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Erde|Umwelt Gesundheit|Medizin

Erstgeborene haben es schwerer – und sind es auch

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Die Position in der Geschwisterfolge wirkt sich aus (Joshua Rainey / thinkstock)
Ältere Brüder und Schwestern haben es schwer: Sie müssen mit der jüngeren Konkurrenz leben lernen, sollen Vorbilder sein und womöglich auch noch Babysitter spielen. Und jetzt auch noch das: Erstgeborene neigen als Erwachsene eher zu Übergewicht als ihre jüngeren Geschwister – und das nur, weil sie die Ältesten sind. Bei Männern war dieser Effekt der Geschwisterfolge schon länger bekannt, jetzt haben Forscher ihn mit der bisher umfangreichsten Studie dazu auch für Frauen bestätigt.

Ob Nesthäkchen oder ältestes Kind: An welcher Position in der Geschwisterfolge wir geboren werden, hat Auswirkungen auf unser späteres Leben – und unsere Persönlichkeit. So deuten psychologische Studien darauf hin, dass Erstgeborene dazu neigen, dominanter und zielgerichteter zu sein, eher die Führung unter den Geschwistern und auch im späteren Leben zu übernehmen. Zudem ist der große Bruder oder die große Schwester oft konservativer, stärker auf den Status quo bedacht als jüngere. Nesthäkchen dagegen sind es eher gewöhnt, durch Charme und soziale Talente ihre Ziele zu erreichen. Sie sind zudem eher offen für neue Erfahrungen, wie Studien nahelegen. Aber auch körperlich scheint die Geschwisterfolge ihre Spuren zu hinterlassen.  So sind männliche Erstgeborene oft größer und schwerer als ihre jüngeren Brüder, wie eine schwedische Studie an einer Million Männern ergab. Es gibt zudem Hinweise darauf, dass erstgeborene Männer stärker zu Diabetes, Bluthochdruck und dem metabolischen Syndrom neigen solche, die noch ältere Geschwister haben. Allerdings: Bisher gab es solche Daten fast nur für Männer.

José Derraik von der University of Auckland und seine Kollegen haben diese Lücke nun geschlossen – mit der weltweit umfangreichsten Studie zum Thema Geschwisterfolge und BMI. Sie nutzten dafür die Daten des schwedischen Geburtsregisters, einer Datenbank, in der 99 Prozent aller werdenden Mütter in Schweden und ihre gesundheitlicher Zustand erfasst sind. Für ihre Studie analysierten die Forscher die Daten von 13.406 Schwesterpaaren, die zwischen 1973 und 1988 geboren wurden und als junge Frauen dann selbst schwanger wurden. Der große Vorteil: Dadurch, dass die Forscher jeweils direkt zwei Schwestern verglichen, waren viele Einflussfaktoren für beide gleich. „Dies ist nicht nur die größte Studie zu körperlichen Effekten der Geschwisterfolge, sie ist auch die einzige, die spezifisch Schwesterpaare untersucht, um genetische Faktoren und Einflüsse der frühkindlichen Umwelt zu minimieren“, konstatieren Derraik und seine Kollegen.

Höhere Wahrscheinlichkeit für Übergewicht

Und tatsächlich ergab die Auswertung Unterschiede: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass erstgeborene Frauen einen höheren BMI haben und wahrscheinlicher übergewichtig sind als ihre jüngeren Schwestern“, berichten die Forscher. Zwar lag der durchschnittliche BMI der älteren Schwestern nur um 2,4 Prozent über dem der jüngeren, dafür war die Wahrscheinlichkeit, dass sie übergewichtig waren, 29 Prozent höher. Bei Adipositas hatten die Erstgeborenen sogar einen Vorsprung von 40 Prozent, wie die Auswertung ergab. Warum das so ist, wissen auch die Forscher bisher nicht. Dennoch halten sie diesen Effekt für real, wie sie betonen – auch wenn Beobachtungsstudien dieser Art keinen kausalen Zusammenhang belegen können. „Unsere Ergebnisse stimmen mit denen für erstgeborene Männer überein und auch mit kleineren Studien an Frauen, die nicht explizit an Schwesterpaaren durchgeführt wurden“, so Derraik und seine Kollegen.

Natürlich bedeutet dies nicht, dass Erstgeborene automatisch zum Dicksein verdammt sind – dafür spielen die spätere Lebensweise und weitere Umweltfaktoren eine viel zu große Rolle. Es deutet lediglich darauf hin, dass die ältesten Geschwister in einer Familie möglicherweise eher dazu neigen, anzusetzen, wenn sie nicht gegensteuern. Die Wissenschaftler gehen allerdings sogar noch einen Schritt weiter:  Sie sehen in diesem Geschwistereffekt sogar einen Mitgrund dafür, dass Übergewicht heute so zugenommen hat. „Die stetige Verringerung der Familiengröße könnte zum beobachteten Anstieg der BMI-Werte beigetragen haben“, meinen sie. Anders ausgedrückt: Wenn Erstgeborene ein höheres Risiko für Übergewicht haben und es in vielen Familien heute nur ein Kind gibt, dann könnte auch das den Anteil der Dicken in die Höhe treiben.

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Quelle:

© wissenschaft.de – Nadja Podbregar
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