kurzer Körper und kurze Gliedmaßen, verhältnismäßig viel Gewicht. Ein hoher Komponentenwert deutet auf ein hohes Verhältnis und damit auf wenig Masse in Relation zur Größe: langer Körper und lange Gliedmaßen, verhältnismäßig wenig Gewicht.

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