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Paläontologie

Dino-Embryo in vogelartiger Haltung

Künstlerische Darstellung von "Baby Yingliang" in seinem Ei. (Bild: LIDA XING)

Er wird „Baby Yingliang“ genannt: Paläontologen berichten über einen detailliert im Ei erhaltenen Dinosaurier-Embryo, dessen Körperhaltung neues Licht auf die Verbindung zwischen den modernen Vögeln und ihren Vorfahren wirft. Der Sprössling einer zweibeinig laufenden Dinosaurierart nimmt demnach eine speziell gekrümmte Stellung ein, die bisher als einzigartig für Vögel vor dem Schlüpfen galt. Dies legt nahe, dass dieses Positionierungs-Verhalten im Ei schon bei den Dinosaurier-Vorfahren der Vögel entstanden ist, sagen die Forscher.

Eigentlich sind die Dinosaurier nicht wirklich ausgestorben, heißt es. Denn wer einen bestaunen möchte, braucht meist nur aus dem Fenster zu blicken: Vögel gelten als die direkten Nachfahren der Riesenechsen der Jura- und Kreidezeit. Sie haben sich aus theropoden Dinosaurierarten entwickelt und wie viele Studien belegen, besaßen ihre Vorfahren bereits viele vermeintlich vogelartige Merkmale. Dies umfasst auch Aspekte der Fortpflanzungsbiologie: Funde von fossilen Nestern und Eiern haben zahlreiche Hinweise auf vogelartige Merkmale, Verhaltensweisen und Entwicklungsprozesse geliefert. Es wurden auch bereits versteinerte Eier mit darin enthalten Überresten von Embryos entdeckt – doch detaillierte Exemplare sind sehr selten. Denn der natürliche Zustand der Kleinen zu ihren Lebzeiten, ist durch den Prozess der Fossilisierung meist kaum noch erkennbar: Oft fehlen Strukturen oder die feinen Knöchelchen sind aus ihren einstigen Positionen verschoben.

Buchstäblich wie aus dem Ei gepellt

Doch bei dem Exemplar, über das nun ein internationales Paläontologenteam berichtet, ist das nicht der Fall. Das 17 Zentimeter lange versteinerte Ei wurde zusammen mit anderen in Gesteinen aus der späten Kreidezeit an einem Fundort in Südchina entdeckt. „Diese Dinosaurier-Eierfossilien wurden anschließend präpariert und so kam schließlich in einem davon unser ‚Baby Yingliang‘ zum Vorschein“, berichtet Co-Autor Lida Xing von der Chinesischen Universität für Geowissenschaften in Peking. Das Fossil zeigt feinste Details des pränatalen Dinos und er scheint noch genau so positioniert zu sein, wie zu der Zeit, als ihn das Schicksal ereilte. „Dieser Dinosaurier-Embryo in seinem Ei ist eines der schönsten Fossilien, die ich je gesehen habe“, verdeutlicht Co-Autor Steve Brusatte von der University of Edinburgh die Bedeutung des Fundes.

Das erstaunlich gut erhaltene Fossil liefert Einblicke in das Verhalten im Ei. (Bild: Xing et al./iScience)

Baby Yingliang wurde aufgrund seiner Schädelmerkmale Vertretern der Oviraptorosaurier zugeordnet. Dabei handelt es sich um eine Gruppe kleiner bis mittelgroßer Theropoden, die aus der Kreidezeit Asiens und Nordamerikas bekannt sind. Von diesen gefiederten Zweibeinern wurden bereits fossile Nester mit Eiern entdeckt – in einigen Fällen auch mit Spuren der ungeschlüpften Jungtiere. Doch Baby Yingliang liefert nun die bisher klarsten Hinweise auf Verhaltensweisen der Tiere im Ei. Konkret: Die Wissenschaftler stellten eine bisher bei Dinosaurier-Embryos unbekannte Körperhaltung fest. Der kleine Oviraptorosaurier hat demnach den Kopf auf den Bauch gelegt, die Füße sind seitlich positioniert und der Rücken ist entlang des stumpfen Endes des Eies gekrümmt.

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Wie ein Hühner-Küken im Ei

Wie die Forscher erklären, ist diese Stellung charakteristisch für moderne Vogelembryonen in einer bestimmten Phase vor dem Schlüpfen. „Es ist interessant zu sehen, dass dieser Dinosaurier-Embryo und ein Hühner-Embryo im Ei eine vergleichbare Haltung einnehmen, was auf ein ähnliches Verhalten vor dem Schlüpfen hinweist“, sagt Erstautorin Fion Waisum Ma von der University of Birmingham. Wie die Forscher erklären, ist bekannt, dass Küken im Ei eine Reihe von typischen Positionsänderungen durchführen, bis sie am Ende ihren Körper krümmen und den Kopf unter den Flügel bringen. Vogelembryonen, die diese Haltungen nicht einnehmen, haben ein höheres Risiko, im Ei gefangen zu bleiben.

Bei Reptilien ist das jedoch anders: Beispielsweise nehmen heutige Krokodil-Embryos im Ei eine Art Sitzposition ein. Dies schien bisherigen Befunden zufolge auch bei den Dinosauriern der Fall gewesen zu sein. Doch wie sich nun zeigt, galt dies zumindest für die Oviraptorosaurier offenbar nicht. Die Paläontologen sehen in den Befunden deshalb einen Hinweis darauf, dass sich das Verhalten im Ei, das bisher als einzigartig für Vögel angesehen wurde, schon zuvor bei Theropoden-Dinosauriern entwickelt hat. „Dieser kleine pränatale Dinosaurier sieht genauso aus wie ein Vogelbaby, das in seinem Ei eingerollt ist, was ein weiterer Hinweis dafür ist, dass sich viele Merkmale, die für die heutigen Vögel charakteristisch sind, zuerst in ihren Dinosauriervorfahren entwickelt haben“, resümiert Brusatte.

Er und seine Kollegen hoffen nun auf weitere Funde von Embryofossilien, die tiefere Einblicke in das vermutlich vogelartige Verhalten einiger Dinosaurierarten im Ei liefern.

Quelle: University of Birmingham, Fachartikel: iScience, doi: 10.1016/j.isci.2021.103516

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