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Erde|Umwelt

Ein Dino aus Deutschland

Wirbelknochen
Wirbelknochen des Tuebingosaurus maierfritzorum. © Valentin Marquardt/Universität Tübingen

Die Gegend am Rand der Schwäbischen Alb ist schon länger für ihre reichen Fossilienfunde bekannt. Jetzt hat sich ein vor 100 Jahren dort entdecktes Dinosaurierfossil als bisher unerkannte neue Gattung und Art entpuppt. Das Tuebingosaurus maierfritzorum getaufte Urzeitreptil lebte vor 203 bis 211 Millionen Jahren und war ein Vorfahre der riesigen Langhalssaurier des Jura und der Kreidezeit. Wie sie war auch er ein Pflanzenfresser und lief auf vier stämmigen Beinen umher. Er war den späteren Sauropoden darin schon deutlich ähnlicher als seine in der gleichen Gegend lebenden Zeitgenossen. Der Fund zeigt damit auch, dass die Vielfalt der Sauropoden-Vorfahren im heutigen Mitteleuropa größer war als lange angenommen.

Die langhalsigen Sauropoden brachten die größten und schwersten Landtiere hervor, die je auf unsere Planeten gelebt haben. Zu diesen großen, vierbeinig laufenden Pflanzenfressern gehörten so bekannte Vertreter wie Brachiosaurus, Diplodocus oder die Titanosaurier. Sie entwickelten sich aus kleineren Vorfahren, den Sauropodomorpha, die sich in der späten Trias entwickelten. Einige dieser vor mehr als 200 Millionen Jahren lebenden Sauropoden-Vorfahren kamen auch im Gebiet des heutigen Mitteleuropas vor. Viele dieser Fossilien wurden bisher der Gattung Plateosaurus zugeordnet – einem zweibeinig laufenden Pflanzenfresser mit kleinem Schädel, langem Hals und einer Greifhand mit vergrößerter Daumenkralle.

Neuer Blick auf Fossil eines Sauropoden-Vorfahren

Auch ein Großteil der Dinosaurier-Fossilien, die schon ab dem 19. Jahrhundert in Fundstätten an der Schwäbischen Alb entdeckt wurden, galten bislang als Plateosaurier. In jüngster Zeit haben allerdings einige neue Funde sowie Re-Analysen älterer Fossilien Zweifel an der bisherigen Klassifikation geweckt. In einem groß angelegten Projekt haben die Paläontologen Omar Rafael Regalado Fernandez und Ingmar Werneburg von der Universität Tübingen daher noch einmal sämtliche in der Paläontologischen Sammlung in Tübingen gelagerten Knochen von Dinosauriern aus der späten Trias noch einmal neu untersucht. Darunter war auch ein Teilskelett, das 1922 in einem Steinbruch in Trossingen gefunden worden war. Die fossilen Knochen stammen von der hinteren Körperhälfte eines Dinosauriers, der bisher als Plateosaurus pliengeri eingeordnet wurde und vor 203 bis 211 Millionen Jahren lebte.

Bei der erneuten Analyse dieses Dinosaurier-Fossils stellten Regalado Fernandez und Werneburg fest, dass viele seiner Knochen nicht denen eines typischen Plateosauriers entsprachen. So wies das Teilskelett unter anderem eine breitere und kräftiger gebaute Hüfte mit verschmolzenen Kreuzbeinwirbeln sowie ungewöhnlich große und robuste Langknochen auf. Dies spricht dafür, dass sich dieses Tier auf vier Beinen fortbewegte, statt wie die Plateosaurier nur auf den beiden Hinterbeinen, wie die Paläontologen erklären. Ein weiterer Unterschied zeigte sich bei der Analyse der Knochenstruktur: Tuebingosaurus wuchs nicht kontinuierlich wie der Plateosaurus, sondern durchlebte schnelle Wachstumsschübe, die von Wachstumspausen unterbrochen waren. „Das rechtfertigt es, Tuebingosaurus und Plateosaurus als zwei verschiedene Arten zu betrachten“, erklärt Regalado Fernandez.

(Video: Universität Tübingen)

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Kein Plateosaurus, sondern eine eigene Gattung

Damit ist nach Ansicht der Forscher klar, dass es sich bei dem Fossil aus Trossingen nicht um einen Plateosaurus handelt, sondern um eine zuvor unbekannte Dinosaurier-Gattung und Art. Die Paläontologen haben diese neue Spezies Tuebingosaurus maierfritzorum getauft. „Sein Gattungsname, Tuebingosaurus, ist eine Hommage an unsere schöne Universitätsstadt und ihre Bewohner“, sagt Werneburg. Mit dem dazugehörigen Artnamen maierfritzorum ehren die Forscher die beiden deutschen Zoologen Wolfgang Maier aus Tübingen und Uwe Fritz von den Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen Dresden. Der Tuebingosaurus lebte vor etwa 203 bis 211 Millionen Jahren im Bereich der heutigen Schwäbischen Alb und war ein Pflanzenfresser. Das umgebende Sedimentgestein und die Erhaltung der Knochen sprechen dafür, dass dieser Dinosaurier in einem sumpfigen Gebiet zu Tode kam und versank. Die Knochen der linken Körperseite waren vermutlich einige Jahre lang an der Oberfläche der Witterung ausgesetzt, weshalb sie kaum erhalten sind.

Der Abgleich aller anatomischen Merkmale in einer Stammbaumanalyse ergab, dass auch der Tuebingosaurus ein Vorfahre der großen Langhalssaurier war. Er besaß aber eine ganz eigene Mischung fortgeschrittener und ursprünglicher Merkmale und war enger mit späteren Sauropoden verwandt als die Plateosaurier. Der Fund der neuen Art demonstriert zum einen, dass womöglich noch weitere vermeintliche Plateosaurier falsch klassifiziert worden sind. Zum anderen spricht die Identifizierung des Tuebingosaurus dafür, dass es in Mitteleuropa damals eine größere Vielfalt von Sauropodomorpha gab als lange angenommen.

Quelle: Omar Rafael Regalado Fernandez und Ingmar Werneburg (Universität Tübingen), Vertebrate Zoology, doi: 10.3897/vz.72.e86348

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