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Erde|Umwelt

Fischsterben an der Oder: Salze und Algen als Ursachen

toter Fisch
Toter Fisch an der Oder. © Joerg Modrow / Greenpeace

Die Fische, die im August tonnenweise in der Oder verendeten, starben durch eine giftige Alge, die sich aufgrund erhöhter Salzkonzentrationen im Fluss rasant vermehren konnte. Das bestätigen nun Untersuchungen des Bundesumweltamts und der Umweltorganisation Greenpeace. Letztere fand zusätzliche Hinweise auf unkontrollierte Einleitungen der polnischen Bergbauindustrie, welche eine mögliche Ursache der hohen Salzwerte sind, so die Greenpeace-Sprecher.

An den Ufern der Oder, die von Tschechien über Polen und Deutschland in die Ostsee fließt, wurden im August 2022 tonnenweise tote Fische angeschwemmt. Erste Untersuchungen, die zur Aufklärung der Umweltkatastrophe eingeleitet wurden, identifizierten schnell das erhöhte Wachstum einer giftigen Alge als Todesursache: Die Mikroalge Prymnesium parvum produziert ein starkes Toxin, das vor allem für Muscheln, Amphibien und Fische lebensgefährlich ist. Doch welche Bedingungen begünstigten das rasante Wachstum der toxischen Alge? Und was war die Ursache für die Entwicklung?

Expertengruppe bestätigt hohe Salzwerte

Zur Aufklärung der Ursachen der Oderkatastrophe riefen die deutsche Umweltministerin Steffi Lemke und ihre polnische Amtskollegin Anna Moskwa Mitte August eine Expertengruppe ins Leben. Das Bundesumweltamt, welches die deutschen Experten dieser Gruppe stellt, wertete im Zuge der Ursachensuche zahlreiche Wasserproben und Satellitenaufnahmen aus und kam zu dem Ergebnis, dass eine schnell angestiegene Salzkonzentration in der Oder sowie die Sonneneinstrahlung das rasante Wachstum der Brackwasseralge Prymnesium parvum begünstigt hatten.

„Das Fischsterben in der Oder ist eine gravierende Umweltkatastrophe. Sie wurde durch menschliche Aktivitäten verursacht, das ist ein zentrales Ergebnis der Untersuchungen: Salzeinleitungen sind nach Ansicht der Fachleute die Ursache für das Fischsterben“, berichtet Lemke. Allerdings mussten die Experten mangels verfügbarer Informationen offenlassen, wer oder was für die Salzeinleitungen verantwortlich war, welche zu dem unnatürlich hohen Salzgehalt führten. Außerdem ist weiterhin unklar, wie die Brackwasseralge, die normalerweise in Küstengewässern vorkommt, ihren Weg in die Oder gefunden hat.

Bergbauindustrie verantwortlich?

Zu ähnlichen Ergebnissen kam auch ein deutsch-polnisches Team der Umweltorganisation Greenpeace. Die Umweltschützer entnahmen Ende August siebzehn Wasserproben zwischen dem brandenburgischen Schwedt und der polnisch-tschechischen Grenze auf etwa 550 Kilometer Flusslänge, welche die erhöhten Salzkonzentrationen bestätigten. Ihre Analysen lieferten zusätzliche Hinweise auf die Bergbauindustrie als möglichen Verursacher. Laut der Greenpeace-Sprecher fanden sich die höchsten Salzwerte an einem Rückhaltebecken des Bergbaukonzerns KGHM in Gmina Polkowice. Dort lag der Salzgehalt 40-fach über den für Süßwasser empfohlenen Werten. Ebenfalls auffällig waren hohe Salzwerte flussaufwärts am Gliwice-Kanal, über den andere Bergwerke ihr Abwasser in die Oder beseitigen.

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Nach Angaben der Umweltschützer ist die Oder auch deshalb ein stark belasteter Fluss, weil die Wasserqualität und einleitenden Betriebe auf polnischer Seite nicht durchgängig überwacht werden. „Während in Deutschland durch das Live-Monitoring Verschmutzungen in Echtzeit registriert werden, fehlt diese Form der Überwachung hier. Das führt dazu, dass nach Dienstschluss der Behörden keine Kontrolle mehr stattfindet. Nachts ist für jemanden, der illegal seinen Abfall in den Fluss schütten will, alles möglich“, sagt Marek Jozefiak, Sprecher von Greenpeace Polen.

Die Zukunft der Oder

Auch Bundesumweltministerin Lemke sieht in der Kontrolle der Zuflüsse auf deutscher und polnischer Seite noch Verbesserungsbedarf: „Mit der Überarbeitung des Warn- und Alarmplans für die Oder wurde bereits begonnen. Klar ist auch: Das Fischsterben ist nicht nur ein Problem der Oder. Angesichts der Klimakrise ist ernsthaft zu prüfen, was wir unseren Flüssen in Zukunft noch zumuten können. Wir müssen die Einleitungen von Stoffen, zum Beispiel aus Kläranlagen, in Flüsse überprüfen und reduzieren“. Ebenso wichtig ist nun aber auch die Renaturierung der Oder als Lebensraum seltener Arten und als Quelle wichtiger Ökosystemleistungen für die Menschen vor Ort. Das Bundesumweltministerium treibt daher aktuell ein Projekt voran, welches die Schäden des Ökosystems erfassen, die natürliche Regeneration verfolgen und Grundlagen für effektive Renaturierungsmaßnahmen legen soll.

Quelle: Bundesministerium für Umwelt, Greenpeace Deutschland

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